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SOKO LiNX:
Punk für Leute, die Punk haszen

Plauze, Bauchtasche, Herrenslip und gezückte Mittelfinger. So also sieht der Körper des Vermummten aus, der die SOKO-LINX-Alben ziert und von dem wir bisher nur Kopf und Füße kannten. Mit "Punk für Leute, die Punk haszen" liegt jetzt Teil 3 des Autonomen-Starschnitts vor. Überhaupt ist die grafische Gestaltung mitsamt den kleinen und großen Humoreien außerordentlich gelungen.

Das dritte Album der Leipziger um Farin U's radikaleres Alter Ego klingt vom Sound und vom Songwriting wie die zwei davor. Das ist aber ein Qualitätsmerkmal für die gleichbleibend hohe Güteklasse. So bilden "Auf die Fresze. Fertig. Los!", "Blosz keinen Stresz" und "Punk für Leute, die Punk haszen" nicht nur vom Cover ein Triptychon (der autonome Starschnitt). Das Patentrezept von äußerst melodiösen Songs, die inhaltlich ernste Hintergründe mit Witz in kreativen Bildern und Reimen zeichnen, geht auch hier wieder voll auf. Dazu Electro-Abzappelbeats, ein bisschen Rap, viel Pop und genug Punk für die Street-Credibility. Die politisch korrekten Bloodhound Gang. Endlich gute Musik für den Lauti. Dabei müsste ich es den Bierschinkenstatuten nach aufgrund des Labelwechsels von Bakraufarfita zu Fettfleck eigentlich kritischer beurteilen, aber in den Linernotes werden Thrun und kraVal und Bierschinken gegrüszt. Da kann ich also beruhigt weiter huldigen.

Es scheint, als wären SOKO LINX für's dritte Album ein bisschen zu lange in Berlin gewesen und ich bilde mir ein, dass es nochmal ein Stück weit elektrolastiger geworden ist. Ein drittel Punkrock, zwei drittel Rave. Der Tante Renate trifft auf Terrorgruppe. Kurzweilig, catchy, schlau. Dabei schön warm im Sound und thematisch mal wieder voll am Zahn der Zeit.

In den Punksongs ist das Tempo nach einem Schlagzeugerwechsel gefühlt höher. So starten SOKO LINX mit "Ist das noch Mainstream?" wunderbar skatepunkpoppig à la SPN-X ins Album. Da sind direkt auch wieder die mehrstimmigen Gesangsharmonien zu hören. In "Verkehrsteilnehmer:innen" zeigen sie, dass man auch in Songtexten entspannt gendern kann. Das hatte ich bisher nur bei Notgemeinschaft Peter Pan gehört. Der kreative Umgang mit den Silben der deutschen Sprache in "Jetzt bitte keine Neiddebatte!" erinnert an die überaus genialen Ernte 77. Als Featuregäste sind dieses Mal Axel Kurth von WIZO und Fati Morgana von THE DEAD END KIDS vertreten. Beide fügen sich sowohl an sich, als auch im Kontext der jeweiligen Songs super ins Gewand. 

Eine winzige Spur ernster bildet das Album einen Abschluss der Trilogie und endet etwas abrupt. Ich bin gespannt, ob SOKO LINX den VÖ-Rhythmus von zwei Jahren beibehalten werden und was dann kommt. Hoffentlich keine KI-Kunst!

Noch während ich die Platte von vorne starte, veröffentlichen SOKO LINX drei neue Songs, die mit ihrem eingangs erwähnten Doppelgänger abrechnen, der den Release von "Punk für Leute, die Punk haszen" mit dem zeitgleichen Erscheinen seines neuen Soloalbums sabotiert.

matsch 09/2026
Hörprobe:
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Punkrock, Elektro, Pop Punk
aus Leipzig
SOKO LiNX - Punk für Leute, die Punk haszen

Stil: Elektro-Punk, Pop, Punkrock
VÖ: 07.08.2026, LP, Fettfleck Records


Tracklist:
01. Ist das schon Mainstream?
02. Stein des Anstoszes
03. Gewaltenteilung
04. Zeitmanagement (ft. WIZO)
05. Verkehrsteilnehmer:innen
06. Jetzt bitte keine Neiddebatte!
07. Feuer, Pfeife, Reminiszenz
08. Nur zu Besuch
09. Hotel Astoria
10. Alles ist politisch
11. Kein Kompliment (ft. The Dead End Kids)
12. Hyperstimulation
13. Kleiner Demokrat, was nun?
14. Blüten
15. KI macht jetzt Kunst



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