Start Shows Berichte Rezis Kalender Members Kontakt
Login: BS-Nummer oder Email: Passwort: | | Passwort vergessen?
Pacer:
Making Plans
Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber mich machen die Platten, die das krasseste Missverhältnis zwischen Bekanntheit und Geilheit haben, immer am Euphorischsten.

Wenn sich dann noch Mark und Dave meiner absoluten Lieblings-Abfeier-Mitgröl-Hardcore-Band 'The Steal' entschließen, eine neue Band zu starten, kann ich eigentlich gleich blind auf fünf Sterne klicken. Scheiße, wie oft hat mich der Sound dieser Band und Marks Gesang schon mit einem fetten Arschtritt aus der ein oder anderen Alltagsmelancholie zurück in die vorwärtsgewandte Denke geholt. "Alter!", schreit sie mich an, "Komm mal klar! Das Leben ist geil!". The Steal waren und sind für mich was dem pummeligen Mädel ihre Schokolade.
Viel falsch kann Pacer in meinen Augen da also nicht machen.

Doch ganz so leicht machen sie es mir nicht. Die Debut-EP der Briten 'No. 1' hatte schon einige Kracher drauf, aber insgesamt ist es ein Sound an den ich mich gewöhnen musste. Aber das ist vielleicht verständlich, wenn die Lieblings-Hardcoreband plötzlich etwas sanftere Klänge anschlägt und der kontemporäre Klang der Punkmusik mehr oder weniger an einem vorbeigezogen ist während man monatelang alten Reggae gehört hat.
Making Plans hat mich dann zurück ins Jetzt geholt.

Highlights dieses durchaus philosophischen Albums sind für mich 'Be A Man', das mit dem Erwachsenwerden im Allgemeinen und dem Mannwerden im Speziellen ein Thema behandelt, das den ein oder anderen wohl auch für den Rest des Lebens umtreiben wird. Die Zentrale Frage des Werkes:

"And when I get there, will I know?"

Bei 'Flags' geht es dann nicht um Flaggen, sondern um das Ausziehen aus dem Elternhaus und diverse Subkultur-Shirts, die sich so in einem Teenager oder verlängerten Teenagerleben ansammeln.

"These shirts were monuments to the places we had been,
They’re stacked like folded flags, reminders of who you used to be."

Pacer sprechen mir da aus der Seele, habe ich doch letztes Jahr beschlossen keine Band-Shirts mehr zu tragen. Nach Pacer liegt dann wohl ein Teil meiner Identität gefaltet im Kleiderschrank.

Ich bin immer vorsichtig mit sowas, aber 'Little Avalons' ist vielleicht der Hit der Platte. In gewohnt musikalisch-treibender Manier wird hier über das Leben des gewöhnlichen Menschen philosophiert und wie er sich täglich, getrieben durch das Streben nach Geld und Anerkennung, kaputtackert. Stets im Blick: die Rente oder irgendeine obskure, weit entfernte Fantasiewelt, in der man dann bestimmt irgendwann mal zur Ruhe kommt. Diese wird hier mit Avalon verglichen, der Insel auf die sich König Arthur der Sage nach zurückzieht um seine Wunden zu pflegen, nachdem er in der Schlacht verwundet wurde.

"We take for granted our health
we put our hopes up on the shelf
we waste our lives on things
that we’ll end up hating
Do we get what we ask for?
Do we get excuses?
‘till your dead inside
Nothing behind the eyes
we work on and on
for our little Avalons"

Auch 'Flutters' ist keine leichte Kost - ich vermute hier verarbeitet jemand eine vergangene Beziehung - aber es zeichnet sich durch einen wundervollen Ooh-ooh-ooh-Mitgröl-Refrain aus, der so präsent ist, dass er mir - die ausgestreckten Punkerfinger vor dem geistigen Auge - an dieser Stelle das Tippen erschwert.

Der ebenfalls hitverdächtige Titeltrack der Platte 'Making Plans' ist wieder einer dieser herrlichen Packen-Wir's-An-Songs, der dazu aufruft das eigene Leben auch in die eigenen Hände zu nehmen.

"Stop making useless resolutions
and start making plans."

Ein irgendwie recht spießiger Aufruf zum Pläne machen im Punk-Gewand. Aber wir werden älter und die Bands mit uns und sie schreiben weiter die Soundtracks unser Leben.
Also steck dir Ziele und habe keine Angst sie zu verfehlen.

Der Gegenstand von 'Red Shirts' sollte dem erfahrenen Erdenbürger dann auch nicht fremd sein. Ja, Liebe ist ein großes Wort und wer hat sich nicht schonmal eingeredet, dass die Beziehung die er führt bestenfalls befriedigend bis ausreichend ist. Und das ist schließlich irgendwie gut. Gut, ganz zufrieden ist man nicht, ist jedoch verhalten optimistisch, dass alles irgendwann besser wird. Doch irgendwann dämmert es dem Partner oder einem selbst, dass nichts besser wird und man trennt sich. In Pacers Worten:

"We kiss in thunderstorms
persuade ourselves it’s perfect.
We’ll build for years and years,
to realise it’s all worthless.
Lie there with your head on my heart
and listen to the beats.
We’ll say that we’re in love?
We don’t know what that means"

Doch Pacer wären nicht Pacer und auch The Steal wären nicht so posi gewesen, wenn der Blick in die Zukunft nicht ein positiver wäre:

"You’ll run through thunderstorms
to find that one whose perfect.
You’ll Build it for years and years
and realise that it’s worth it.
Lie there with your head on my heart
and listen to the beats.
We’ll say that we’re in love
And we’ll know what that means.
And this love will go straight your heart.
Build you up and strengthen you,
you’ll never fall apart.

But Honestly I’m telling you it will get better."

Zum Schluss der Platte gibt's dann nochmal gut und gehaltvoll in Form des Liebesliedes "Explainer? I hardly know her!" auf's Mett. Der melodische Track geht gut nach vorne und direkt ins Herz.
Das Video zum Song zeigt den klassischen Enstehungsprozess eines Drucks, der später den Song inspirierte.


Fazit: Insgesamt super Album, dessen Drive auch wegen einigen weniger starken (aber durchweg soliden) Songs nicht abreißt. Genau dieser Drive, der Lust auf mehr Leben macht, ist es, von dem der Steal-Fan auch bei Pacer zehren kann. In den eher gesungenen Liedern gefällt die Stimme des Sängers mir nicht so gut, in den eher geschrienen Songs ist sie aber über jeden Zweifel erhaben.

Fazit Fazit: Ich liebe diese Platte!

Links:
Tumblr: http://wearepacer.tumblr.com/
Bandcamp: http://wearepacer.bandcamp.com/album/making-plans (alles Songs zum Anhören mit Lyrics)
Facebook: http://www.facebook.com/wearepacer
Van Bangarang 08/2012
Hörprobe:
Bitte hier klicken, um diese Einbettung von Bandcamp zu aktivieren.Mehr Infos, wie wir mit Einbettungen von externen Anbietern umgehen, hier.
Pacer
Musikstil: Punk
Herkunft: London
Homepage: www.facebook.com/wearepacer
Pacer - Making Plans

Stil: Punk
VÖ: 02.07.2012, MP3


Tracklist:
01. Be A Man
02. Flags
03. Little Avalons
04. When It's Over
05. Flutters
06. Roads
07. Making Plans
08. Sourpuss
09. Ice Eater
10. Red Shirts
11. Everything's Fucked
12. Explainer? I hardly know her.

Bitte hier klicken, um diese Seite bei Facebook zu liken oder zu teilen. Mehr Infos, wie wir mit Einbettungen von externen Anbietern umgehen, hier.

Kommentar eintragen:

Gerdistan
(Gerdistan)
11.08.2012 09:15
Dieses Album ist ein sehr gutes Album.

Kommentar eintragen - Anmerkung, Kritik, Ergänzung

Name:

e-Mail:

Kommentar:
Deine Eingaben werden bis auf Widerruf gespeichert und für Nutzer der Seite sichtbar.
Die Angabe der Email-Adresse ist freiwillig und sie bleibt nur sichtbar für eingeloggte Nutzer.
Weitere Infos in unserer Datenschutzerklärung.
part of bierschinken.net
Impressum | Datenschutz