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Social Distortion:
Born To Kill

Nach etlichen Ankündigungen und darauf folgenden Verschiebungen, zuletzt war 2025 die Tour deswegen abgesagt worden, ist das erste neue SOCIAL DISTORTION‑Album seit 15 Jahren nun doch endlich auf Band. Der Titeltrack erschien vor einigen Wochen, machte direkt Lust auf mehr und soll eine Kampfansage sein: das zu tun, was man will. Auch bei Gegenwind. Im Grunde also das, was den Stil der Band seit jeher beschreibt. Krachend und nach vorne jagend wirkt das vorab veröffentlichte "Born To Kill" wie die musikalische Versinnbildlichung der Raubkatze auf dem Plattencover. Klar gewesen sein sollte es dennoch eigentlich allen, die genau wie ich in Windeseile den Bestellbutton betätigten, dass dieses Tempo wohl nicht bis zum Ende durchgezogen werden würde und hier mit ziemlicher Sicherheit auch keine Ablösung für das 30 Jahre alte Band-Meisterwerk "White Light, White Heat, White Trash“ auf uns zukommt. Kurz darauf erschien "The Way Things Are" der es schon deutlich ruhiger angehen lässt, aber wohlige Oldschool-Vibes weckte. Neun weitere Songs warteten jedoch immer noch darauf, gehört zu werden, somit blieb die Frage vorerst unbeantwortet, ob Ness und Co. noch einmal richtig abliefern würden oder uns am Ende doch ein Album wie „Hard Times & Nursery Rhymes“ erwartet, das mir wie vielen anderen auch eine Spur zu bluesig und langsam war. 

Seit einigen Tagen liegt mir nun das neue Album in seiner Gänze vor und ich muss sagen, das Warten hat sich gelohnt. Die erste Hälfe lässt sich geschmeidig durchhören, bleibt nach seinem fulminanten Start dann in seinem weiteren Verlauf jedoch weitestgehend im Bereich der durchschnittlichen Geschwindigkeiten. Neben den beiden bereits erwähnten Songs trieft bei "No Way Out", der das Tempo zunächst hält, und "Partners in Crime" aus jeder Pore der Trademark-Sound, den die kalifornische Band wie keine andere geprägt hat. Das wie sein Vorgänger über vierminütige "Tonight" geht dabei sogar fast bis in die frühen Jahre der Band zurück und hätte mitunter gut auf dem selbstbetitelten Album sein können. Wieder mal wird hier Punk, Americana und Rock 'n' Roll zu etwas Neuem verschmolzen. Alle Songs haben zudem diese "Erzähl mir vom Krieg"-Komponente, die ein Mike Ness mit seinen teils autobiografischen Erzählungen und (Grenz)Erfahrungen wie kein anderer ausfüllt und im Resultat zu der hohen Authentizität der Band führt, die viele von uns so schätzen. In der Mitte knickt das Album dann kurz in seinem ansonsten recht homogenen Sound ein. Das Duett mit Lucinda Williams begibt sich in Country-Rock-Gefilde, inklusive Piano und bluesiger Momente. Das Cover von Chris Isaacs "Crazy Dreamer" baut sich dagegen hoch auf, transportiert den Song tiefer in den Rock und gibt ihm eine eigene Marke, ohne ihm sein Herz zu nehmen. Mike Ness variiert dabei stimmlich stark. Man merkt deutlich, dass er erfreulicherweise von seiner Krebserkrankung im Rachen genesen ist. Beide Songs unterscheiden sich deutlich vom Rest des Albums, zeigen dabei die schon immer dagewesene Lust und Gabe, ein musikalisch weites Feld zu bespielen, und fügen sich trotz ihrer Andersartigkeit organisch in die Gesamtheit des Albums ein. Über die Notwendigkeit eines Coversongs bei elf neuen Songs lässt sich jedoch streiten. Danach stampft "Walk Away" wieder zurück zum altbewährten Klang und "Don't Keep Me Hanging On" fügt dem noch etwas schnarrenden, kratzenden Boogie hinzu, der einen starken Repeat-Trieb auslöst. Die beiden Songs am Schluss von "Born to Kill" kommen dann wieder klassisch und "Over You" mit seinen rock’n’rolligen Gitarrensolis ist ein gut gewählter Schlussakt, der den Sack am Ende zuschnürt. 

Comeback gelungen würd ich mal sagen! Wie bereits im Vorfeld vermutetet, wurde hier am Opus Magnum "White Light, White Heat..." nicht gerüttelt, aber SOCIAL DISTORTION gelingt mit "Born To Kill" ein erdiges, glaubwürdiges Spätwerk, dass ihre besten Songs seit "Sex, Love and Rock 'n' Roll" beinhaltet. Mindestens!

Peter 05/2026
Hörprobe:
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Punkrock, Rock'n'Roll
aus Fullerton
Social Distortion - Born To Kill

Stil: Punkrock, Rock 'n Roll, Rock
VÖ: 08.05.2026, LP, CD, Epitaph Records


Tracklist:
01. Born To Kill
02. No Way Out
03. The Way Things Were
04. Tonight
05. Partners In Crime
06. Crazy Dreamer
07. Wicked Game
08. Walk Away
09. Never Going Back Again
10. Don't Keep Me Hanging On
11. Over You



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