Gleich vier Labels teilen sich die Veröffentlichung dieses musikalischen Sprengsatzes aus Köln. Gebretter legen, nach "Tendshitter" aus dem Jahr 2024, mit "Pint Peddlar" nun Album Nummer zwei vor. Bis zum Winter des vergangenen Jahres war mir die Band komplett unbekannt, doch dann überrollten mich Max, Alex, Turbine, Ben und Chrissi mit ihrem wuchtigen Hardcore-Punk bei einem Auftritt in Dortmund so sehr, dass mir zunächst die Spucke wegblieb. Als wenig später die Frage nach einem Review ihres Albums aufkam, schnellte mein Finger natürlich schnell nach oben.
Als Referenzen lassen sich hier Bands wie FUCKED UP, TURBONEGRO und vor allem HAMMERHEAD nennen. Auch auf Album Nummer zwei vermischen sie wieder gekonnt Ironie, Humor und Ernsthaftigkeit. Angereicht wird dies mit viel Wut und Haltung. So knüpfen sie sich auch diesmal aktuelle Themen vor (Chat G.B.H.) und verarbeiten diese auf Deutsch, Englisch oder Kölsch – und das auch schon mal alles in einem Song. Klingt wild und anstrengend, ist allerdings nur ersteres. Es geht um eine klare Absage an Armeen (Porzellan-Syndrom), um die wieder aufkeimende Bereitschaft der Deutschen, eine kriegsführende Nation zu sein (Deutsche Panzer), aber auch um alltägliche Sachen wie das Rauchen und die neue Legalität von Cannabis (Hecke), Schürfwunden (3. Grades), ihre Liebe zum Fahrradfahren (Pint Peddla) oder nervige Nachbarn (Yupp). Musikalisch wird dabei nicht mit grober Energie gegeizt. Wie eine wuchtige Dampflok ballert ihr Sound aus den Boxen, zieht dir damit mit Leichtigkeit einen Scheitel, bevor er dich komplett überrollt. Anschließend stampft und poltert er weiter, ohne Rücksicht auf Verluste. Der Bass wummert und ist schön knarzig, die Gitarren sind riffbetont und streuen dabei kleine Melodien in die "Wall of Sound", während die Drums das Ganze weiter nach vorne treiben. Extrovertiert brüllend wütet dazwischen Sänger Ben, der dadurch den ekstatischen Sack vollends zumacht.
Die einseitig bespielte Platte kommt in einer Stückzahl von 500, die mittels Fahrradreifen und Farbe auf der nicht bespielten Seite individualisiert wurden. Meiner lagen zudem zahlreiche Aufkleber bei. Ein wahres D.I.Y.-Traumprodukt, von einer wahrlich leidenschaftlichen Band, die ihrem Namen alle Ehre macht!
