Egon und die Treckerfahrer:
Moinsen
Reingelegt. Beim Namen hoffte ich auf eine miese Provinzbauern-Rock'n'Rollband, die es tatsächlich gewagt hat, mit ihrem bedauernswerten Mangel an Selbsteinschätzung ins Studio zu gehen, um ihr Bühnenprogramm vom letztjährigen Kürbisfest auf CD zu bannen. Genauso ist es zwar auch, allerdings handelt es sich hier um eine Doppel- (sic!) Kinderhörspiel-CD. Heißes Eisen. Ich komme mir ein bisschen so vor, als müsste ich die Tanzperformance eines geistig behinderten Kindes mit nur einem Arm und ohne Beine bei einem Breakdancewettbewerb bewerten; hab ich keine Ahnung von. Aber ich habe eine Meinung dazu und die wollte die Band ja anscheinend unbedingt lesen, also bitteschön, bewerte ich das unter den Gesichtspunkten aller bisherigen Rezensionen:
Als Erstes fällt mir da der Etikettenschwindel auf: Egon ist der einzige Treckerfahrer, die anderen drei sind Postbotin, Güllemeister und Mofaschrauber.
Zweitens muss ich anmerken, dass die Geschichte nicht besonders spannend ist, zumal die Dialoge unfassbar überbetont und laaangezogen vorgetragen werden. Kinder sind nicht dumm (also zumindest nicht von Anfang an), die schnallen das Dargebotene durchaus in normaler Sprechgeschwindigkeit.
Drittens: die Musik. Puh. Mal abgesehen von den zum zweimillionsten Mal verwursteten Traditionals wie "Meine Tante aus Marokko" und bekannte Kinderserientitelsongs wie "Wickie und die starken Männer" sind auch Perlen vorhanden, wie das Lied über die Freuden des Güllefahrens auf die Melodie von Jingle Bells. Es ist wirklich schwer zu ertragen.
Kein Wunder, dass die Menschen in den Provinzen der Republik zum Alkoholismus neigen, und der Nachwuchs sich lieber in die Städte verpisst.
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