Es War Mord - Die Kapelle mit dem bescheuerten Namen, aber dafür mit dem aggressivsten Düsterpunk, den es zu hören gibt, bringen mit "Frühling der Verräter" ein Album heraus, das die aktuellen Verhältnisse nicht besser spiegeln könnte. Hierbei sollte man sich vom Albumtitel nicht aufs Glatteis führen lassen. Die Band rotzt einem bereits vor dem ersten Akkord zynisch ins Gesicht, denn schließlich erscheint die Platte im Spätherbst.
Apropos Anrotzen, Sänger Stunk zerkaut auch auf dieser Platte wieder jede einzelne Silbe, entzieht ihr jegliche Nährstoffe, gurgelt sie anschließend durch seine von Sägeblättern durchzogene Kehle, nur, um sie dann wieder hervorzuwürgen und uns die zerborstene und von Magensäure durchsäuerte Brühe in die Ohrmuscheln zu träufeln. Das klingt vielleicht so als würde ich das nicht mögen. Das Gegenteil ist der Fall! Aber nicht nur der Gesang ist das Alleinstellungsmerkmal von Es War Mord, auch Gitarren und Drums tun ihr übriges um eine richtig fette Soundwand zu erzeugen. Hier hört man dann auch deutlich, dass die Mitglieder der Band bereits bei Jingo De Lunch, Die Skeptiker oder Turbostaat am Start waren oder teils noch sind.
Musikalisch geht es direkt rein, kein Intro, kein Geschnörkel sondern einfach nur 12 Songs, die in Mark und Bein donnern. Songs wie beispielsweise "Freiheit" blubbern indes los wie alte Garage-Nummern. Trotzdem wird auch auf obligatorische Breaks nicht verzichtet. In diesen wechselt der Gesang dann auch gerne mal ins Monologische ("Freiheit", "Messer im Kopf").
"die wahrheit kann niemand erschießen
dieser krieg ist nicht mein krieg"
ertönt es gleich im ersten Lied des Albums. Aktueller kann man an die Gesamtscheiße wirklich nicht rangehen. Scheiß auf die neue Wehrpflicht! Scheiß auf ihre Kriege!
Hierbei werden die Songs zwar mit ordentlich Wut im Bauch vorgetragen, trotzdem hat man bei der Resignation und Frustration das Gefühl, als wären die Bomben des 3. Weltkrieges bereits gefallen. "Messer im Kopf" und "Die Hölle" erinnern stark an die Trümmerliteratur der späten 1940er und 50er. Ansonsten gibt es aber auch ein paar kleine Überraschungen, so werden bei "Tod in Frankreich" (mit Ausnahme von Helmut Kohl) die Namen französischer Persönlichkeiten heruntergebetet, wobei ich gestehen muss, dass ich zunächst dachte, es würde sich hier um Lyrics auf französisch handeln.
Wer also auf Düsterpunk steht und dabei eher eine etwas härtere Gangart bevorzugt, sollte nicht mehr lange untätig bleiben, sondern sich "Frühling der Verräter" zulegen.
Fazit: Laut, schnell, ordentlich aggressiv, aber zeitgleich auch sehr nachdenklich und nochmal mehr aktuell.
Anspieltipps: Dieser Krieg, Freiheit

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