Start Shows Berichte Rezis Kalender Members Kontakt
Login: BS-Nummer oder Email: Passwort: | | Passwort vergessen?
Astairre:
So lange wir noch funktionieren
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Fanzine und einem Musikmagazin mit "professionellem" Auftreten?
Im Musikmagazin schreibt der Redakteur über befreundete Bands, lobt sie in den Himmel und tut so, als sei es der neue heiße Scheiß - erwähnt aber mit keinem Wort, dass er ja eigentlich persönlich befangen ist.
Beim Fanzine werden Bands von Freunden partout nieder gemacht, man lästert über Eigenheiten und lässt natürlich nicht aus, dass man mit den Typen "aber total gut saufen" kann.
Deswegen fühle ich mich in der Fanzine-Sparte wohler. Ich habe auch das Gefühl, dass die Kommunikation mit den Bands direkter ist. Kleines Beispiel? Da:

Max: wie wäre es, du schreibst mal eine feine Review für deine Boys von Astairre? ;-)
Max: Hmn? :-D
Fö: du weißt doch, ich schreibe ungerne reviews
Max: Ja, dann muss ich dich da eben mal wieder hinkriegen :-D
Ich traue deinen Redakteuren nicht
Die verreissen uns, weil die uns nicht verstehen
Weil wir zu unpunkig sind
Also musst du da ran!
Weil du der Chef des ganzen bist
Und wir uns schon ewig kennen!


So richtige Musikjournalisten hingegen müssen sich mit schmierigen Promoagenturen rumschlagen, müssen den Spagat zwischen ehrlichen Reviews und zufriedenen Anzeigenkunden hinkriegen, der ganze ekelhafte Business-Kram halt.
Wir müssen uns auch manchmal mit so Promotypen rumschlagen. Das klingt dann so:

Benni: Hey Fö,
hast du schon Ideen zu Astairre?
Kann man da nicht vielleicht ein besoffenes Interview oder so machen?

Fö: hahaha! ich trinke doch gar nicht! aber die idee gefällt mir. ein schnaps, eine frage. ich überleg mir was!
Benni: geht ja auch per skype und du trinkst wasser! hahahaha

Zum Interview kam es übrigens noch nicht, ich warte noch auf das Alkoholtester-Plugin für Skype. Bis dahin hier meine persönliche, voreingenommene, subjektive Meinung zur neuen EP meiner Freunde von Astairre! Ganz ohne Sätze wie "die Zukunft des deutschsprachigen Indiepop".

Also, Astairre. Darf ich das Wort "unpeinlich" schreiben, ohne dass es peinlich wirkt? Astairre sind erfrischend unpeinlich. Sie machen schöne Lieder, die sich gar nicht erst bemühen, Punk zu sein. Das finde ich zwar schade, aber ich versuche ja stets, meinen Horizont offen zu halten.
5 Songs, frei aus der spätpubertären Midlife-Crisis junggebliebener Zuspätgeborener.
"Ich hasse meine Freunde" ist ein starker Opener, baut sich allmählich auf und zündet dann in einem fulminanten - ach, nee, hm, kein geiles Haudrauf-Finale. Die sind wohl doch nicht so berechenbar wie ich's gerne hätte.
"Cavern Club" ist mein Tiefpunkt der Platte. Da wird sich ausgeheult darüber, dass man ja nicht "früher" gelebt hat, darüber dass aufstrebende Bands heutzutage nicht mehr "The Beatles" heißen sondern beispielsweise "Knüppelrosi". Mich versöhnt die Zeile "Zwei analoge Spieler in einer digitalen Welt", das ist so retro, und retro ist ja mittlerweile auch wieder retro.
"Lässt du mich auch alleine" erinnert mich an tanzbaren Britpop der 00er Jahre, also auch wieder retro, aber in schön, und irgendwann wird im Hintergrund "jaaa" geschrien, und das fasst eigentlich ganz gut zusammen, dass der Song trotz des Wörtchens "alleine" seine lebensbejahende Grundstimmung nie verliert.
"1984" kursierte schon vor knapp 2 Jahren als Video, war damals ein überraschendes Lebenszeichen einer Band, die man irgendwie schon abgeschrieben hatte. Ich fand den Song damals doof, aber mittlerweile geht er gut ins Ohr.
"Am Punkt". Zum Abschluss nochmal ein knackiger Mitschwinger. Etwas wehmütig, aber treibend.

Und so insgesamt: Die EP ist, bei aller Befangenheit, echt gut. Nicht der Mega-Smasher, den man 9 Jahre nach der letzten EP eigentlich raushauen sollte, aber ein willkommener Gruß einer Band, die sich nicht anmerken lässt, dass sie sich Zeit gelassen hat. Nicht unbedingt die Zukunft des deutschsprachigen Indiepop, aber manchmal kann die Gegenwart ja auch ganz schön sein. Außerdem ist Sänger Philipp der einzige Mensch weltweit, der den Doppelkonsonant "ll" zweisilbig aussprechen kann. Hört mal rein!

P.S.: Bei aller Unpeinlichkeit: Man schreibt trotzdem "solange" und nicht "so lange", ihr Idioten!

P.P.S.: Releaseparty der EP ist am 08. April 2016 im Kölner Atheater. Wir verlosen Tickets! Was ihr machen müsst, lest ihr hier!
04/2016
Hörprobe:
Astairre
Musikstil: Poppunk, Powerpop
Herkunft: Bottrop
Homepage: www.myspace.com/astairre
Astairre - So lange wir noch funktionieren

Stil: Indiepop, Powerpop
VÖ: 01.04.2016, 12", CD, Unter Schafen


Tracklist:
01. Ich hasse meine Freunde
02. Cavern Club
03. Laesst du mich auch alleine
04. 1984
05. Am Punkt

(FB nicht mehr anzeigen?)

Kommentar eintragen:

bisher keine Einträge

Kommentar eintragen - Anmerkung, Kritik, Ergänzung
nicht eingeloggt - Login siehe oben
Name:

e-Mail:

Kommentar:
part of bierschinken.net Top