Im Herbst letzten Jahres veröffentlichten PRISON OF HOPE eine neue EP namens Question Your Privileges auf Drastic Actions und Choke Records. Der Release umfasst 6 Songs, davon ein Intro und ein abschließendes Cover der kanadischen Straight Edge Band Chokehold, deren Debütalbum namensgebend für die StuttgarterInnen ist. Alle Schritte von Recording bis Mastering lagen bei Roland Böffgen von Hard Drive Sounds.
Zögerlich leitet Intro The Abyss das 18-minütige Erdbeben ein, bevor Step Aside für einen amtlichen Ausschlag des Seismographen sorgt. Eins ist klar: Prison of Hope sind nicht angetreten, um Freundschaften zu schließen. Brutale Vocals und martialische Instrumente verströmen einen unbeugsamen Willen, das Patriarchat dem Erdboden gleichzumachen. Gleichwohl versetzen mich die Zeilen in so manches Moshpit: "your reckless celebration of brutality builds structures to avert inclusivity [...] these rooms are for everyone, these rooms are not yours to claim for yourself." Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Meine Sympathie für das Songwriting baut sich bei dem Track Caveman weiter aus, der alle Karnivoren samt ihrer altertümlichen Geisteshaltung anprangert und dann zurück in ihre Höhle schickt.
Bei Prison of Hope werden gerne mal Personen zum Thema, die es auf gute oder schlechte Weise verdient haben. Während To Admire Elser Is Something We All Should Think About der vorherigen EP Unlearn : Learn (2024) einer Laudatio gleicht, ist Daryush eine knallharte Mittelfinger-Botschaft an den gleichnamigen Gründer des antifeministischen, misogynen Blogs "Return of Kings" und an die Manosphere als Ganzes. Stark!
Bei One Commandment Would Be Enough ist schließlich die Maximalmagnitude erreicht. Besonders bei diesem Song beweist das HC-Quintett, wie gut die langsamen BPMs mit dem metallischen, von Bass und dramatischen Gitarren gezeichneten Sound harmonieren und für die intendierte, apokalyptische Atmosphäre sorgen. "do not cause suffering" für immer mietfrei in meinem Kopf.
Sechs Monate nach Veröffentlichung ist Question Your Privileges ein nicht minder heißes Eisen. Prison of Hope bringen ihre durchweg politischen Inhalte auf den Punkt und vermitteln sie über die wutentbrannte Stimme, Repetitionen, Crew Shouts und bewusst arrangierte musikalische Untermauerungen auf unfassbar eindringliche Art und Weise.
