Imperial State Electric:
Anywhere Loud
Die fleißigen Schweden bringen nach vier Studioalben und zahllosen Singles und EPs nun ihren ersten Live-Longplayer heraus. Bereits 2010 gab es eine Live-EP mit sechs Stücken, die sich allerdings hier nicht wiederholen. Mit 23 Stücken und knapp 78 Minuten wurde hier alles hineingepresst, was auf eine CD bzw. zwei LPs passt. Die Musik steht klar im Vordergrund, und so wurde weitestgehend auf Ansagen und Pausen verzichtet, um mehr Zeit für Songs zu haben. Natürlich gibt es live-typische Elemente wie ein kleines Schlagzeugsolo am Anfang von 'Holiday From My Vacation', ein eingestreutes „Tokyo, how are you feeling?“ in 'Redemption's Gone', Mitsingspiele zu Beginn von 'Reptile Brain' oder eine Zitatsammlung berühmter Rock'n'Roll-Riffs von Beatles bis Hellacopters im abschließenden 'Thworing Stones'.
Manchem Hellacopters-Fan mag Nicke Andersson's Quasi-Nachfolgeband im Vergleich mit den alten Helden stellenweise nicht aggressiv genug sein, aber auf diesem Album gibt es nun die vermisste Schüppe Dreck und Druck. Aufgenommen wurden die Stücke zwischen 2014 und 2016 in Madrid, Tokyo und Stockholm. Der Sound wirkt dabei wie aus einem Guss, nur ein echtes Konzertgefühl will sich nicht so recht einstellen. Eher wirkt es wie eine Best-Of-Scheibe mit Live-Sound, da außer den meisten Ansagen auch Publikumsreaktionen der Schere zum Opfer fielen. Da hätten eventuell auch 20 Songs gereicht und dafür ein wenig mehr Konzertatmosphäre gut gepasst, aber mehr ist mehr und die Songs sind dafür der Star. Als Leckerbissen gibt es noch zwei Coverstücke, nämlich das oft gecoverte 'Sonic Reducer' von den Dead Boys und 'This is Rock 'n Roll' von The Kids. Gelungen!
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