Dezember 2025: Die Bundesregierung bringt ihr Rentenpaket auf den Weg. Zeitgleich schicken sich die kalifornischen Melodic-Punks von NoFX ebenfalls an, ihre Rente etwas aufzubessern. Hierfür nutzt die im Jahr 2024 aufgelöste Band die altbewährte Methode, den Fans ein Album mit Raritäten, Demos und unveröffentlichten Songs, aus dem Grab hochzureichen. Zwei weitere sollen sogar noch folgen.
Die Vorfreude hierauf verpuffte beim ersten Blick auf diese in Vinyl gepressten 20 Minuten Langweile. Erneute Enttäuschung machte sich breit, wo vorher Vorfreude war.
Erneut? Ja, erneut! Kurze Historie meiner NoFX-Enttäuschungen gefällig? Angefangen hat es mit den T-Shirts der Abschiedstour, die zunächst einmal frech teuer waren und dann noch von so schlechter Qualität, dass sich nach einmal Tragen die Nähte lösten, nach einmal Waschen war es dann zudem noch heftig eingelaufen. Das angekündigte Vinyl, das speziell nur auf der Show erhältlich sein sollte, war überteuerter Nepp. Eine bisher auch erhältliche Platte, mit bedruckter Schutzfolie und einem Zettelchen, auf dem vermerkt war, auf welchem Konzert man so dumm war, für diese Platte viel zu viel Geld zu bezahlen. Das groß und breit angekündigte Konzept, dass auf jedem Konzert verschiedene vollständige Alben gespielt werden, wurde nullkommanull gar nicht umgesetzt. Die Single-Box vom 7-Inch-Club, die etwas später erschien, kam ohne Box. Die Singles wurden nur von einem Streifen Pappe zusammengehalten. Das in den USA bestellte Poster vom Abschiedskonzert kam gar nicht. Nach drei Monaten E-Mail-Verkehr und 100 Vertröstungen hieß es, es sei angeblich im Lager verloren gegangen und nun "out of stock". Danke für nichts!
Wer das jetzt gelesen hat, denkt sich bestimmt: "Er wird sich dann doch jetzt nicht diese Platte gekauft haben?". Oh doch, hat er! Ich habe mir diese überteuerte, von vorne bis hinten uninspirierte Überflüssigkeit gegönnt. Ich bin unerschütterlicher Fan-Boy und kaufe sowas, höre es dreimal und stelle es der Vollständigkeit halber neben die anderen NoFX-Devotionalien ins Regal. Ihr solltet dies jedoch tunlichst unterlassen und euer Geld sinnvoller investieren. Denn auf A to H gibt es wirklich kaum etwas zu entdecken, das das Geld dafür wert wäre. Das fängt schon beim Cover und beim Titel an. Das Cover ist wohl von einem Künstler, sieht aber für mich mehr nach KI aus, der Titel hätte lahmer nicht sein können. Da hatte man in der Vergangenheit wirklich coolere Ideen. Schaut man sich dann die 8 Songs an, findet man hier auch nur wenig Neues. "Barcelona" ist alles in allem ein annehmbarer und bisher unveröffentlichter Song, der allerdings bereits vor zwölf Jahren geschrieben wurde. Nun gilt er als "der letzte NoFx-Song". Zudem neu ist "Cigarette Girl", der allerdings noch sehr roh klingt und wohl die musikalische Vorlage zu "Oxy Moronic" war. Den Rest hat man als Hardcore-Sammler entweder schon oder man braucht ihn nicht, da die Album-Versionen den hier vorliegenden Demo-Versionen, das liegt in der Natur der Sache, meilenweit überlegen sind. Das bestätigte Fat Mike bei der Ankündigung des Albums witzigerweise selbst. Abschließend frage ich mich noch: Warum muss es, wie angekündigt, drei Raritätensammlungen geben, wo die erste schon lediglich acht kümmerliche Songs beinhaltet? Hätte man auch alles gut auf eine Doppel-LP packen können. Aber damit hätte man dann natürlich nicht so viel Geld machen können, und damit habe ich mir wahrscheinlich auch schon selbst die Antwort auf meine Frage gegeben. Wundert mich fast, dass man hier nicht noch versucht hat, den Gewinn durch zig verschiedene Vinylfarben zu maximieren. Wäre ja noch ein guter weiterer Hebel gewesen, um ein wenig Zusatzrente zu erhalten. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Fazit: Absolut nutzlose Reste-Verwertung, die (wieder mal) an einer Frechheit grenzt!
