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K.I.Z:
Rap über Hass

Auch wenn ich jetzt vermutlich wie Captain Obvious klinge, gebe ich mal zu der Beginn dieser Rezi eine kleine Trigger-Warnung. Etwas zarter besaitete Leser*innen sollten sich vielleicht lieber am Cover von "Rap über Hass" erfreuen, anstatt hier weiterzulesen oder gar in das Album reinzuhören, denn "KIZ gelten als links, obwohl ihre Texte alle Regeln des respektvollen Miteinanders ignorieren und sie damit für Linke eigentlich völlig untragbar sein müssten.", so der Tenor aus dem Promo-Wisch. Ganz falsch liegen die Promo-Ottos und -Annas da sicherlich nicht. Kürzlich regte sich ja selbst der rechte Schmand-Rocker und AfD-Lover Tim Kellner in einem seiner YouTube-Videos über das angebliche Propagieren von Gewalt und Missbrauch von Seiten der Berliner Rapper. Endgültig geschafft hatten die besagten Rapper es dann, als der AfD-Bundestags-Abgeordnete Stephan Brandner besagte Vorwürfe nochmals im Bundestag wiederholte, natürlich noch mit dem nachgeschobenen Fingerzeig, dass der Bundespräsent diese böse, linke, christenfeindliche und gewaltverherrlichende Musik auch noch bewerben würde. Ein Ausschnitt aus besagter Rede ist dann auch der Opener des neuen KIZ-Albums "Rap über Hass". Natürlich wird auch hier nicht an Gewalt und bösen Wortspielen gespart. Wer in dem Song jedoch nur ein stumpfes Abfeiern voller Gewalt hört, sollte dem Ganzen aber nochmal eine Zeit Chance geben. Genau, Julian Reichelt, gerade du solltest dir den Song nochmal ordentlich durch den Kopf gehen lassen! 

Aber mal ernsthaft, sowohl Lied als auch Album heißen "Rap über Hass" und nicht "Rap für Hass". Diese kleine Präposition macht den Unterschied. Anders als das gerne von Politiker*innen und Presse gerne verwendete Bild, sind es nämlich nicht Künstler*innen oder Unterhaltungsmedien wie Videospiele, sondern der Kapitalismus, die Presse und natürlich ganz besonders Rechte, die Gewalt und Spaltung bewusst als Stilmittel nutzen und somit Xenophobie, Rassismus, Sexismus usw. sähen. Besonders deutlich wird dies im Video zum Song, wo Tarek, Maxim und Nico in verschiedenen Rollen (wie Journalisten und Großindustriellen) zu sehen sind und mit dem von ihnen ausgetragenen Produkt Hass und Gewalt sähen. Nach diesem starken und politischem Opener, in dem vieles über die aktuelle Stimmung in Deutschland gesagt wird, folgen thematisch etwas leichtere, aber musikalisch immer noch starke Songs. Vor allem "VIP in der Psychiatrie" wartet hierbei mit großartigen Lines auf:

"Ich komm nicht aus der East Side, Bruder ich komme aus der Steinzeit."

"Neulich saß ich vor dem Wahlomat. Was kam raus, Brudi? Kalifat!"

Dabei ballert und dröhnt der Beat so hart, dass man denkt, die Fleischmütze gerade mit dem Basi massiert zu bekommen. Auch bei "Ich ficke euch (alle)" und "Unterfickt und geistig behindert" bekommen die Hörer*innen klassische und qualitativ hochwertige KIZ-Kost. Ab da lässt das Album leider etwas nach und man bekommt ein wenig das Gefühl, als hätten die Rapper ihre Hits bereits verfeuert. Dennoch geht auch diese Hälfte des Albums noch sehr gut rein. "Definition von Glück" und "Filmriss" sind zwar keine Cover, dennoch ist eine Anspielung mit Augenzwinkern zu erkennen, wenn z.B. bei "Filmriss" nach den Kassierern gefragt wird. "Was ist los [feat. Outerspace]" ballert dann kurz vor Schluss endlich nochmal ordentlich rein und entlässt mich dann doch mit dem Gefühl, ein sehr gutes Album gehört zu haben.

Fazit: K.I.Z ficken alle -- außer du willst nicht.

Anspieltipp: Rap über Hass, VIP in der Psychatrie, Was ist los [feat. Outerspass]

Zwen 06/2021
Hörprobe:
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K.I.Z
Musikstil: HipHop
Herkunft: Berlin
Homepage: www.k-i-z.com
K.I.Z - Rap über Hass

Stil: Rap
VÖ: 28.05.2021, LP, CD, Vertigo


Tracklist:

01. Rap über Hass
02. VIP in der Psychiatrie
03. Ich ficke euch (alle)
04. Unterfickt und geistig behindert
05. Bitte sag's nicht meiner Freundin
06. 2 Nicos
07. Definition von Glück
08. Ja
09. Mehr als nur ein Fan
10. Filmriss
11. Was ist los [feat. Outerspass]
12. Kinderkram


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Zwen
(Zwen)
22.06.2021 18:21
Kleiner Korrektur: Das Zitat am Anfang des Albums ist von Dr. Bernd Baumann MdB.

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