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Dørtebeker:
Demo
Kategorie: "Was jemand besprechen wollte und es dann aber monatelang vor sich her schob"

Die drei am meisten unterbewerteten Bands des Sektors "melodischer Punk mit schlauen Texten" waren für mich immer: Inner Conflict, Balboa Burnout und Kobayashi. Ich habe mal einem Konzert von Kobayashi im AZ Wuppertal beigewohnt, bei dem ich einer von insgesamt nur drei zahlenden Gästen war.
Warum ich das hier schreibe? Weil Dørtebeker wahrscheinlich auch kein Schwein kennt und weil hier Reste von Kobayashi enthalten sind.

Die Band hört das wahrscheinlich nicht so gerne, aber ich muss sie einfach mit Kobayashi vergleichen. Der Gesang! Der ist halt ziemlich markant und sorgt für einige Ähnlichkeit. Ansonsten sind hier anscheinend auch noch Reste von Koyaanisqatsi enthalten. Und die beiden Bands könnte man dann auch schon ganz gut als Anhaltspunkte nehmen, um die Musik zu beschreiben.

Aber irgendwie kommt das Ganze dann doch noch einen Tacken melodischer daher. Die Gitarrenmelodien gehen irgendwie ein bisschen Richtung alte Muff Potter oder Richtung Pascow - wer mich kennt, weiß, dass ich das als Kompliment meine.
Braucht jemand noch mehr Vergleiche? Ich könnte noch 1.Mai'87 und Graue Zellen in den Raum werfen. Ähnlich eckig und kantig und aber trotzdem Melodie. Kennt aber sicherlich auch kaum noch jemand, oder?

Der Gesang ist aber wirklich so, wie man ihn von Kobayashi kannte. Diese ganz bestimmte Art, die Wörter zu betonen und die Sätze auf die Melodie zu verteilen, die gibt's nur einmal. Aber da mir das immer schon gut gefallen hat, gefällt es mir auch hier sehr gut.

In dieser Richtung "melodischer Punk mit schlauen Texten" gibt es neuerdings irgendwie gefühlt an die 1.000 Klone, die alle versuchen, so wie Turbostaat, Love A oder Pascow zu klingen und irgendwie an deren Erfolg anknüpfen möchten. Die meisten hören sich in meinen Ohren komplett gleich an; sie haben viele professionelle Videos, bei denen sie sehr ernst in die Kamera schauen (oder: die Haare hängen im Gesicht und mit geschlossenen Augen werden diese ach so bedeutungsschwangeren Lyrics performt); und sie haben schön kryptische Texte, damit die auch ja niemand verstehen kann. Ich will ja jetzt keine Namen nennen, aber das nervt mich alles kolossal.
Bei Dørtebeker ist es anders. Die sind wie gesagt sehr eigenständig. Und die Texte verstehe ich auch. Und es gibt keine nervigen Videos.
In einer gerechteren Welt wären Dørtebeker viel erfolgreicher, als alle diese hippen, neuen Quark-Bands.

Die Texte sind klug und gefallen mir sehr gut. Ich gehe zwar nicht mit allem d'accord; z.B. "Theos These": Ich finde fairtrade einkaufen mega wichtig. (Ja ja, ich weiß, es gibt kein richtiges Leben im falschen. Aber trotzdem würde ich lieber Songs gegen "hauptsache billig"-Einkäufer hören. Das hat mich schon letztens bei Popperklopper und diesem schrecklichen „Fairtrade, Fairkauft, Fairarscht“-Song so dermaßen genervt...). Denn leider nehmen viel zu viele das Argument "man kann ja doch nicht alles ändern und die Welt ist ja eh so schlecht" als Ausrede, um doch nicht den teureren fairtrade Kaffee kaufen zu müssen. Oder das Shirt.
Aber man muss ja nicht immer einer Meinung sein. Man kann drüber reden und hat mal wieder einen Denkanstoß bekommen. Das macht gute Texte aus.

Die Songs gibt es als Kassette; oder für umsonst zum runterladen auf der Homepage der Band (oder bei Bandcamp).
Wer irgendeine der angesprochenen Bands gerne mag, sollte das ruhig mal machen!
Coco 01/2018
Hörprobe:
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Dørtebeker - Demo

Stil: Punk
VÖ: 2015, Tape, Tofu Guerilla, Raccoone


Tracklist:
01. mal 0, mal 1
02. Theo's These
03. Viele Kanäle
04. Er, Sie, Wir, Die
05. Quarzsandhandschuh
06. Blindgänger
07. 18 Knoten
08. Zwölf

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