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Feder:
Radikale Empathie

Ach, doch noch ne Urlaubsrezi, auch wenn ich eigentlich schon auf dem Heimweg bin. 

Neulich schrieb mir Rentsch, weil er ja weiß, dass ich dem Social Media Game nicht mehr treu bin, dass seine Band FEDER (aus Graz in Österreich), mit der ich im Mai ne Woche auf Tour war, die neue Platte „Radikale Empathie“ jetzt bereits digital raus hauen und dann auf Vinyl im September via Grazil Records und da ich einige Songs schon live kenne - weil wir ja zusammen auf Tour waren - freu ich mich wie auf Kaiserschmarrn ohne Rosinen (der kommt auch aus Österreich) und jetzt liege ich in Trient - (kurz vor der Österreichischen Grenze) im Bett, höre die Platte und schreibe Rentsch: 
ballere mit einem original in Polen gebrauten Hermann Müller alkfreiem Dosen-Bier in Trient eure neue Platte und hab bei Rost Gänsehaut!

Auf meine Frage, ob es schon nen Promotext gibt, sagt er, ne, ham se noch nicht hinbekommen. Alles DIY und dann dauert es doch ja immer alles länger. 

 

FEDER sind vermutlich auch viel zu bescheiden, sich selbst über den Klee loben und vielleicht macht diese Zurückhaltung auch ganz viel ihrer Musik aus, auch wenn die eher wie eine Dampfwalze über die Hörenden hinwegfegt mit ganz viel Herz, runtergestimmten Gitarren, verzerrten Bass, Stimme, noch mehr Stimmen, Wut und halt radikale Empathie - sei es darum Nationalgefühl und Faschismus anzukreiden wie in „Kaltland“ oder, wenn sie die ermüdende Routine von (so mancher) Lohnarbeit (Rost) kopfschüttelnd in Worte zu fassen oder den Abschied von (vergangenen/verstorbenen) Freundschaft in Brennen (mit extra langem Gitarrensolo) besingen. Rentsch, der singende Schlagzeuger oder schlagzeugende Sänger von FEDER, trägt in den Texten seine Zunge auf dem Herz, ohne einem die Inhalte direkt ungebremst ins Gesicht zu rotzen und gibt damit dem düsteren Punkrock seiner Band eine angenehme Tiefe mit ganz viel tollen Melodien, die zum Grübeln anregt, ohne einen verloren wie Robinson Crusoe auf einer Insel zurückzulassen - und ist sich dabei auch nicht des zynischen Kommentars des letzten Songs:

scheiße ja ich glaub wir ham dazugelernt
nie mehr wieder

(aus „nie mehr wieder“)

zu schade und damit lässt die Band den Hörenden balladesk zurück und beendet die Platte. Kann Mensch machen, kommt gut!

Vik (Gitarre, Stimme - der die Platte auch zu Hause im eigenen Studio aufgenommen, abgemischt und gemastert hat), Michi (Bass, Brüllen) und halt Rentsch haben seit ihrem Debut ordentlich was gemacht: jetzt haben alle lange Haare, Sound ist noch vielseitiger geworden, Gitarrensolo wow (geht klar in diesem Fall) und hier und da das Tempo hochgehalten (nice). Nicht immer ist der Sound so ganz meins, denn so hadere ich generell mit runtergestimmten Gitarren, auch wenn ich es selber mache (selten) und es ist halt schon ein krasses (Rock)Brett und plättet manchmal ein wenig den Gesang, bzw. nimmt Rentschs Stimme und Texten etwas den Raum - und die sind besonders und deswegen ist das einfach schon eine wunderbare Platte. Und gerade wenn die drei mehrstimmig singen, kommt das noch besser zur Geltung. 

FEDER sind für mich eine der besten melodische Düsterpunkbands (oder halt doch auch Emopunk), die ich kenn und es gehört ja zu meinem favorite Genres, also kenn ich mich da aus, also glaubt's mir halt und das liegt objektiv nicht nur an der bedingungslosen radikalen Sympathie, die ich für diese Band hege. 

Punk(t). Morgen Kaiserschmarrn! In Bayern. Hoffentlich.

kraVal 08/2026
Hörprobe:
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Düster-Deutschpunk
aus Graz (A)
Feder - Radikale Empathie

Stil: Düsterpunk, Punk, Emopunk
VÖ: 31.07.2026, digital, LP, Grazil Records


Tracklist:
1. ein anfang
2. rost
3. klageland
4. klauen
5. morast
6. brennen
7. unter druck
8. radikale empathie
9. schimmern
10. kein klares wasser
11. nie mehr wieder
 



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