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Räuberin Fotzenrotz:
Schmollotow Cocktail

Obwohl ich derzeit viel um die Ohren habe, wollte ich euch dennoch an den Erlebnissen teilhaben lassen, nachdem ich heute eine Musikkassette aus meinem Briefkasten angelte. Hauke von Bremspedal Records, verantwortlich für die Releases einer meiner Lieblingsentdeckungen der letzten Jahre, MARDERSCHADEN, sah es offensichtlich als sehr wichtig an, dass ich meine Ohren mal in Richtung des Tapes SCHMOLLOTOW COCKTAIL der Leipziger*innen RÄUBERIN FOTZENROTZ richte. Ich weiß nicht, ob es hier notwendig war zu gendern oder ob es sich bei der Band sowieso ausschließlich um weibliche oder weiblich gelesene Mitgliederinnen handelt, so wenig war über RÄUBERIN FOTZENROTZ herauszufinden. Und das in Zeiten von Google und KI. Meine Hochachtung! Also der Underground- und Subkultur-Spirit stimmt schonmal und bringt die Maximalpunktzahl auf der Rumpelpunk- und DIY-Skala. Eine kurze Nachfrage beim Label ergab immerhin, dass sich die Band erst 2024 gründete.

Zum ersten Song auf der Kassette, PAPAPATRIARCHAT muss ich sicherlich nichts inhaltlich mitgeben, der Titel sagt glaube ich schon alles und die Umsetzung ist so schräg, einfach und toll, denn PA-PA-PATRIARCHAT bewegt sich rhythmisch und im Versmaß 1:1 parallel zu SHOUT von TEARS FOR FEARS. Wie geil. Der Sound ist fantastisch! Die Stimme bzw. die Stimmen hallen, das Schlagzeug drischt sich richtig einen ab und die Gitarre wird authentisch im 80er Punk-Proberaum-Stakkato heruntergeschrammelt. Meine Befürchtung, PAPAPATRIARCHAT könnte der einzige Hit bleiben wird schon vom zweiten Song (ICH FLIRTE MIT ALLEN) torpediert. Ich liebe den scheppernd knallenden Snare-Sound (Dsch, Dsch!) und dieses Flair des deutschen Punkrocks der mich einst in den 90ern so verliebt gemacht hat mit diesem Genre.
Als "Quatsch-Punk" wird die Mucke von RÄUBERIN FOTZENROTZ irgendwo im Internet bezeichnet und ich finde irgendwie dass das Gegenteil der Fall ist. Klar, bei diesem plakativen Bandnamen und dem radikalen aber auch irgendwie augenzwinkernden Umgang mit gesellschaftspolitischen Themen muss man erst einmal ein bisschen schmunzeln aber es wird der Musik nicht gerecht. Denn in dieser steckt, bei aller Rumpelpunk-Einfachheit, ganz schön viel Nostalgie, Melancholie, Fingerspitzengefühl und vor allem Spielfreude und Spaß an Lautstärke und Chaos. Als würde man seine ersten CD- und Kassettensampler noch einmal hören. Nichts ist hier absichtlich auf Trash getrimmt oder gewollt daneben. Bei KIPPE TEILN bin ich selbst so froh, dass ich keine Zigaretten mehr rauche bzw. schnorren muss, vor allem von anderen Menschen selbstgedreht (im Lied bildhaft beschrieben), JONATHAN ist ein sehr guter Song, in VONOVIA wird das bekannte Wohnungsunternehmen besungen (fällt für mich musikalisch ein bisschen ab), MEIN NEUER FREUND geht ziemlich garagig nach vorne und STORNO ist für mich persönlich beim ersten Hördurchgang das beste Stück auf dem Tape, denn es verbindet alle Stärken die man bis dahin hören konnte: Handwerklich 1a, lustig und melodisch und irgendwie so kurzweilig dank dem einen oder anderen Tempowechsel und angepissten, kleinen Gags. Übrigens: Wenn die Stimme gedoppelt wird oder alle mal gleichzeitig singen, fühlt man sich auch gern mal an das allererste TKKG-Intro erinnert. Es ist wirklich alles sehr echt und dabei mehr als nur eine liebevolle und kompetente Hommage ans Genre.

Die B-Seite ist im Inlay nicht gelistet, scheint aber mit Demo- und/oder Livesongs befüllt zu sein. Sie beginnt mit einem Walter Frosch O-Ton, wo ich mich natürlich auch frage ob das irgendwie als ironische Antwort auf so Haha-Saufen-Rauchen--so-witzig-assi-kult-Punkertypen gemeint ist, denn das Abgekulte von urigen Kneipen-Männern mit Vokuhila und Schnauzbart ist ja auch schon lange bissle durch. 

Also allein für den Opener und die Songs ICH FLIRTE MIT ALLEN und JONATHAN ziehe ich meine Truckermütze. Wenn RÄUBERIN FOTZENROTZ und Bands wie MARDERSCHADEN die Zukunft von DIY-Deutschpunk sind und ich keine Bierdosenmacker im Kassierer-Shirt (egal wie meta, doppelbödig und ironisch gemeint) mehr ertragen muss, bin ich auf jeden Fall wieder an Bord!

Lux 07/2026
Hörprobe:
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Deutschpunk
aus Leipzig
Räuberin Fotzenrotz - Schmollotow Cocktail

Stil: Deutschpunk, Post Punk
VÖ: 04.07.2026, Tape, Bremspedal Records


Tracklist:
1. Papapatriarchat
2. Ich flirte mit allen
3. Kippe teiln
4. Jonathan
5. Vonovia
6. Mein neuer Freund
7. Storno.



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