Darf man eigentlich kritisch distanziert ein Album so richtig abfeiern? Yep, darf man. Und ich hol jetzt mal ganz weit aus. Manchmal fragt man sich ja schon, weshalb die eine Band so richtig bekannt ist und die großen Hallen füllt, während andere dann doch eher so Szene-Größen bleiben. Uwe Umbruch, das ist für mich von Kopf bis Fuß ein Punkrock-Star! Ich mag das Auftreten und ich liebe diese herrlich rotzige Stimme. Und ja, ich feier dieses neue Album. Vielleicht muss man schon zwei, drei Tage älter sein, um die Sehnsucht und den Schmerz in manchen Songs nachvollziehen zu können. "Schöner scheitern" ist ein Album für Erwachsene, voll mit Reminiszenzen an die gute, alte Zeit. The Cure, The Clash, Die goldenen Zitronen oder The Who finden sich sowohl textlich als auch musikalisch über die gesamte Platte verteilt. Aber was mich wirklich abholt, ist diese Melancholie. Das Schwelgen in Erinnerungen an die "gute, alte Zeit" und ob die denn wirklich auch immer so toll war.
Aber auch die existentiellen Fragen, die wir uns alle nach all der Zeit immer öfter stellen: was ist geblieben, welche Werte kann ich immer noch mit geradem Rücken vertreten. Ist das oft nur noch museales Spiel, oder bin ich das wirklich noch?! Während Songs wie "Das waren Punks" oder "Freiheit und Benzin" also eher rückblickend daherkommen, zeigt unter anderem "Über Los" aber auch die mahnende Seite von "schöner scheitern". Bei der politischen Entwicklung in diesem Land kann man eben nicht nur im Gestern verharren. Viel zu akut ist die Bedrohung durch die ewig Gestrigen. Also, FreundInnen der feingeistigen Musik, macht euch gerade und seid solidarisch, denn noch sind wir nicht "ALT KAPUTT TOT"!
Ich geb also mal ganz zurückhaltend 6 von 5 Punkrocksternen für "schöner scheitern" von Kommando Marlies.

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