KÜSTE kommen entgegen des Namens nicht etwa aus dem hohen Norden, sondern aus dem beschaulichen Stuttgart. Bei dem Debut des Vierers handelt es sich eigentlich auch um zwei zusammengefassten EPs und zwar Jugend aus 2023 und Das Schlimmste kommt noch..., welche physisch im September 2025 veröffentlicht wurden, wenn ich das richtig verstanden habe.
Und diese "Zweiteilung" kann man musikalisch durchaus hören. Zwar bewegt sich die Musik grundsätzlich eher im Indie-Punk-Bereich, allerdings kommt bei der aktuelleren EP, die vorneweg gestellt ist, doch auch noch eine Post-Punk Note hinzu (Songs 1-5), wohingegen die letzten 4 Lieder deutlicher im Indie-Punk angesiedelt und tendenziell etwas flotter sind. Durchweg und vereinend herrscht aber Moll vor. Also nicht, dass ich das Tongeschlecht heraushören könnte, ich schreibe schließlich für Bierschinken. Aber so von der Stimmung her.
Textlich beschäftigt sich mensch auch eher mit schweren Themen, vor allem Rechtsruck, gesellschaftliche Spaltung, Klimawandel (bzw. der Kampf dagegen) und ähnlicher Mist. Manchmal kämpferisch (aber nie parolenhaft), manchmal resigniert ("Lass uns das Schiff versenken, die Gesellschaft ist verloren" Oh, Captain)
Das Interessante ist, dass das Ganze irgendwie dann doch ganz gut Druck macht, vor allem durch die drückenden Drums und auch die dezenten Synthies fügen sich super ein. Ich kann mir da durchaus ordentlich Bewegung vor der Bühne vorstellen.
Wer ein Faible für eher düsteren Indie-Punk hat, sollte hier mal ein Ohr riskieren, mich zumindest hat das absolut abgeholt.
