Anschlag:
Bekennerschreiben
Bei der ersten 7" der Band Anschlag aus Aachen liegt endlich mal ein klares Deutschpunk-Album vor. Politische Texte für Veränderung und Revolution und gegen rechtes Gedankengut und geistige Brandstifter. Das Ganze sehr flott und zügig. Klingt irgendwie, als hätten Alarmsignal noch ein paar unveröffentlichte Stücke im Keller gefunden und diese nun doch noch auf einen Tonträger gepresst. Sehr hoher D.I.Y.-Faktor und trotzdem alles noch sehr rund. Einziges Manko ist dann aber doch, dass alles klingt, wie irgendwie schon mal genau so woanders gehört. Mal was ganz neues auf einer Punk-Platte ist dann jedoch die Vertonung des Gedichtes "Der sterbende Soldat" von Karl Kraus, das auf dem Album den Titel "Misanthrop" trägt. Mit Vertonung meine ich an dieser Stelle nicht, dass man einfach ein altes Gedicht genommen hat und das als Song verwurstet hat, so wie ZSK das zum Beispiel mit "Küsst die Faschisten" von Kurt Tucholsky gemacht haben, sondern, dass hier Anschlag das Ganze als Mini-Hörspiel mit Flugzeuglärm und Geschützgedonner im Hintergrund inszeniert haben. Hier kommt dann die Dilettanz der Aufnahme der Gesamtatmosphäre zu gute und erinnert fast an ein Hörspiel aus den 50ern, oder an Anti-Kriegsfilme aus dem selben Jahrzehnt. Ähnliches wurde auch mit Erich Kästners "Misanthropologie" gemacht, das auf der Platte auf den Namen "Vaterland" hört. Auf mich wirkt jedoch "Der sterbende Soldat" deutlich authentischer und gefällt mir somit auch besser.
Fazit: Für alle, die auf Deutschpunk a la Alarmsignal, Fahnenflucht, Rasta Knast und Systemfehla stehen, kann ich diese 7" empfehlen.
Anspieltipps: Es brennt, Revolution, Bomber Harris
Kommentare:
bisher keine Einträge