Um ehrlich zu sein, habe ich ums Anhören der Kassette von OK NEIN aus Berlin lange einen großen Bogen gemacht. Die Gründe waren oberflächlich und gemein: Da wäre a) Das Cover, welches irgendwie nach 'gewollt und nicht gekonnt' aussieht (auch kein bewusster Trash, einfach nicht so geil) und b) der Albumtitel "Leuchten" klingt irgendwie eso und aufgesetzt gefühlig (es gibt ein TIM BENDZKO-Album, das so heißt. Das stimmt zwar nicht aber ihr habt's kurz geglaubt). Diese meine Ignoranz sollte sich als vollkommen närrisch erweisen, denn schon beim ersten Hördurchgang sah ich mich gefesselt vom leicht düsteren deutschen (Post-)Punkrock dieser Band.
Bis heute komme ich allerdings nicht so recht auf den Namen der Gruppe, an die mich OK NEIN bei jedem Druck auf den Play-Knopf erinnert. Irgendwie KAPUT KRAUTS, irgendwie aber auch so klassischer Elfenart-Deutschpunk oder was aus dem DIY-Forum anno 2005 (bspw. KRAUTBOMBER). Aber irgendwie auch ein bisschen NEIN NEIN NEIN. Egal. Alles geile Bands mit geilem Output. Das erste TURBOSTAAT-Album kommt mir auch noch in den Sinn. Also wenn von euch irgendjemand weiß nach welcher Band ich suche die wirklich beinahe haargenau so klingt wie OK NEIN, bitte meldet euch bei mir, ich werd hier langsam wahnsinnig. Vor allem der Gesang ist sehr prägnant. Nicht zu clean, nicht zu tight, eher ziemlich natürlich und mit dem richtigen Maß an Überzeugung dargeboten. Die Mucke ist ebenfalls kompetent geschrieben, nicht überproduziert, anständig gespielt und holt mich beim Hören jedes Mal ab. Also hier wird das Rad des "intelligenten Deutschpunk" nicht neu erfunden und die Bandmitglieder sind oder waren alle auch schon in anderen Bands aktiv und wenn man ein oder zwei Songs von OK NEIN in die Playlist zwischen PADDELNOHNEKANU und KUBALLA schiebt, sind vermutlich alle happy. Musikalisch taugts mir prima, textlich nimmt man sich noch etwas zu ernst und es fehlt so ein bisschen an Schmiss und Raffinesse. Ein bisschen spitzzüngiger Zynismus wäre bei dem Bandnamen sicherlich nicht verkehrt gewesen. Auch gerne mal was selbstreferentielles oder die ein oder andere clevere Pointe. Also mehr Raucherecke, weniger Klassensprecherromantik.
Am Ende hör ich das Album dann trotzdem nochmal, denn es gefällt mir auf irgendeiner Früh-2000er-Rotwein-Ebene doch richtig gut.
Da vergebe ich gerne 7 von 10 goldenen Hermann-Hesse-Statuen.