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Pff-Zine:
Ausgabe #4

Drei Jahre hat es gedauert, bis Markus Magenbitter die vierte Ausgabe auf uns losgelassen hat, daher ist es sicherlich nicht weiter schlimm, wenn meine Rezension jetzt schon über 2 Monate in Bearbeitung ist (vor allem wenn man bedenkt, dass ich teilweise unter ähnlichen Bedingungen wie Markus "arbeite"). Was als Erstes auffällt, ist, dass das Heft im Format geschrumpft ist und nun fast in jede Gesäßtasche passt. Dass es so lange gedauert hat, bis die nun vierte Ausgabe des Pff-Zines veröffentlicht wurde, liegt zum einen daran, dass Markus Vater geworden ist und wie jeder Mensch, der ein oder mehrere Kinder sein eigen nennt, weiß, kann sich die Versorgung und Betreuung dieser durchaus als sehr zeitintensiv herausstellen. Zum anderen wurde bei Markus vor einiger Zeit das Chronische Fatigue Syndrom, kurz ME/CFS diagnostiziert.

Über diese miese Krankheit klärt er uns in diesem Zine auf. Ich kann mir gar nicht wirklich vorstellen, wie ätzend es sein muss, mit so einer Krankheit leben zu müssen, die es einem unmöglich macht zu arbeiten, Sport zu treiben oder anderen Hobbys nachzugehen, soziale Kontakte aufrecht zu halten oder einfach mal eine Nacht auf einem Konzert oder einer Party zu feiern und zu saufen. Neben seiner Krankheit, die einige der schmalen Seiten einnimmt, widmet er sich außerdem noch dem Thema der Political Correctness in der Punkszene bzw. der Political Über-Correctness. Hier beschreibt er die schlechten Erfahrungen, die er machen musste, dadurch dass ihm negative Rückmeldungen und Zensur entgegenschlugen als er einige seiner Cartoons in linken Szene-Läden ausstellte bzw. ausstellen wollte. Auch hierbei macht sich bei mir etwas Fassungs- und Ratlosigkeit breit. Gerade wenn es beispielsweise um die von Szene-Aktivisten angeprangerte stereotypische Darstellung von PoC (im speziellen hier der Ska-Musiker Laurel Aitken) in seinen Comicstrips geht und man sich dann vor Augen führt, dass Markus Laurel halt haargenau so dargestellt hat wie dieser halt aussieht. Da klatscht mein Kopf dann schon mal, begleitet von einem verzweifelten Stöhnen, auf die Tischplatte.

Wobei wir nun auch bei dem sind, was das Pff-Zine hauptsächlich ausmacht, nämlich die Comicstrips, in denen es diesmal ein Wiedersehen gibt mit Fickfried dem Straßenpunk und der Punker-WG. Diesmal hat Markus auch einige etwas politischere und gesellschaftskritische Comics mit hinein gepackt. Über den Humor bzw. die Witzigkeit der Comicstrips lässt natürlich streiten. Menschen, die mit Fäkalhumor nichts anfangen können, überkorrekt sind und zum Lachen in den Keller gehen, werden sich hier wohl nicht wirklich gut unterhalten fühlen. Auch ich finde nach wie vor, dass die Strips größtenteils keine großen Schenkelklopfer beinhalten, sondern eher solche Witze, bei denen man Luft scharf durch die Nase einzieht und mit den Augen rollt. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel. Aber darum geht es bei dem Pff-Zine ja eigentlich auch nicht, es soll ja nicht wer weiß wie witzig sein und nur Brüller enthalten. Markus geht hier einfach seiner Passion dem Zeichnen nach, verbindet das mit seiner zweiten Passion, dem Punkrock und beteiligt sich so aktiv am Szene-Geschehen. Das ist für mich schon mal supersympathisch und unterstützenswert. Außerdem finde ich, dass das Pff-Zine im Bereich der Fanzines ein Kleinod ist, denn wirklich viele andere Punkrock Comic Zines fallen mir nicht ein. Somit ist jede weitere erscheinende Ausgabe eine Bereicherung für unsere Szene und die Fanzine-Kultur. Bei mir erhält das Fanzine auf jeden Fall einen festen Platz im Regal, wobei ich noch nicht genau weiß, ob ich es zu den Fanzines oder den Comics stellen soll.

Abschließend sei noch erwähnt, dass das Fanzine mit ein paar Rezis, einem Konzertbericht (UK SUBS) sowie gezeichneten Gastbeiträgen von u. a. El Jaro angereichert wurde.

Lieber Markus, lass dich trotz all der Widrigkeit nicht unterkriegen und mach bitte weiter wie bisher! Lass dich vom Gegenwind durch irgendwelche verbohrten Szeneaktivisten nicht entmutigen, lass dich von deiner beschissenen Krankheit nicht restlos entkräften oder dir von Herrn Rübensack den letzten Nerv rauben! Auch wenn es vielleicht wieder Jahre dauert, hör nicht auf mit dem Zeichnen und schreiben und beschere uns bitte irgendwann wieder eine neue Ausgabe vom Pff-Zine!

Peter 11/2021
Pff-Zine - Ausgabe #4

Stil: Cartoons
VÖ: 08/2021, Heftchen



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Markus Magenbitter
(Markus Magenbitter)
22.11.2021 10:47
Hi & herzlichen Dank für diese wohlwollende Besprechung!
Ich merke, dass du das Heft gründlich gelesen und dir mit der ausführlichen Rezi Mühe gemacht hast - das freut mich sehr, genauso wie die Ermutigung zum Abschluss.

Dann grüße ich meinerseits schön zurück und wünsche ebenfalls starke Nerven für die Bändigung des Nachwuches! ;)

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