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Kaufmann Frust:
Im Blau

Kaufmann Frust. Eine Band, die mich seit ihrer EP Sommermelodie in meine musikalische Herzkammer getragen hat.

1. Melancholie und Zusammenhalt, monotones Piepsen, alles zerfällt chancenlos glücklich. „Nur dass kein Krieg ist, heißt hier lange noch nicht Frieden." ... Erinnert mich irgendwie an Illegale FarbenMatulaCaptain Planet und Käfer K.

2. Synth-Apokalypse, abstrakt und melancholisch, raue Stimme, Achterbahn in der Leere – oder eher Breakdance? Und dennoch: So viele Pläne in Einzelhaft. Aus dem Wagen gibt's gefühlt kein Entkommen. Vom Feeling her hat der Hintergrund was von einem dramatischen Spiele-Soundtrack kombiniert mit irgendeiner 80er-Disko. „Irre Lichter, die aus uns strahlen, Wenn wir uns selbst ermahnen, Zu einer neuen Lebenskraft, Mit unseren großen Plänen in Einzelhaft."

3. „Wir versinken im letzten Licht leerer Tage. All das Unausgesprochene In unseren Herzen Wiegt schwer, schwer, schwer."

4. Zwischen Panik und Leichtigkeit, irgendwie so einfach, doch alles so unsicher und manchmal so brachial schwer. Dennoch wird irgendwo zum Durchhalten und Fußfassen animiert. Träge Gitarren, schwankendes Schlagzeug, prägnanter Gesang. Irgendwie Krise, aber trotzdem weiter. „Wenn beim nächsten Atemzug keine Luft mehr kommt, was dann? Du willst es nicht riskieren, also hältst du den Atem an. Was dann?"

5. Der kürzeste Song des Albums. Die einzige Lyrik ist: „Du antwortest dir selbst, du antwortest dir selbst." So wenig Worte für so viel Gesagtes, perfekt. Wer kennt es nicht, in der Schwebe, wenn nichts mehr bleibt, einfach nur auf seine eigenen Wörter zu verlassen, weil man denen eh am meisten glaubt? Oder? Quälend langsam, aber doch so schnell vorbei. Intensives Album!

6. Nachtflug. Mal wieder extreme metaphorische Süßigkeit, Düsterkeit. Es wird wie ein melancholischer Fiebertraum getragen. Ich trage perfekte metaphorische Gedankenspiele, viel sagend ohne viele große Worte. Interessant, gewohnt und angenehm extrem musikalisch, sogar am Ende mit Bläsern. Vermutlich mein Lieblingssong vom Album. „Die Tage beginnen Mit der Verneinung Und enden in der Kapitulation."

7. Wieder ein gefühltes Spiel mit der vorigen Leere, diesmal mit einem Ozean. Hat sich in Blau bzw. der Leere wohl gefühlt, übernommen und es sich bequem gemacht. Irgendwie paddeln, aber trotzdem überlebend, immer kurz einmal trinken. Die Gefahr – diese intelligente, irrationale, sadistische Frage, die sich in deinem Geist klammert, dein Leben dort, wo du gar nichts mehr schaffst und kannst, und dir bedingungslos ausgeliefert bist. Manchmal träges musikalisches Untermalung, die wirkt, als würde man filmreif zum Grabe getragen werden. „Die Gefahr lauert im Verborgenen, Sie traut sich erst ans Licht, Wenn sie sich sicher ist, Dass sie sicher ist."

8. „Die Struktur wurde mit der Zeit aufgelöst, weil jeder gegen die Idee verstößt." Keine Zeit für Gefühle, keine Zeit, keine Gedanken, keine Zeit für das, was man braucht. Irgendwie traurig, aber trotzdem weiter, musikalisch passend untermalt. Abstrakte Kapitalismuskritik-Melo kombiniert mit sprunghaften, langsam fortlaufenden Instrumenten und Atemzügen zwischendurch. Zwischenmenschliche Beziehungen, Kapitalismus, psychische Schwierigkeiten. „Am Ende bleibst du einfach liegen, Dein Glück liegt vor dir bereit, Bring dich in Sicherheit." Perfekte letzte Worte dieses sonst melancholischen Songs.

9. Interlude (bei Bandcamp nicht da). Oh, weiter geht's mit Piano. Mit Instrumental. bleibt es instrumental? Ich schätze mal nicht, das wird ausschließlich ein Instrumental sein. Ach so, es ist ein Interlude, das macht Sinn. Weiter geht's mit der Song-Variation.

10. Boah, krassere Lyrics über die Intensität seiner eigenen Selbst-Boykottierung und Aufschieben von negativen Dingen. Boah, wundervoll, bis es irgendwann maßlos frisst und zerstört und einen nicht mehr schlafen lässt und in den Zerfall führt. Psychische Prokrastination. Hier ein passendes Danger-Dan-Zitat: „Emotionen sind wie ein Inkassoverfahren, das immer teurer wird, wenn man es ignoriert." (RIP NMZS!) „Ein Ungetüm kriecht jeden Abend Zu mir unter mein Bett, Denn das hab ich selbst gezüchtet, Hab mich so darum gesorgt. Selbst an Tagen, die sonst kurz sind, Regiert nur noch die Furcht:" „Auf die Nächte legt sich Asche, Um die Tage Absperrband, Die Stunden tropfen zäh und dunkel Aus deiner kalten Hand."

11. Und psychisch wieder sehr abstrakt, da muss ich überlegen. „Draußen dort im Hof Steht noch das Tränengas, Verflüchtigt sich nur langsam Mit allem, was ich je besaß." (Mich würde interessieren, ob das eine Anspielung auf Sachen aus dem Geschichtsunterricht ist.) Irgendwie schaffen zu existieren nach unangenehmen Ereignissen. Oder wie ist der Song gemeint? Ich weiß es nicht, aber darum mag ich die Band vielleicht so sehr, weil es halt so melancholisch, abstrakt und trotzdem teilweise so einfach, so intensiv, simpel ist – kurz gesagt für so viel. „Vor den Polaroids unserer Zukunft Brennen rote Kerzen."

12. Hach, Fröhlichkeit, erfolgreiche Zweisamkeit, gekühlt zusammen durch düster, kalt zurückblickend aufs Leben. Eventuell auf das gesamte Album? Irgendwann ist es ja wieder positiv werden – ist das die Devise des Albums? Hör auf deine Freundis, hör auf deine sinnvollsten lieben Blicke zurück. Ist okay, aber nicht im blauen Meer verschwimmen. Und am Ende erwischt man sich sogar dabei, ach, war ja nicht so schlimm, zu sagen: „Wir machen's wie die Kinder, wir zertrampeln es, zertrampeln es. Das macht uns zwar nicht jünger, aber trauriger auch nicht."

13. Oh mein Gott, der letzte Song komplett anders. Irgendwo zwischen Schwankungen, melancholischem Schlager, aber auch nicht unbedingt. Trägere, langsame, noch ein ganz neues Level der Melancholie, aber irgendwie etwas fröhlicher. Langsame, schleichende Gitarre, langsames, leicht nachklingendes Feedback im Hintergrund. Irgendwie ein sehr abstrakter und melancholischer Song sowie das gesamte Album. Abschluss des Albums. Gesamt ist der Song ein rückblickendes, multi-metaphorisches, aber trotzdem einfaches Ja zum manchmal sehr düsteren Leben. Das Album endet mit einem sehr düsteren, apokalyptischen Outro, wo man unsicher ist: „What the f***?" Abstraktes, krasses Album. „So leuchtend habe ich eure Augen nie mehr gesehen, sagt Mutter, wenn wir 20 Jahre später..."

Hörprobe:
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Post Punk, Post Rock
aus Stuttgart
Kaufmann Frust - Im Blau

Stil: Punk, Post Punk
VÖ: 05.05.2023, LP, My Favourite Chords


Tracklist:
01. Pausenraum
02. Irre Fahrten
03. Im Blau
04. Die Gleichen
05. Du antwortest dir selbst
06. Nachtflug
07. Ozean
08. Das fragile System
09. Interlude
10. Variationen
11. Blaue Lippen
12. Kinder
13. Wannenrain



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