Nakam:
Nakam
"Nakam" war eine Gruppe jüdischer Partisanen, die nach 1945 als Rache für die Shoah zunächst versuchte, sechs Millionen Deutsche durch Vergiften des Trinkwassers zu töten ("Plan A") und danach, als dieser Plan misslang, eine Brotlieferung für 15.000 Kriegsgefangene vergiftete ("Plan B"). Diesem Plan fielen ca. 300 Deutsche zum Opfer.
Außerdem ist "Nakam" der Name einer deutschen Hardcore-Punk-Band, die sich in ihren Texten in Vernichtungs- und Rachefantasien ergeht. Das historische Vorbild wird in zwei Liedern aufgegriffen, ein drittes beklagt (völlig zurecht) die aktuelle deutsche Vormachtstellung in Europa und fragt sich, wie "wir" es soweit haben kommen lassen können. Die meisten anderen Lieder handeln von einem sozial ängstlichen Mobbingopfer, das seine Peiniger (in "Sirens" auch eine ganze Stadt) abschlachten will.
Irgendwie behagt mir das nicht. Der geschichtliche Hintergrund ist einfach zu groß, um daraus ein Konzept für eine Hardcore-Band zu stricken, und was passiert, wenn Mobbingopfer zu Amokläufern werden, ist jetzt auch nicht wirklich schön (und hat mit der jüdischen "Nakam"-Gruppe halt auch nichts zu tun). Man kann natürlich jetzt argumentieren, dass wir es hier mit einer künstlerischen Auseinandersetzung mit einem schwierigen Thema zu tun hätten, aber dafür fehlt es mir an Tiefe - ein wild gewordener Schreihals, der seinen Hass ins Mikro bölkt, reicht mir da nicht. Das mag Therapie für ihn und seine Kumpels sein - aber warum soll ich mir das anhören? Musikalisch ist das selbstbestitelte Debüt-Album nämlich auch eher uninteressant, der Sound ist auf allen Ebenen zu dünn, Abwechslung sucht man vergebens. So bleibt unterm Strich als Gewinn für mich leider nur der Anstoß für eine Beschäftigung mit der Geschichte. Immerhin!
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