Eine druckvolle Hirnsprengung erfolgt mit dem Start in den ersten Song. Die Reste des Hypothalamus pulverisieren acht weitere Kracher voller D-Beat, Mosh-Gewitter, Hardcore-Parts und Punkrotz, die von den Personen am Mikrofon abwechselnd und gleichzeitig geschrien, gegrollt oder gerufen werden. Die Songs platzen vor Kraft. Wie halten die das durch?
Im Gegensatz zu dem, was ich bisher an D-Beat-lastigem kenne, ist die dornige Sammlung Zorn hier mit Abwechslung arrangiert. Nicht stumpf und von den Texten dermaßen düster und dystopisch, dass mir beim Lesen schwummerig wird. Zu bildlich sind die Darstellungen und zu bedrückend die Beschreibung der Realität. Es geht um Essstörungen, die Scheißewelle(n) der Milliardäre, Flucht vor der Vernichtung durch die Räder des Fortschritts, Classwar, Grausamkeiten hinter Alltäglichkeiten und die Vernichtung des Körpers im Kapitalismus. Soweit so punk. Dabei werden die richtigen Fragen gestellt ("Millionäre, Milliardäre / Wie lang wollen wir sie noch ertragen?") und Punk als Konsequenz der Reaktion aufgezeigt ("Now you raised a punk / Abnormal in your eyes / Keep the fuck out of my life"). Auch die Message "Power to the weak To the ones who cannot speak" gefällt mir und ist angebracht. Aber die über den Texten liegende Verheerung setzt mir zu. Ich brauche auf jeden Fall mal kurz Pause, das nimmt mich doch ziemlich mit. Gut, dass man bei der Gesangsart nicht immer alles so deutlich versteht. Die brutale Soundwand, scheppernde Becken und Blastbeats erfüllen die Funktion, das Ganze auch nicht grade entspannend zu gestalten und der Mix sowie die Masterei der Tonmeisterei presst den Lärm wie zu erwarten druckvoll, klar und exemplarisch vollendet in Form.
Zurück aus der Pause hätte mir beim Blick aufs Cover von Theda Grave eigentlich klarer sein müssen, was mir bevorsteht. Schwarz-weiß gezeichnete Knochensklette von Menschen, Tieren und Insignien des Spätkapitalismus unter einer blitzenden Donnerwolke und die Band heißt WÜT. Was hab' ich erwartet? Die Welt abgefuckt, wird sie hier gehörig zerhackt. Wenn die Wut raus muss, weil die Welt in Flammen steht, kann das hier katharsisch funktionieren. "Neun weitere Gründe für Brandstiftung" ist die Explosion durch zu viel Brandbeschleuniger. Danach ist alles abgefackelt und während man sich noch über die eigenen angesengten Augenbrauen wundert, ist hoffentlich noch Hoffnung da für einen Neuanfang auf der verbrannten, durch die Gesamtscheiße schon gut gedüngten Erde. Alles andere wäre grob fahrlässig.

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