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NoFX, Frank Turner:
West Coast vs. Wessex

Der eine Rezensent war die letzte Zeit andauernd im Urlaub oder auf Wanderungen und der andere ständig auf irgendwelchen Spielplätzen. So kamen wir vor lauter Herumlatschen und Sightseeing auf der einen Seite und Kinderbetreuung auf der anderen Seite nicht dazu, uns um das neueste Kind aus dem Hause Fat Wreck zu kümmern. Schlussendlich haben wir es nun aber doch geschafft, diese Split-Rezi zum Split-Album von NOFX und Frank Turner zu schreiben. Diese teilt sich auf in eine Pro- und eine Kontra-Seite. Aber lest selbst, bedenkt dabei nur "Wahre Worte sind nicht immer schön. Schöne Worte sind nicht immer wahr!":

Zwen aka der "böse Bierschinken-Bulle":

An dieser Split läuft einiges schief und das liegt nicht nur allein an Frank Turner. Okay, sehr viel liegt an Frank Turner. Der Typ ist einfach eine Schlaftablette! Wer hört das denn? Leute, denen Punk zu hart, Pop-Musik aber ein bisschen zu oberflächlich ist? Joe-Biden-Wähler*innen? Alleinerziehende in der Midlife-Crisis? Jedenfalls zähle ich mich zu keiner der genannten Gruppen und habe auch keine Schlafprobleme. Aber auch NoFX bekleckern sich bei West Coast vs. Wessex nicht gerade mit Ruhm. So gibt es mal ein bisschen Uptempo, ab und an mal ein bisschen Reggae-/Ska-Offbeat und hier und da mal etwas Gospel mit Keys und „Aaaah“-Gesang. Habe ich alles schon mal auf vorherigen Alben besser gehört. Außerdem: Wie lame wäre das Ganze bitte ohne Karina Denike? Bitte unbedingt mehr Credit geben. Kann doch nicht sein, dass die einzige Person, die der Musik wenigstens ein wenig frischen Wind gibt, im Presseinfo genau 0x genannt wird. Aber ich verstehe schon, im Pressetext geht es ja auf zwei Seiten auch ausschließlich darum, wie sich Frank Turner wie ein kleines Kind freut, dieses Split-Album mit seinen Kumpels von NoFX rausbringen zu dürfen und das Ergebnis dann abfeiert wie der letzte Kiffer-Dully, der sein Abi noch irgendwie mit 3,8 Notendurchschnitt bestanden hat. Oh nein, da kommen auch schon die Frank-Turner-Songs! Ich war ja wirklich geschockt, als ich dieses unglaublich nervige Cover von „Bob“ gehört habe. Noch schlimmer ist da nur das Video, wo ich zunächst dachte, dass sich Frank Turner und Band als NoFX verkleidet haben. Dann fiel mir aber auch auf, dass das tatsächlich NoFX sind. Holy shit, was ist denn mit denen passiert?! Hat der Mensch an der Kamera irgendeinen falschen Knopf gedrückt oder sind die in letzter Zeit einfach aufgedunsen wie Hefeklöße? Furchtbar! Die Frank-Turner-Songs auf der Platte sind ebenfalls furchtbar. Lediglich das düstere „Falling In Love“ finde ich ganz gut. Schöner Kontrast zur musikalischen Belanglosigkeit der restlichen Split. Natürlich musste auch der nervigste NoFX-Song aller Zeiten seinen Weg auf dieses Stückchen Musik finden: Frank Turner covert „Eat The Meek“. Ich glaube ich geh mir mal ein Bier holen oder doch lieber einen Schnaps. Ansonsten freue ich mich, dass man Frank Turner niemals in einem AZ spielen lassen wird (oberkörperfrei auf dem Pressefoto, das Schwein!). So! Feddich! Scheiße, habe direkt wieder Urlaub beim Chef eingereicht. Ciao-Kakao!

Peter aka "Der gute Bierschinken-Bulle":

Nutzer der Social-Media Plattform Instagram konnten schon länger die Frotzeleien zwischen Fat Mike, Kaliforniens berühmtesten S/M Fetischisten und Großbritanniens Nice Guy des Singer/Songwriter/Punkrock-Genres Frank Turner beobachten. Bei allen Sticheleien war immer eine gewisse Zuneigung zueinander zu spüren, dass sich daraus dann eine Split-Platte ergibt, konnten aber wohl nur die wenigsten ahnen. Das vorliegende Ergebnis feiere ich wie ein (ehemaliger) Kiffer-Dully sein (Fach-)Abi, das er so gerade mit einem 3,9 Notendurchschnitt geschafft hat. Allen voran gefällt mir, dass die Songs nicht stumpf nachgespielt werden, was immer die schlechteste Herangehensweise bei einer Split ist. Sondern die Frank-Turner-Songs von Fat Mike und Kollegen durch den Melody-Core Fleischwolf gedreht wurden und Frank den NoFX-Songs einen folkigen Anstrich verleiht. So ergeben sich aus den Originalen ganz neue Songs. Während sich NoFX an größtenteils älteren Songs von Frank Turner, bzw. aus der frühen Schaffensphase des Engländers, abarbeitet, hat sich dieser einige ihrer besten Songs von den Platten der 90er Jahre (So Long And Thanks For All The Shoes, Punk In Drublic) geschnappt. Dies ist wenig verwunderlich, sind es doch die Alben, die den pubertierenden Punker-Frank prägten.

Der startet auf seiner Seite mit "Bob", das natürlich nicht fehlen durfte und das zu einem wunderbar mitsingbaren Folk-Song mit packender Mundharmonika wurde. Auch nicht fehlen durfte der NoFX-Hit "Eat The Meek" dem hier die Reggae-Kluft abgestreift wurde und das auf dieser Party stattdessen in einem postrockigen, finsteren, fast nach DEPECHE MODE oder auch THE NATIONAL klingenden Gewand aufschlägt. Letzterer ist auch der einzige Song, der nicht vollkommen akustisch instrumentalisiert aufgenommen wurde. Einfach klasse, wie er hier beweist, dass ein guter Song ein guter Song bleibt, auch wenn man ihn in stark veränderter Form darbietet. Ich als jemand der manchmal an Schlafproblemen leidet, als jemand, der die Härte des Punkrock nicht mehr rund um die Uhr braucht, dem allerdings Pop-Musik oftmals zu oberflächlich ist, als ein (Nicht-Allein-)Erziehender und zuweilen unter einer Quarterlife-Crisis Leidender, den kann man mit solch ruhigen Klängen durchaus begeistern. So lassen sich die Texte der NoFX-Songs in diesen Versionen um einiges besser mitsingen (siehe "Perfect Government" oder "Bob") oder man lässt sich schlicht von Frank Turners kraftvollem Gesang mitnehmen. Wahnsinn, wie viel Schwung er schon allein mit seinem Organ beim rein akustischen, jedoch nicht allzu langsamen "Scavenger Type" aufkommen lässt oder wie depressiv er das hier sehr langsam und düster bis traurig intonierte "Falling in Love" klingen lassen kann.

Kommen wir nun aber noch zu den Songs, die sich die Kalifornier vorgenommen haben. Da hätten wir zum Beispiel "Substitute", ganz zu Beginn von West Coast vs. Wessex, das mit seinen NoFX-typischen Riffs und dem Off-Beat, wüsste man es jetzt nicht besser, ohne aufzufallen von einem Album der Amerikaner stammen könnte. Auch mit dem skalastigen, an den Reggae, den die MAD CADDIES spielen, erinnernde "Thatcher Fucked The Kids", verhält es sich genauso. "Ballad Of Me And My Friends" geht im Gegensatz dazu mit High-Speed-Skatepunk durch die Decke und im letzten Drittel ist es eigentlich unmöglich, nicht mit vollem Hals in den Chorus einzustimmen und "we`re definitely going to hell, but we`ll have all the best stories to tell" mit zu schreien. Den Abschluss auf der NoFX Seite macht ein Turner-Publikumsliebling. Bei dessen Refrain ist mitsingen wieder unausweichlich, wenn es da heißt "there's no god, we are all in this together" und das zu Beginn klingt, als wäre es aus dem Musical Home Street Home entliehen, das Fat Mike vor ein paar Jahren  geschrieben hat. Erst nachdem Karina Denike ihren Part bei diesem Stück gesungen hat, kippt es von schunkelig zu punkig. Stark!

Sehenswert ist auch das Video von "Thatcher Fucked The Kids" bei dem die halt schon alt gewordenen und somit natürlich leicht aufgedunsenen NoFX als Frank Turnerse verkleidet rumblödeln. Dieses Bodyshaming, wie aus den Fingern meines Kollegen Zwen entsprungen, ist doch typisch für einen Mittzwanziger dessen Körper naturgemäß noch in vollem Saft steht. Werde du mal erstmal over thirty and do dabei noch just fine, dann reden wir weiter! Außerdem, wen interessiert schon was im Pressetext zu lesen ist? So lange dies keine Danksagungen an irgendwelche Götter sind! Liest du die wirklich? Ich nicht! Ich ziehe meine Informationen einfach aus den Rezensionen anderer Blogs und Fanzines, bei denen ich regelmäßig abschreibe! Wie egal ist es auch, was dort für Bilder zu sehen sind? Besser oberkörperfrei als in einem Bandshirt einer fragwürdigen Band. Oder nicht? Die paar Männernippel muss der Punkzine-Schreiberling aushalten können! Ganz alleine auf die Musik kommt es doch bei einer Platten-Besprechung an und wie bereits bei der BYO Split-Serie, bei der sich NOFX und RANCID gegenseitig coverten, wird auch hier in die Vollen gegriffen. Dieses Werk sollte eigentlich für jeden Fan der amerikanischen Punks oder des britischen Barden von höchstem Interesse sein! 

 

Peter 08/2020
Hörprobe:
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NoFX
Musikstil: Skate-Punk, Punkrock
Herkunft: Kalifornien, USA
Homepage: www.nofxofficialwebsite.com
Frank Turner
Musikstil: Singer/Songwriter, Folk, Punkrock
Herkunft: UK
Homepage: www.frank-turner.com
NoFX, Frank Turner - West Coast vs. Wessex

Stil: Punkrock, Skatepunk, Melody-Core, Folk, Singer / Songwriter
VÖ: 11.07.2020, LP, CD, Fat Wreck Chords


Tracklist:

NoFX:
01. Substitute
02. Worse Things Happen at Sea
03. Thatcher Fucked the Kids
04. Ballad of Me and My Friends
05. Glory Hallelujah

Frank Turner:
06. Scavenger Type
07. Bob
08. Eat the Meek
09. Perfect Government
10. Falling in Love


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verSemmelt
(verSemmelt)
13.08.2020 23:00
Ungehört nehm ich einfach die kürzere Rezi für bare Münze.

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