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Zwakkelmann:
Entschuldigung
Zwakkelmann hatte es im letzten Jahr bandtechnisch nicht leicht - der Schlagzeuger steigt aus, das Label muss gewechselt werden. Die Gründe sind Insidern bekannt, sollen jedoch an dieser Stelle nicht weiter diskutiert werden.
Beides hört man der neuen Scheibe nicht an. "Entschuldigung" ist so unverwechselbar Zwakkelmann, wie es nur sein kann. Doch halt. Diese Floskel würde der mittlerweile 7. CD aus dem Hause des unverwüstlichen Schlaffke nicht gerecht werden. Ja, zugegeben, ich bin Fan und Freund des Machers. Und ich freute mich sehr, als ich das Album weit vor dem öffentlichen Release-Datum in meinem Briefkasten vorfand. Voller positiven Spuren legte ich das Ding in den CD-Player. Und: Nach 45 Minuten Ernüchterung. Da blieb leider gar nichts hängen, außer dem Titel 15: Geschwindigkeit.
Das kann es nicht sein, dachte ich so, was ist aus der Hitmaschine aus Hamminkeln geworden? Ich hörte "Entschuldigung" nochmal und nochmal an. Und, gottseidank, der erste Höreindruck trübte.
Nach mittlerweile circa zehn Durchläufen fühle ich mich kompetent genug, eine einigermaßen fundierte Bewertung zu schreiben. "Entschuldigung" ist super! Doch sie ist, wie in der Einleitung beschrieben, nicht einfach unverwechselbar Zwakkelmann. Die geilen "babababa"-Chöre werden zwar perfektioniert ("Wollt' nur deine Stimme hören", "Disco-Zwakkelmann") und die Lieder schwanken nach wie vor irgendwie zwischen Udo Jürgens ("Ohne dich ist doch alles...") und ein kleines bisschen Hardcore für ältere Herrschaften ("Reißleine"), jedoch gibt es zwei gravierende Unterschiede zu den vorherigen Alben:
Erstens sind die Texte erwachsener. Früher sang Schlaffke davon, wie er scheißen müsse, dass er asozial sei und dass er sich gerne an jedem Wochenende die Rübe mit Alkohol wegballern würde. Die Texte drehten sich oftmals um die proletischen und feuchtfröhlichen Aspekte des Alltags. Gut, auch auf "Entschuldiung" "pisst er einem an die Karre" und zieht die "Scheißleine", aber das wars dann schon mit der fäkalischen Eskalation. Die Themen der Songs sind etwas allgemeinverträglicher geworden. Die Lieder drehen sich um Liebe und Selbstreflektion. Klar, die ein oder andere Sparwitz-Nummer ist auch dabei ("K.o.", "Lärmbelästigung", "Geschwindigkeit"), aber die ganz großen Suff-Mitgrölhymnen bleiben einfach aus. Doch irgendwie waren es bei Zwakkelmann auch schon immer die ernsteren Songs, die mich, aufgrund der nicht theatralischen Ehrlichkeit, immer voll überzeugt haben (z.B. "Sommerloch" oder "Sterne sehen"). Und ich nehme es dem Protagonisten einfach ab, wenn er in "Verlierer-Dasein" realistisch, objektiv und niemals resignierend davon singt, dass der Zug, etwas besonderes zu werden, in seinem Leben einfach abgefahren ist. Angenehm, dass er diese Tatsache nicht auf den Staat schiebt. "Disco-Zwakkelmann" ist ebenso ein Beispiel. Bei der Textzeile im 3. Refrain, in der er vom "Pilzesammeln" singt, musste ich herzhaft lachen. Aber irgendwie steckt in dem Lied so viel Wahrheit drin und man denkt sich insgeheim: Ja, diese geschilderte Situation habe ich auch bereits erlebt. Die gleiche Erkenntnis gilt für "Spaßbremse", der Antipartyhymne für alle Nicht-Gern-Club-Geher. "Wollt nur deine Stimme hören" und "Ich lieb sie so wie sie ist" - zwei Reflexionen über den Alltag, wie sie wohl jeder der Leser hier bereits erlebt hat.
Zweitens, und noch viel offensichtlicher: Musikalisch/kompositorisch ist "Entschuldigung" das mit Abstand beste, was Zwakkelmann je produziert hat/haben. Songs wie "Wollt nur deine Stimme hören" oder der abschließend-geniale Titeltrack sind für Zwakkelmannverhältnisse schon fast so etwas wie Progressive-Rock. Durchdachte Kompositionen, melodiös und sehr schön produziert. Geil auch, wie bei "Gitarre" aus einem nervtötenden Hip-Hop-Gestammel über eine "We will rock you"-Verneigung eine brachiale Gitarrenwand zum Einsatz kommt. Die zweite Erneuerung ist wohl auch der Grund, warum ich mich anfangs mit der CD schwer getan habe: Die Lieder wachsen tatsächlich mit jedem Hördurchgang, einfach weil die ganz subtilen Mitgrölnummern ausbleiben, jedoch bei genauerem Hinsehen einfach tolle Popsongs bleiben. Dass es Zwakkelmann mit entsprechendem Marketing in die Radios und Charts schaffen könnten, ist für mich ganz klar. Ob der Macher das überhaupt will, allerdings nicht.
Für Schlaffkes Mutter ist, ich denke aus oben genannten Gründen, "Entschuldigung" das mit Abstand beste Werk des Hamminkelners.
"Verlierer-Dasein" (Gänsehaut), "Abschalten von allem" (schon jetzt mein Sommerhit 2016), "Disco-Zwakkelmann" (Pilzesammeln), "Gitarre" (Progressive-Zwakkelmann), "Wollt nur deine Stimme hören" (Progressive-Zwakkelmann 2), "Geschwindigkeit" (Pogo) und "Entschuldigung" (Perfekter Popsong) sind meine absoluten Favoriten. Sieben von 16 Liedern, die es in meine "Alltime-Best-Of-Zwakkelmann" schaffen würden. Kein schlechter Schnitt. "Entschuldigung" ist musikalisch sicher das beste Album der Band. Wenn ich etwas zu kritisieren habe, dann, dass, wie oben beschrieben, ein "Sauf-Gröl-Fäkal"-Klassiker fehlt. Aber: Ob das im Alter des Texters überhaupt noch Sinn macht, ist wiederum die andere Frage.
Fazit: Ein Superalbum, mit dem einige Hardcore-Punker sicherlich nichts anfangen können, man aber garantiert auch die Schwiegermutter überzeugen kann.
Kabl 04/2016
Hörprobe:
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Zwakkelmann - Entschuldigung

Stil: Pop
VÖ: 19.04.2016, CD, Hulk Räckorz


Tracklist:
01 Meine geliebte Z.
02 Verlierer-Dasein
03 Mann ohne Manko
04 Abschalten von allem
05 Reißleine
06 Ohne dich ist doch alles...
07 Disco-Zwakkelmann
08 Spaßbremse
09 K.o.
10 Gitarre
11 Instrument-Aal
12 Wollt' nur deine Stimme hören
13 Ich lieb sie so wie sie ist
14 Lärmbelästigung
15 Geschwindigkeit
16 Entschuldigung

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