Breaking News: Dänemark stellt die Briefzustellung ein! Währenddessen werden im unterdurchschnittlich digitalisierten Deutschland weiter munter Briefmarken geleckt und geklebt und dazu wird sogar noch das Porto erhöht. Gut, dass es mittlerweile eine Band gibt, die sich explizit den desaströsen Zuständen aus der Welt der Paket- und Postlieferant:innen widmet.
Nach kurzfristiger Avisierung und ohne Nachnahme-Gebühr wird nun via Spastic Fantastic und RilRec mit "Deutsche Pest" der dritte Output der Hamburger:innen in die Haushalte geschickt. Wieder im Paket oder hier zutreffender, im Päckchen (S) enthalten: Powerviolence, Fastcore und Hardcore-Punk. Angereichert mit klug gewählten Einspielern als Füllmaterial, bleibt man trotzdem unter zehn Minuten Spielzeit. Somit sind die vier Nordlichter schneller als ein Einschreiben. Da stellt sich zurecht die Frage: "Ist das noch Postpunk oder ist das schon Deliverycore?". Zerbrechlicher Inhalt? Fehlanzeige! Stattdessen ist der Inhalt bestens geeignet, um zu seinen Klängen Dinge zu zerbrechen! Diesmal detoniert man nicht nur in den Händen von Adeligen, die von sich selbst behaupten, die Erfinder des Postwesens zu sein (Thurn und Taxis), sondern stellt sich unter anderem auch gegen neoliberale und kapitalistische Auswüchse wie Privatisierung (Kritisches Lied über Privatisierung), Ausbeutung (Subunternehmer Homesick Blues) und Konsumwahn (Weihnachtszeit Überstunden Fuck You). Ganz nebenbei finden noch Kuriositäten aus der Welt der Post und Paketzustellung eine Erwähnung (Jugendlicher in Packstation eingesperrt) und auch lang zurückliegende Skandale werden nicht vergessen (Die Kotze-Affäre). Ganz unten im Päckchen versteckt sich dann mit "Ein Überfall auf eine Postkutsche im Jahr 1787" eine kleine Überraschung, bei der man die gewohnte Lieferroute kurz verlässt.
Die Platte kommt übrigens nicht in DHL-Gelb und auch nicht in Hermes-Blau, sondern in UPS-Braun.
Obwohl ich eigentlich der falsche Adressat für eine solche Zustellung bin, da mir die Geschwindigkeit, in der hier gespielt wird, nur bedingt zusagt und solche Sendungen daher oft beim Nachbarn landen, nehme ich den Inhalt dieses Päckchen gern entgegen. In diesem Fall zeigt sich der Empfänger nämlich ausgesprochen empfänglich. Eine Retoure ist vollkommen ausgeschlossen, da keine Mängel auszumachen sind. Ganz im Gegenteil, hier wurde nicht nur aus- sondern auch abgeliefert! Der Empfang der Sendung wurde hiermit gegengezeichnet, eine Abstellgenehmigung ist erteilt, und nachdem es die Sortierstation durchlaufen hat, wird es alsbald dem Sammelbehälter zugeführt.

| alexanderdavide ( 22.01.2026 23:07 |
Geile Band, geiles Review |