Start Shows Berichte Rezis Kalender Members Kontakt
Login: BS-Nummer oder Email: Passwort: | | Passwort vergessen?
Talk Me Off:
Cursed
Kennt ihr das, wenn man die Bettwäsche gewechselt hat und das erste Mal, mit den ausgestreckten Armen voran, in die samtig weichen und frisch duftenden Laken eintaucht? Dann von dem gut riechenden Stoff umschmiegt wird und sich, nach einmal tief einatmen, psychisch so fallen lässt wie man es wenige Sekunden vorher physisch gemacht hat? Kennt ihr diesen kurzen Moment innerlicher und äußerlicher Glückseeligkeit? Vermutlich nicht, von euch hat doch bestimmt niemand sein Bett seit Jahren frisch bezogen, ihr alten siffigen Schmuddel-Punks! So wie mit der Bettwäsche erging es mir, nachdem ich die CD von den noch nicht allzulang existierenden TALK ME OFF aus Richmond Virginia in den Player geschoben habe und mir ohne große Umschweife ihr klassischer Punkrock durch die Gehörgänge vorbei an der Gehörschnecke, Richtung Hirnnerv und dann in den Gehirnstamm gejagt wurde. Ja, verehrte LeserIn, gerade hast du etwas über Abläufe in deinem Körper gelernt! Merke: bierschinken, bildet!.

Das Trio um Bassist und Sänger Ryan und Gitarristin und Sängerin Holly hält sich direkt vom Start der Platte nicht mit viel Schnörkel auf, sondern geht straight nach vorne. Schnell sticht der knarzige Bass heraus, der zwar nicht die Genialität, aber zumindest Anflüge von (Matt) Freeman*schen Qualitäten zeigt. Den Gesang teilen sich Ryan und Holly untereinander auf, mal singt der eine, mal die andere einen ganzen Song oder sie spielen sich den Ball innerhalb eines Songs leichtfüßig zu. Alle durch die Bank schnellen und mitreißenden Songs haben ein nahezu identisches Klangbild und wirken dadurch wie aus einem Guss. Scheinen die Songs aus musikalischer Hinsicht durchaus beschwingend, verhält es sich mit den düsteren Texten eher gegenteilig. In ihnen verarbeitet die Band gleich eine ganze Palette von Problemen mit ihrer Umwelt und ihren Mitmenschen sowie persönliche Sorgen und Ängste. Das reicht vom Leben mit anhaltenden negativen Gedanken und ständiger Besorgnis, von denen Holly nicht ablassen kann (Worry Wart), vom ständigen Gefühl zu versagen (Cursed), das sich in einer zum Scheitern verurteilten oder toxischen Beziehung befinden (Insidious & Enough), sowie die Beziehung zu den eigenen Eltern (Denial). Um Eltern, die stark gläubig sind und ihre Kinder ausschließen, da diese einen anderen Lebensweg eingeschlagen haben als die Erzeuger (Get Out) und um den Entschluss und das Recht, sich dafür zu entscheiden, dies nicht selbst sein zu wollen und ein Leben ohne Nachwuchs zu führen, beziehungsweise das Recht auf Abtreibung (Cut It Out). In Comfort Zone geht es darum, immer wieder mit dem eigenen Verhalten anzuecken und in (Liar, Liar) wie es ist, wenn Mitmenschen einem einreden, dass „alles halb so wild“ sei, obwohl sie keine Ahnung haben, wie mies sich das Gegenüber fühlt. In Smile darüber, wie ätzend es ist, „gute Miene zum bösen Spiel“ machen zu müssen.

Was die Abwechslung betrifft, bei diesen vom Klangbild ähnlichen Songs, ist es wie beim Bestellen der immer gleichen Pizza beim Lieblings-Italiener. Immer das gleiche Essen, aber auch qualitativ immer gleich gut! Da weiß Mensch was er hat! Stellenweise gefallen mir die Songs mit Ryans Gesang etwas besser, da er etwas mehr Flow hat. Hollys Gesang hat dafür eine etwas kräftigere und wütendere Note. Was also keinesfalls bedeuten soll, dass er allein singen sollte. Ganz im Gegenteil, dass beide singen bereichert die Musik ungemein. Außerdem reden wir hier ja von Punkrock, da muss auch nicht immer alles perfekt und schön sein. Wer was zu sagen hat sollte es auch rauslassen, egal wie schön oder unschön es klingt oder wie viel "Flow" es hat. Ist halt nur so dass Ryan's Gesang den Weg leichter durch die Wirrungen meiner Gehörgänge in Richtung Gehörschneck... Alle die den Anfang gelesen haben, sollten nun wissen wie es weiter geht!
Peter 05/2020
Hörprobe:
Bitte hier klicken, um diese Einbettung von Bandcamp zu aktivieren.Mehr Infos, wie wir mit Einbettungen von externen Anbietern umgehen, hier.
Talk Me Off
Musikstil: Punkrock
Herkunft: Richmond, Virginia (USA)
Homepage: https://www.facebook.com/talkmeoffrva/
Talk Me Off - Cursed

Stil: Punkrock
VÖ: 15.03.2020, LP, CD, Gunner Records (Link)


Tracklist:
01. Cursed
02. Worry Wart
03. All Is Lost
04. So What?
05. Cut It Out
06. Liar
07. Comfort Zone
08. Insidious
09. Smile
10. Enough
11. Denial
12. Get Out

Bitte hier klicken, um diese Seite bei Facebook zu liken oder zu teilen. Mehr Infos, wie wir mit Einbettungen von externen Anbietern umgehen, hier.

Kommentar eintragen:

bisher keine Einträge

Kommentar eintragen - Anmerkung, Kritik, Ergänzung

Name:

e-Mail:

Kommentar:
Deine Eingaben werden bis auf Widerruf gespeichert und für Nutzer der Seite sichtbar.
Die Angabe der Email-Adresse ist freiwillig und sie bleibt nur sichtbar für eingeloggte Nutzer.
Weitere Infos in unserer Datenschutzerklärung.
part of bierschinken.net
Impressum | Datenschutz