Ihr könnt mich jetzt für komplett wahnsinnig erklären, aber ich habe dieses Album heute schon drei Mal hintereinander durchgeknuspert. Einfach deshalb, weil ich beim Hören von GARY FLANELLS Machwerk die totalen 2005er DIY-Forum-Vibes bekommen hab. Drumcomputer trifft auf abgeranzte Home-Recording-Gitarren und total direktem (Sprech-)Gesang über dem kaum irgendwelche Effekte gelegt wurden. Textlich und auch atmosphärisch bewegt sich alles irgendwo zwischen LATTEKOHLERTOR, BOXHAMSTERS, DANIEL DECKER und Sachen von LaDo. Seltsamerweise erreicht mich das gerade völlig. Auch diese Stimme, die immer ein bisschen bzw. völlig neben dem Takt und der Melodie liegt und eher wie ein angeätzter Erzählversuch klingt. Vielseitig ist das alles auch und manchmal gar nicht mal so anspruchslos, also rein musikalisch. Fast gar artsy fartsy aber zum Glück nicht zu übel experimentell mit ein oder zwei Ausnahmen (bspw. Woher ich komme). Außerdem: In Zeiten in denen alles so wahnsinnig abgebügelt und aufpoliert klingt und man High-End-Studioaufnahmen einer Band nicht mehr von beschissener K.I.-Mucke unterscheiden kann, ist solch ein Lo-Fi-Highlight eine wahre Wohltat. Wer also in der Mitte der 2000er, so wie ich, begeistert nach Künstlern wie COUNTRY ROSI und OILE LACHPANSEN gierte, der wird hier auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Merkwürdig aber auch geil.
