Ich habe es bereits an anderer Stelle geschrieben, womöglich sogar schon mehrfach, aber die Frage treibt mich erneut um und daher muss ich es schon wieder schreiben: Warum produziert Tim Armstrong von RANCID immer wieder Bands, die verdächtig stark nach seiner eigenen klingen? So erneut geschehen beim neuen Album von RAT BOY. Vorweg: Ich bin großer Fan der kalifornischen Band um Sänger Tim, aber zweifle bereits seit den Bands TIME AGAIN und LEFT ALONE, auch beide mit Support vom Nuschelkönig und zudem auf Hellcat Records, ob es wirklich vonnöten ist, Klone seiner eigenen Band zu produzieren.
RAT BOY, mit bürgerlichem Namen Jordan Cardy aus Essex im Vereinten Königreich, ist ca. 2016 mit seinem Stilmix aus Punk, Hip-Hop und Ska als Soloartist bekannt geworden, bei dem er mal wie MADNESS, THE CLASH oder eben RANCID klang. Mit dieser Mixtur erreichte sein Album "Scum" sogar die Charts. 2019 erschien bereits das zweite Album "Internationally Unknown" ebenfalls produziert von Tim Armstrong. Kurz darauf wuchs das Projekt zu einer vollständigen Band heran und veröffentlichte daraufhin auf Hellcat das Album "Suburbia Calling". Somit wären wir, frei nach Adam Riese, nun bei Album Nummer 4, das auf den tiefschürfenden Titel "Crash!" hört.
Direkt von Sekunde eins poltert das Album los und liefert mit "Broken" vielleicht den stärksten Song zu Beginn. Dabei wird direkt klar: Wenn man klanglich noch näher an RANCID heranrückt, sitzt man bei ihnen auf dem Schoß. Die Songs sind kurz und voller Hooks und klebriger Refrains, haben denselben Aufbau, einen markanten, dröhnenden Bass, eine helle, zackige Gitarre und selbst der Gesang ist ähnlich nuschelig und nasal wie beim Original. Bei "Awaydays" fällt sogar das Schlagwort "Hooligans". Im Verlauf der 18 (!) Songs, hat man auch nicht mehr allzu oft, ändert sich dieser Umstand auch nicht wirklich. Die Frage bleibt bestehen: Ist es jetzt von Vorteil oder eher von Nachteil, genauso zu klingen wie eine andere Band viele Jahre zuvor? Ich habe immer noch keine endgültige Antwort darauf. Ska, Reggae, Hip-Hop, oder gar Britpop wie auf dem Vorgänger, sucht man derweil leider vergebens. Irgendwie schade, dass man die Vielseitigkeit diesmal aufgegeben hat, gerade etwas Reggae oder Ska hätte hier doch auch gut gepasst. Gerade weil die Songs auf "Crash!" alle ein wenig ähnlich klingen, so stellt „The River“ mit seinem kurz angetäuschten "London-Calling-Offbeat“ schon die größte Ausnahme dar, sodass man dadurch manchmal das Gefühl bekommt, wie auf einem glitschigen Stein stehend, den Halt zu verlieren. Wer allerdings ein straightes Punk-Album haben möchte, das ganz im Stil der "Let's Go" eingespielt wurde und sich dabei, wie ich, an Jordans Art zu reimen und singen erfreuen kann, der sollte an Songs wie "Sick of it", "Broken" oder "Nightbus" ebenfalls viel Spaß haben. Auf einen großen Hit muss man dabei bedauerlicherweise verzichten, dafür halten alle Songs ein qualitativ sehr hohes Level. Nebenbei sei noch schnell erwähnt: Es wurde im Garten von Singer- und Songwriterlegende Suzie Quattro aufgenommen.
Irgendwie ist der gebotene Sound ja leider auch ein wenig in der Versenkung verschwunden, da kann es nicht schaden dass sich RAT BOY dazu entschieden haben, ihn wieder auszubuddeln.

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