Nichts als Ausreden, Ausreden, Ausreden… Diese Platte ist schon viel zu lange draußen, als dass man hier noch nachvollziehbar rechtfertigen könnte, warum ausgerechnet hier immer noch nix zu geschrieben worden ist! Is doch wie immer: für dich selber kriegt kaum wer mal den Arsch hoch. Ja, isso!
Jetzt ist sie aber endlich da, die Rezension für das fabelhafte Album „Menschen“ von Die Ausreden. Erschienen auf dem mindestens Bierschinken-affinen Label Bakraufarfita Records. Wurd ja auch Zeit!
Insider wissen, dass hier eine Melange aus interessanten Musiker*innen, Konzertgänger*innen und Berliner Nachtschwärmenden zusammenkommt. Rasende Bierschinken-Reporterin Paula Prachtkind (ihres Zeichens auch Gitarristin bei Müde aus Berlin), Logan Zufall (Love Rockets, Protokumpel), Mrs. Mawashi Geri (die nebenbei chice Szeneklamotten näht und ne hervorragende Ausstellungskünstlerin ist) und schließlich Phil Smaller (dem wohl hyper-, inter-, und proaktivsten strictly and only Tape-DJ Berlins). Was macht so eine Truppe für Mucke? Klar: Power-Punk mit ganz viel versiert gedroppten Pop-Einflüssen. 70s Punk-Gitarren, knurrig-zerrig verspielter Bass und tightes Schlagzeug, das wie ein Uhrwerk unablässig metert. Die Mucke wo auch der grummeligste Iro-Punker seine softe und zugewandte Seite entdeckt, ohne sich peinlich vorzukommen.
Trotz aller luftigen Melodien und viel Wechselgang schafft die Band es aber, die Fassade der überbordenden Lebensfreude durchgehend mit real talk zu kontrastieren. Songs wie „Dunkel“ oder „No Future“ können auch als Düster-Power-Punk gehandelt werden und liefern etwas, das sich bislang wenig von Bands getraut wurde. Viel zu oft setzen Bands da immer nur auf ein Pferd und werden damit irgendwann vorhersehbar und öde, wenn der Trend durchgeritten ist und sich kein Schwein mehr (zurecht) für die xte Ausgabe und Spielart des Trends interessiert. Das ist hier anders. Die Ausreden kombinieren gern mal das Luftig-Fröhliche mit dem Ernst. Catchy Lieder wie „Defund the Lieferdienst“ („Ahaaa!“) oder „First World Problems“ („Oh Yeah!“) sprechen da Bände. Und wie bitter ist dieser Moment, wo die Leute dann merken zu welcher traurigen Story sie eigentlich gerade im AJZ tanzen. Da hält die Band ziemlich clever jeder und jedem einzelnen von uns schon gut den Spiegel vor manchmal, Chapeau! Ach, es ist schon gut gemacht, doch! Und ohne sie selber mitgemacht zu haben: man bekommt bei Ausreden so Vibes von 80er Pop/NDW, wo scheinbar harmlos klingende Musik oft auch tiefere politische Aussagen transportierte oder, wie in Fall von Alphaville, eben auch einfach zutiefst politische Menschen dahinter stehen, die sich gegen rechts engagieren und gegen jegliche Form von Diskriminierung, sei sie nun rassistisch, antisemitisch, sexistisch, homophob, transfeindlich, queerfeindlich oder sonstwie gelagert.
Aufgenommen hat die Band das Ganze in Kosovo, einem, wie die wenigsten wissen, mehrheitlich islamischen Land zusammen mit dortigen kosovarischen Freunden von u.a. Bands wie Telikput, die auch in diesen Breiten hier schon mal gespielt haben (Hallo Valon!). Natürlich haben Die Ausreden also auch schon mal in Kosovo gespielt. Und ich finde immer noch, dass es als in Doitschland hingeborene Menschen etwas wichtiges ist, dass da Menschen in Kontakt kommen und es gemeinsam besser machen als andere vor ihnen. Nicht nur deshalb, mutmaße ich, trägt dieses Album den Titel „Menschen“ und es kommt sicher auch nicht von ungefähr, dass das Cover ein Rudel streunender Hunde in Kosovo zeigt, die jeden Tag vorm Aufnahmestudio in Pristina lagen.
Die Platte ist liebevoll gestaltet, mit selber von handgeschriebenen Texten, Foto, und einer prismahaften Variation an Vinylfarben.
Kurzum: diese Platte lohnt sich! Geht auf die Konzerte der Band (die spielen fast jede Woche!). Das nächste Mal sehen könnt ihr sie hier:
10.09. Berlin, Görlitzer Park (Laut gegen Verdrängung - Fight Homelessness, Not the Homeless!)
02.10. Potsdam, Kachel (ask a punk) (+ Moloch + Tischlerei Lischitzki)
03.10. Kalbe, Unordnungsamt (+ Moloch + Tischlerei Lischitzki)
13.11. Bremen, Karo (+ Kommando Marlies)
27.11. Hamburg, Goldener Salon Hafenklang (+ Spandau)
19.12. Berlin, Café Linus (+ Ok Nein)
15.01. Hannover, Chez Heinz (+ Spandau)
19.03. Berlin, Schokoladen (+ Spandau)
20.03. Augsburg, Ballonfabrik (+ Knochenfabrik + Zik Zak)

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