Yeah, GOOD RIDDANCE veröffentlichen nach 7 langen Jahren endlich ein neues Album. Und ich sage es gleich, objektiv kann ich bei der Band nicht sein, zählen sie doch zu meinen absoluten Lieblingsbands. Wie werden die Vier nach dem für mich perfektem Reunionalbum Peace In Our Time von 2015 und dem eher melodisch/poppigem Thoughts and Prayers in 2019 also das neue Album Before The World Caves In angehen?
Gleich die ersten drei Songs zeigen, dass hier wieder eine etwas härtere Gangart angesagt ist. Gerade der dritte Titel Poverty Of Language sticht hier durch seine eher sperrige Art hervor, die mich sogar etwas an die Ableger ONLY CRIME oder SEIZED UP erinnern, und diese Sperrigkeit und etwas Disharmonische findet sich in Teilen immer wieder im Verlauf des Albums wieder. Aber natürlich bleiben die Trademarks erhalten, schon der nächste Song No More System To Believe In sollte das Herz eines jeden Fans höher schlagen lassen, der die Stärken der Band perfekt vereint. In Drive Faster zeigen Good Riddance dann auch ihr absolutes Gespür für Melodie, ein schöner Midtemposong und einer der wenigen Lieder mit eher persönlichem Text. Denn nicht nur musikalisch ist das Album alles andere als zahm, auch textlich ist die Wut zu spüren, wie schon seit langem singt Sänger Russ Rankin hoch politisch und zerlegt Gesellschaft und Kapitalismus.
Aber nicht nur der Härtegrad hat sich wieder etwas geändert, allgemein meine ich eine etwas andere Herangehensweise der Lieder zu erkennen, dynamischer, variabler, siehe z.B. Green Fields mit seinen Tempi-Wechseln. In Interviews kann man lesen, dass sich die Band für dieses Album bewusst mehr Zeit genommen hat, mehr geprobt, mehr Demos, mehr Vorbereitung vor dem Studio. Das hat sich in meinen Ohren mehr als bezahlt gemacht und so landet dann für ihre Verhältnisse auch ein eher ungewöhnlich dunkler, fast schon dystopisch klingender, langsamer Song wie Posse Comitatus auf dem Album, der in seiner Schwere einen Ankerpunkt in der Mitte bildet. Ansonsten herrschen aber zumeist uptempo Songs vor.
Ich bin ja sowieso nach wie vor ein Fan von Alben, und hier lohnt es sich das Album am Stück zu hören um die Vielfalt (innerhalb der Genre-Grenzen) und Abwechslung erfassen zu können, denn, wie erwähnt, finden sich immer wieder kleine Neuerungen und Herangehensweisen (z.B. entgegen dem neuem Kantigem sehr dezent eingesetzte Oohhhoos). Und nach dem wilden Ritt bildet das super schnelle What Kind Of Day Has It Been den perfekten Abschluss.
Das nun zehnte Album der Band ist ja irgendwie eine Art Meilenstein und hier haben die Endfünfziger Cali-Punks absolut abgeliefert und gezeigt, dass mensch immer noch mit ihnen rechnen kann.
