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Ritchy Fondermann und Lars Gebhardt:
Freitag, der Dreißigste

Der 24. September war ein komischer Tag. Nicht nur, dass es nur noch drei Monate bis Weihnachten sind, nein, als ich nach Hause kam und wie ein routiniertes Gewohnheitstier in meinen Briefkasten gaffte, lag ein sonderbares Päckchen darin. Neugierig riss ich es auf. Eine CD mit dem Titel "Freitag, der Dreißigste" lag darin. Ich musste schmunzeln: "Das passt ja so halb! Freitag ist ja, aber nicht der dreißigste, sondern der 24.!" Vermutlich soll der Titel aber an den scheinbar unglücksbringenden Freitag den 13. erinnern.

Ich schob die CD in meine Stereoanlage. Nichts. Error. Verdammt - was kann das sein? Als ich genauer las, endlich die Lösung: Es handelt sich um eine MP3-Audio. Die kann meine tolle Anlage nicht abspielen. Daher schmiss ich die Scheibe in den Laptop. 84 Tracks! Geil, dachte ich, hoffentlich eine richtig wüste Hardcore-Punk-Scheibe, auf der jedes Lied unter 30 Sekunden dauert. Darauf hätte ich gerade Bock gehabt. Stutzig wurde ich, als die Gesamtspielzeit im Windows-Media-Player angezeigt wurde: Knappe sieben Stunden! Und als ich den ersten Track abspielte, wurde mir klar: Ich habe es hier mit einem Hörbuch zu tun.

 

Zugegeben, ich habe noch nie ein Hörbuch angehört. Mir fehlt da die Zeit für. Ich lese zwar sehr gerne, immer mal so ein halbes Stündchen vor dem Pennen oder auch wenn ich im Waldfreibad Dinkelscherben in der Sonne meine Lederhaut bräune - oder auch im Zug. Aber irgendwie haben mir es Hörbücher nicht so angetan. Aber, man muss ja mal was Neues ausprobieren. Also: Das Hörbuch beginnt damit, dass die Protagonistin Sascha nach Münster fährt, aber irgendwie gar keinen Bock auf Münster hat, sondern lieber nach Hamburg möchte. Da fährt sie dann auch hin und hört irgendeinen komischen Interpreten namens Segerath Manilow. Vermutlich schreibe ich den komplett falsch, sollte es sich um einen real existierenden Komponisten handeln, denn Google liefert keinen Treffer. Die Protagonistin reist in einem VW-Bus. Ich hasse VW-Busse fast so sehr wie SUVs.

Ich habe noch keine fünf Minuten gelauscht, dann penne ich ein. Das kennt ihr bestimmt: So ein lustiger Halbschlaf, wo man ab und zu wieder aufwacht und dann vernimmt man so ein paar Textfetzen, an die man sich kurioserweise sogar noch erinnern kann. Zum Beispiel fragt sich der Protagonist bzw. die Protagonistin (ich weiß nicht mehr, ob es sich noch um Sascha handelt oder schon um einen anderen), bei welchem Song von The Cure er/sie gezeugt wurde. Auch wird Dieter Hallervorden zitiert ("Palim, palim - Kundschaft"). Ich wache wieder auf. Soll ich nochmal von vorne hören? Nein, irgendwie keine Lust.

Ich höre also einfach so nach dem ersten Viertel weiter. Macht wenig Sinn, da ich ja jetzt schon der Handlung nicht mehr folgen kann. Der Protagonist bzw. die Protagonistin denkt sich, sie/er müsse weniger Alkohol trinken, was dann doch nicht geschieht. Es wird sich lustig durch die Hamburger Kneipenlandschaft gesoffen - ich kann mir denken, dass gerade für Menschen, die in und um Hamburg leben, das Hörbuch mit Sicherheit interessant sein könnte. Gesoffen wird natürlich Astra. Irgendwann trinkt die Hauptperson aber auch einen Kaffee, der wie ein Wald riecht. Es geht nun um einen Robert, welcher duscht und dann beim Bäcker vier Semmeln kauft, obwohl er nur eine mag, es ihm aber irgendwie peinlich ist, nur eine zu kaufen. Unsympathischer Typ.

In Kapitel 21 sagt der Erzähler "vulgär und proletenhaft". Das fand ich witzig. In Kapitel 18 redet ein Sprecher so, wie ich mir vorstelle, dass Gerdistans Vater redet (enormer Hamburger Akzent), obwohl Gerdistans Vater eigentlich aus dem Ruhrpott kommt, glaube ich. 

Ich experimentiere weiter. Dass das Hörbuch schneller zu Ende geht, höre ich es über zwei Player: So läuft gerade Kapitel 32 über den Windows-Media-Player, Kapitel 63 über Groove-Musik. Das macht es aber auch nicht spannender oder kurzweiliger, da man ja jetzt gar nicht mehr mitkommt.

Und so läuft, während ich diese Zeilen schreibe, immer noch das Hörbuch und ich habe ehrlich gesagt gar keine Lust, es bis zum Ende zu hören. Das liegt keinesfalls an der Qualität. Die Sprecher sind hochkarätig (Mitglieder von Schrottgrenze, den Mimmis oder auch Dritte Wahl lesen mit). Auch die Handlung findet sicherlich Anklang, handelt es sich doch um eine Hamburger Milieustudie (nicht so drastisch wie bei Strunk) unter Einbezug der persönlichen Erlebnisse der Protagonisten Sascha und Robert. Was ich sagen will: Wer gerne Hörbücher mit Punkrockbesetzung konsumiert, greift zu!

Ich skippe jetzt trotzdem mal zu den zwei letzten Kapiteln. Ein Epilog. Der Sprecher redet so, wie der beim Kassierer-Hörspiel "Der Sackabreisser von Wattenscheid". 

 

So. Keine Ahnung, warum ich das Hörbuch mit einer Bitte um eine Rezension zugeschickt bekam. Wenn ich irgendjemandem einmal übernächtigt, leicht angetrunken oder sonstwo ein Versprechen diesbezüglich gemacht habe, tut mir das jetzt ein bisschen leid. Ansonsten weiß ich schlichtweg nicht, wie mir die Ehre zukam. Mir fehlt für Hörbücher einfach die Geduld. Sorry!

Kabl 10/2021
Ritchy Fondermann und Lars Gebhardt - Freitag, der Dreißigste

Stil: Hörbuch
VÖ: 30.07.2021, CD, K-K


Tracklist:

Kapitel 1 - 84


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