Start Shows Berichte Rezis Kalender Members Kontakt
Login: BS-Nummer oder Email: Passwort: | | Passwort vergessen?
Harry Gump:
Four Chords Forever
Bei diesem Album habe ich wirklich mit mir gehadert. Akustik ist ja immer ein schwieriges Feld. Sei es die starke Konzentration auf meist eine Person statt eines kompletten Bandpakets, oder die ja doch etwas beschränkten Möglichkeiten, wenn man sich als Sänger*in ganz auf seine Klampfe stützen muss. Dennoch wurde mir Harry Gump von niemand anderem als Martin von Sensitives ans Herz gelegt, deswegen müsste er ja eigentlich zu den Guten gehören. Leicht macht er es mir mit "Four Chords Forever" jedoch nicht. Dort sind nämlich ganze 20 Tracks drauf, die Hälfte davon Livesessions. Da der CD dann auch noch ein Buch beiliegt, denke ich mal, dass sich das Paket in erster Linie an Fans richtet. Also genau das richtige für mich. Ha!

Dennoch muss ich zunächst einmal anerkennen, dass eine ganze Menge Liebe in diesem Paket steckt. Sowohl die beiliegende CD, als auch das Buch sind schlicht, aber trotzdem schick designt. Wenn ich das richtig verstehe, handelt es sich bei "Four Chords Forever" um eine Art Best Of. Da ich bis dato nicht wirklich etwas von Harry Gump gehört habe, soll mir das recht sein. Für echte Fans gibt es als besondere Leckerlis dann ja immer noch den Live-Teil und das beiliegende Büchlein im angenehmen Taschenformat. In diesem finden sich zum einen die Songtexte mit Akkorden (falls ihr auch mal ordentlich gumpen wolltet) und kurze Texte von Menschen, denen Harry Gump mal auf der großen Straße des Lebens begegnet ist. Keine Sorge, das ist definitiv spannender, als ich es gerade schildere. So ist es doch immer ganz interessant zu hören, wer denn noch alles so in diesem weiten Punkrock-Kosmos unterwegs ist und was die einzelnen Szeneakteur*innen so alles treiben bzw. getrieben haben. Ein paar der Leute sagen mir was bzw. kenne ich persönlich wie die Notgemeinschafts-Boys, Julius von Travels & Trunks oder die Minipaxs. Viele Personen, Läden und Orte sind mir aber einfach unbekannt. Harry Gump kommt nun mal irgendwo aus dem tiefsten Süden und da kenne ich mich zugegebener Maßen null aus. Diese Mischung aus Unbekannten (bayrische Punkjugend so um die 90er) und Bekanntem macht die Lektüre gerade für mich aber ziemlich erfrischend. Auch wenn ich merke, dass die hier interviewten alle locker mal 10 Jahre älter als ich sind und deswegen eine etwas andere Sozialisation durchgemacht haben. Ganz anders hingegen sind da die Geschichten aus den anderen Teilen der Welt. Sei es nun Großbritannien (Johnny Campbell) oder die USA (Spike McGuire), oder für mich eigentlich am spannendsten Argentinien (Argies/Radical Radio) und Israel (The Wound, Dead, 03). Ich könnte somit den Kauf eigentlich schon aufgrund der beiliegenden Lektüre empfehlen oder meine Rezi einfach hier beenden, aber dann haut mich Fö halt wieder.

Okay, ich machs kurz: Dass ich Liedermacher*innen eher skeptisch gegenüber stehe, erwähnte ich ja bereits. Harry Gump singt jedenfalls mal deutsch, mal englisch und oft geht es um die Liebe zum Punkrock, ums Touren, aber auch um Freundschaft. Darüber hinaus ist Harry Gump aber auch sehr politisch, was bedeutet, dass in vielen Songs auch die aktuellen (Herrschafts-)Verhältnisse hinterfragt werden. Das ist alles sehr lobenswert, dennoch will beim Hören der Funke einfach nicht überspringen. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich alleine in meinem Zimmer vor dem Rechner sitze und das hier einfach Hymnen sind, die für die kleine Kneipe nebenan geschrieben wurden. Da funktionieren dann die eingängigen Songs mit ihren Folk-Einflüssen bestimmt ziemlich gut. Ich lege also den Tonträger jetzt erstmal auf unbestimmte Zeit bei Seite und nehme mir fest vor dem Interpreten - sollte er mal wieder in meiner Nähe aufspielen - einen Besuch abzustatten.

Fazit: Akustikbarde bringt mit viel Herzblut nicht nur eine Platte, sondern auch eine kleines Büchlein im Grabbelformat heraus. Auf beiden kommen Szeneprotagonist*innen zu Wort.

Anspieltipp: We're all in this together! feat. The Sensitives & Siona
Zwen 03/2020
Hörprobe:
Bitte hier klicken, um diese Einbettung von Youtube zu aktivieren.Mehr Infos, wie wir mit Einbettungen von externen Anbietern umgehen, hier.
Harry Gump - Four Chords Forever

Stil: Singer/Songwriter, Folk, Punk
VÖ: 07.12.2019, CD + Buch, LP + Buch


Tracklist:
01. Longing for more
02. Nichts weiter feat. Niki Minipax
03. Songs of freedom feat. Paul M. Vilser
04. We're all in this together! feat. The Sensitives & Siona
05. Was zählt
06. Stumm feat. Niki Minipax & Marc Villon
07. Pictures of our past feat. Simon Grape
08. The day I'll lay my six-string down feat. Simon Grape
09. A voice in my head
10. Castles in the sand
11. Vor dem Moment - Live im Schwarzen Hahn München
12. Story of a hurricane - Live im Schwarzen Hahn München
13. Lawinen - Live im Schwarzen Hahn München
14. Aufsteh'n und Scheitern - Live im Schwarzen Hahn München
15. Molly's Pub - Live im Sound-n-Arts Bamberg
16. Und alles ist beim Alten geblieben - Live im Loft Nürnberg
17. A voice in my head - Live im Schwarzen Hahn München
18. Collecting stories (Salthill Prom Session)
19. Kompass (Soča Session)
20. By my side - Unplugged im Schwarzen Hahn München

Bitte hier klicken, um diese Seite bei Facebook zu liken oder zu teilen. Mehr Infos, wie wir mit Einbettungen von externen Anbietern umgehen, hier.

Kommentar eintragen:

bisher keine Einträge

Kommentar eintragen - Anmerkung, Kritik, Ergänzung

Name:

e-Mail:

Kommentar:
Deine Eingaben werden bis auf Widerruf gespeichert und für Nutzer der Seite sichtbar.
Die Angabe der Email-Adresse ist freiwillig und sie bleibt nur sichtbar für eingeloggte Nutzer.
Weitere Infos in unserer Datenschutzerklärung.
part of bierschinken.net
Impressum | Datenschutz