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Sziget Festival 2009 Teil 1: Tankcsapda, Love Music Hate Racism Allstars, Ska-P, Calexico, Backyard Babies, Toten Hosen, Buena Vista Social Club,... vom 10.-13.08.2009 in Budapest (HU)

Sziget Festival 2009 Teil 1: 10.-13.08.09 in Budapest (HU)

Teil 1 (Tag -1 bis 2) - Teil 2 (Tag 3 bis 5)
Weiter geht der Festivalsommer! Nachdem mit dem zwei-Festivals-an-einem-Wochenende-Trip (Wacken und Force Attack) schon gut vorgelegt wurde, wird das nächste Experiment gewagt - nur wenige Tage später gehts nämlich zum Open Flair in Eschwege und von da aus quasi direkt weiter zum Sziget Festival nach Budapest - das bekanntlich 7 Tage dauert. Insgesamt also satte 11 Tage durchgehende Festivallaune. Vielleicht erscheint das ganze noch irgendwann als Erfahrungsroman oder auch Ratgeber unter dem Titel "Wie werde ich Alkoholiker". Vielleicht aber auch nicht.
Wie schon letztes Jahr ist das Sziget mal wieder Pflicht. Solch ein Festival gibt es einfach kein zweites, hier gelten gänzlich andere Maßstäbe! Nicht nur die Länge des Events überragt herkömmliche Festivals, auch die Anzahl der Bühnen, Bands und sonstiger Angebote sprengt so ziemlich jede Vorstellungskraft. Ehrensache, dass unsere Entscheidung schon früh feststeht: Das Sziget muss sein! Aufgrund der Länge des Festivals auch diesmal wieder die Aufteilung auf zwei Berichte - joah, hier Teil 1:
Wir treffen uns am Montag, 10.08., früh morgens frisch und munter (Schlaf? Was ist das?) am Dortmunder Flughafen. Helena, Maddin und Fö kommen frisch vom Open Flair, Chrissi hat frisch seine Schweinegrippe auskuriert, Gallant (wie auch immer das geschrieben wird) und Andi hat er auch noch mitgeschleppt. Wenige Stunden später: Budapest! Die Sonne brennt, kaltes Bier wartet!
Die Anreise zum Sziget eigentlich ganz unproblematisch. Flughafenbus, Metro, Metro, Vorortbahn. Zwischendurch noch Geld holen, anschließend Bändchen holen und das heilige Areal betreten. Noch keine Spur von den anderen, also schlagen wir unsere Zelte an diesem Fleckchen Erde auf.
Auf dem Sziget gelten nicht nur andere Maßstäbe, sondern auch eine andere Zeitrechnung. Offizieller Beginn ist erst übermorgen (Der so genannte Tag Eins), aber auch heute (nennt sich Tag Minus Eins) ist schon Programm. Die legendäre ungarische Rockband Tankcsapda wird 20 und hat ein paar Bands geladen - unter anderem Black-Out, die hier gerade auf der Bühne stehen.
Naja, kurz den rockigen Klängen gelauscht, viel wichtigere Mission ist aber erstmal: Gelände erkunden! Wie immer lauert hinter jeder Ecke ein neuer Stand und ein neues Angebot - aber natürlich auch jede Menge Promotion, irgendwie muss das Geld ja gescheffelt werden. Axe hat eine Open-Air-Dusche aufgestellt. Stinkende Festivalbesucher können sich von leicht bekleideten Mädchen waschen lassen. Genial!
Ansonsten ist für Tag -1 schon gut was los. Nicht zu voll, aber doch so einige Massen tummeln sich hier. Noch haben auch nicht alle Buden geöffnet, aber so nach und nach kommt überall Leben rein.
Auch in uns! Diese schnieke, selbstgezimmerte Bierbank lädt doch mal wirklich zum Verweilen ein! Zumindest auf 1-2 Bier. Das ist dieses Jahr übrigens nicht mehr schales Arany Ászok in 0.6er Bechern, sondern semi-schales Dreher in 0.5er Bechern. Zu einem Preis von 450 Forint, was derzeit etwa 1.70 Euro entspricht. Jo...läuft!
Weiter schlendern, Gelände erkunden! Das nächste Highlight wartet vor der Weltmusik-Bühne. Da spielt zwar noch keine Band, aber dafür der DJ der Bar gegenüber - und die ist rappelvoll. Wie man sieht. Zu Klängen von Manu Chao und Verwandtem wird auf den Tischen getanzt und eine riesige Party gefeiert. Ja, auch sowas erlebt man auf dem Sziget. Nachmittags.
Noch ein paar Bierchen mehr und es ist Abend. Tankcsapda spielen ihr Jubiläumskonzert und man merkt an den vielen Tagesbändchen vor der Bühne, dass fast ausschließlich Einheimische dem Konzert beiwohnen - irgendwie auch verständlich, außerhalb Ungarns ist die Band nicht sonderlich bekannt, zudem sind auch die Texte auf ungarisch.
Wir bleiben aber gerne für ein paar Songs, auch wenn weder Ansagen noch Texte verstanden werden - die universelle Sprache bleibt halt die Musik. Rock bis Hard-Rock mit Metal- und Punk-Anleihen, Dreimannband mit langen Mähnenhaaren und einem mehr als begeisterten Publikum
Überzeugt uns, ist aber aufgrund der fremden Sprache und der Massen vor der Bühne nicht das Wahre, um jetzt abgefeiert zu werden, also bleiben wir nicht allzu lange. Immerhin werden hinten auf der Leinwand die ganze Zeit Titten gezeigt. Wahrscheinlich zum Amüsement der ausländischen Festivalbesucher.
Wir schlendern weiter zu unserem Stamm-Bierstand vom letzten Jahr und treffen tatsächlich auf Gregor, der uns breit grinsend sein Bier entgegenstreckt. Auch Marlene und Lennart haben nach mehrstündiger Flughafen-Odyssee den Weg hierher gefunden. Wenige Momente später kommt Colin aus Trier des Weges, Marcel im Schlepptau. Geil, unsere Truppe wieder vereint!
Mit den Trierern wird auch schnell noch ausgemacht, dass wir am nächsten Morgen zu ihnen umziehen - unser aktueller Standort geht nämlich gar nicht. In unserer jugendlichen Naivität und obwohl die Bässe vom letzten Jahr noch im Gehör, haben wir ausgerechnet gegenüber vom Mokka Cuka gezeltet, wo jeden Abend die Afterhour stattfindet - und bis zum nächsten Abend andauert.
Dank viel Alkohol kriegen wir doch noch ein paar Stunden Schlaf, können aber am nächsten Morgen gar nicht früh genug aufstehen (naja, 10 Uhr), um die Zelte über die Wege zu schleppen. Richtung? Nur weg von den Bässen...
Nachdem wir die restlichen Trierer herzlich begrüßt und uns häuslich niedergelassen haben, ist auch schon der nächste Tagespunkt an der Reihe: Einkaufen! Nicht unweit der Obudai-Insel, auf der sich das Sziget (ungarisch für Insel, wer es noch nicht weiß) befindet, liegt der große Auchan-Markt - Essen, Getränke und Zeltutensilien in Hülle und Fülle!
Ganz einfach ist das mit den Getränken nicht - lediglich eine Wasserflasche darf man pro Person zu den Zelten mitnehmen, Alkohol muss vor Ort gekauft werden. Kennt man so von den hiesigen Festivals nicht, aber dafür gibt es auf dem Sziget keine Trennung von Zelt- und Bühnenbereich...naja, den Großteil des Wassers kriegen wir durch, erstmal unter den Pavillons bequem machen.
Irgendwann gehts dann auch mal zur Hauptbühne, etwas Musik lauschen. Heute ist Tag 0. Immer noch kein offizieller Festivaltag, steht das Programm heute unter dem Motto "Rock Against Racism". Den ganzen Tag über teilen sich verschiedene ungarische Bands die Bühne, bevor dann abends die "Love Music Hate Racism Allstars" aus UK die Massen rocken.
Erste Band, die wir sehen: Subscribe! Bisher, wie von so vielen ungarischen Bands, nie was von gehört und umso mehr überrascht. Äußerst hochwertig! Insgesamt eher metallastige Musik mit ein paar Folk-Ausflügen, englische Texte und teilweise auch Ansagen. Die Band gibt guten Druck vor und die wehenden Dreadlocks sind einfach ein Traum. Weiter so!
Weiter gehts mit dem Pannonia Allstars Ska Orchestra. Durfte ich schon zweimal in Budapest sehen, also keine Unbekannten...heute aber mit der Gastsängerin Harcsa Veronika, die den Coversong "Summertime" vorträgt, begleitet von der Band und deren Sänger KRSA.
Anschließend noch ein paar Stücke der Pannonia Allstars selbst, die ja schon ein beachtliches Repertoire vorweisen können. So richtig zünden will die Musik heute aber nicht, zudem klingelt mein Mobiltelefon, ich muss mal eben zum Eingang kommen. Verdammt, dieser Stress. Ich behalte aber im Hinterkopf, dass das Pannonia Allstars Ska Orchestra ja Sonntag Abend nochmal richtig spielt...
Also wieder übers Gelände laufen. Viele Elemente und Stationen kennt man noch aus dem letzten Jahr, aber viele sind auch neu hinzugekommen oder haben sich geändert. Am alten Standort die chillige Reifenbar, die abends zu einer weiteren Party-Area mutiert...
Erstmal zum Zelt! Die Trierer haben inzwischen schlauerweise eine Palette Soproni-Bier geholt, das es ebenfalls auf dem Gelände zu kaufen gibt. Mit 350 Forint pro Dose auch noch billiger als das gezapfte Bier, und meist auch noch kühl - so kann mans aushalten!
Abends verschlägt es uns erstmal zu unserem Stamm-Bierstand, wo wir eigentlich bald aufbrechen wollen zum Auftritt der Love Music Hate Racism Allstars - aber vom Anblick dieses menschlichen Mobilees aufgehalten werden. Ca 50 Leute hängen an einem Kran und müssen synchron bestimmte Bewegungen durchführen - beeindruckend!
Als wir irgendwann zur Bühne gehen, ist es schon fast zu spät...im Nachhinein mehr als schade. Von den Allstars war mir bisher nur bekannt, dass Jimmy Pursey von ehemals Sham 69 mitwirkt, ebenso wie einige britische Musiker, die mir alle nichts sagen. Irgendeiner von den Babyshambles und der Typ von GetCape.WearCape.Fly - aber auch ein paar Rapper, die ihren Job auch gut machen.
Glücklicherweise kommen wir noch rechtzeitig an für die Haupthymne des Abends: Jimmy Pursey himself singt den Sham69-Klassiker "If the kids are united". Na, da hab ich doch mal wieder was, um kleine Punk-Kiddies zu beeindrucken. Aber man muss sagen, der Mann versteht das Bühnenhandwerk. Auch wenn das Palituch in seiner Hand nicht p.c. ist.
Vor der Bühne ist es natürlich brechend voll - sehr schade, dass wir nur das Ende mitkriegen, scheint ne ordentliche Party gewesen zu sein. Auch wenns eigentlich nur der Auftritt einer Coverband war, aber ich will gar nicht wissen was für Klassiker zuvor schon gespielt wurden.
Allerletzter Song: "Killing in the name of" von den guten alten Rage Against The Machine. Kommt in dieser Version und mit diesem Pegel nochmal richtig gut. Verdammtes Highlight! Trotz meiner Abneigung gegen Coverbands - und gegen Allstarbands.
Danach? Bierstand! Vor uns türmen sich die Plastikbecher, nach und nach verlassen uns einige übermüdete Gestalten, um von anderen umso muntereren Gestalten abgelöst zu werden. Ich stelle mal wieder fest, wie international es hier doch zugeht, plötzlich sitze ich neben einem schwulen Franzosen und wir reden mit minderjährigen Holländern über Punkmusik.
So wurde es dann auch ein langer Abend...und längst wieder hell, als ich endlich ins Zelt kroch. Doch wenige Stunden später ist es schon wieder so heiß, dass man es dort eh nicht mehr aushält. Mit Julian, Felix und Teresa, die gestern Abend noch angekommen sind, geht es zu unserem Stamm-Lángos-Stand - das perfekte Festivalessen übrigens!
Nicht weit von dort: Die Blues-Bühne. Steht eigentlich nur auf meinem Plan weil irgendwann um irgendeine Zeit eine Frank-Zappa-Coverband spielen soll - das sind die hier nicht. Trotzdem immer wieder lustig, wenn man übers Gelände stolpert und plötzlich vor einer der unzähligen kleinen Bühnen steht...
Wenige Bühnen weiter: Der MTV Headbangers Ball, dieses Jahr zuständig für die härtere Musik. Wir schauen uns ein paar Stücke der italienischen Band "Ausländer" an - ja, äh, komischer Name, ich weiß. Die Musik ist auch relativ belangloser Alternative-Rock, mir persönlich zu geschliffen.
Aber ich gehe trotzdem nicht aus dem Zelt, ohne ein Foto von der hübschen Sängerin gemacht zu haben, ha! Interessante Kostümierung. Ich reihe mich trotzdem nicht in die Reihen der glotzenden Typen vor der Bühne ein, lieber gepflegt den Rückzug antreten.
Die anderen Dortmunder haben inzwischen einen neuen Zeltplatz gefunden - auch mit ziemlich guter Lage! Direkt am Ufer gelegen und durch den Steilhang etwas schlecht zu erreichen, insbesondere betrunken - aber dafür im Schatten und mit der Donau direkt zu Füßen. Ja doch, lässt sich aushalten.
Pünktlich 18 Uhr müssen wir uns aber wieder vor der Bühne einfinden - Ska-P spielen! Die kürzlich reunierten Spanier dürfen auf einem so weltoffenen und internationalen Festival natürlich nicht fehlen - weswegen die Ansagen auch direkt zum Großteil auf spanisch gehalten werden. Nett.
Ansonsten kann ich über den Auftritt nur berichten: "Wie immer". Klar war die Auflösung nur als Pause angekündigt, aber die Reunion brauche ich persönlich nicht unbedingt. Das Konzert vor ein paar Monaten in Oberhausen war noch ganz erheiternd, aber heute schon wieder dieselbe Show mit denselben Einlagen zu sehen wie seit eh und je - ach, naja.
Aber was solls, ich will nicht meckern. Ska-P machen live halt einfach Spaß und mit ein paar Bier intus sogar auch mir altem Pessimisten. Zumal sie mit ihren politischen Ansichten nicht hinter dem Berg halten und so einige Hasstiraden an die Ungerechtigkeiten dieser Welt aussenden. Insgesamt also ein doch okayer Auftritt - wäre da nicht der mehr als miserable Sound...
Inzwischen kennt man es ja vom Sziget - will man mal etwas sehen, dann spielen zig Bands gleichzeitig. Was irgendwie problematisch ist, um mal neue Bands kennenzulernen, schließlich vertraut man doch meistens eher die schon bekannten Bands. Trotzdem zieht es uns zum Headbangers Ball, wo die ungarische Gruppe "Alvin és a mókusok" spielt.
Die Band macht melodischen Punkrock, gemischt mit Metal. Gefällt mir! Ungarischer, mehrstimmiger Gesang gepaart mit harten Gitarrenriffs und einem Gespür für Melodien. Ich würde jetzt sagen, sollte man im Auge behalten, aber das kann man bei dem Bandnamen wahrscheinlich eh nicht.
Immerhin erleben wir noch eine Wall Of Death! Juhu! Und zwar, soweit wir das nachvollziehen konnten, nicht von der Band inszeniert sondern vom Publikum selbst, in Eigenverantwortung quasi. So solls sein! Auch wenn diese Dinger totaler Trend sind.
Anschließend nebenan ins nächste Zelt, die "A38-Wan2-Stage", wo Mala Vita aus den Niederlanden auf der Bühne stehen. Beim Namen muss man ja schon sehr an Mano Negra denken. Aber der Vergleich ist wohl etwas zu hoch angesiedelt. Trotzdem gibt es viele Weltmusik-Elemente zu entdecken.
Die nötige Power fehlt mir trotzdem. Ein Akkordeon macht noch keine gute Band. Und der Gesang ist etwas zu schmachtig. Egal, wenn man sich drauf einlässt, kann man mit dieser Band eine richtig gute Party feiern - was die Massen vor der Bühne auch beweisen. Ist heute wohl einfach nicht mein Ska-Tag.
Was fürn Tag sonst? Billiger Teenierock? Helena schleppt mich zurück zum Headbangers Ball, wo die Ibbenbürener Donots spielen. Ja, auch deutsche Bands hat es hierhin verschlagen. Halte ich aber nicht länger als ein Lied aus, und das lautet dann auch noch Saccharine Smile. Aber zum Positiven: Ingos Stimme klingt bei englischen Ansagen gar nicht so quietschig wie in Deutschland.
Nun aber zum Headliner des heutigen Abends! Der lautet auf der Hauptbühne Lily Allen (wer??) und auf der Weltmusik-Bühne Calexico - womit klar sein dürfte, wohin es uns verschlägt. Vor der World Music Stage ist auch schon gut was los - als wir ankommen, spielen Calexico bereits.
Und, was soll ich sagen? Großartige Band und ein toller Auftritt! Zu hören gibt es eigentlich Rock, aber der steckt so voller Mariachi-Trompeten und Country-Gitarren, dass man sich schon bald mitten in einem Western wähnt, der wenige Augenblicke später zu einem einsamen Roadmovie mutiert. Hauptsache ordentlich Präriesand.
Quasi eine Soundtrack-Band. Und trotzdem verdammt gut auf die Weltmusik-Bühne passend. Insgesamt eher ruhigere Musik, die aber überhaupt nicht einschläfernd wirkt - trotz des wenigen Schlafes der letzten Tage und der vielen geleerten Bierbecher, die meinen Weg säumen...
Ihr merkt schon, heute haben wir wirklich mal ein straffes Programm - naja, ist ja auch endlich Tag 1, offizieller erster Tag des Festivals, da ist man noch motiviert! Und wenn die Backyard Babies ins Headbangers-Zelt rufen, komme ich doch gerne vorbei!
Die Backyard Babies sind heute im Headbangers Ball die Headliner - was man klar daran merkt, dass das Zelt ziemlich gut gefüllt ist und die Band gut abgefeiert wird. Ihr wisst ja, Rock'n'Roll will never die. Den Auftritt würde ich mal als "gut" verbuchen
Klar, rein objektiv ein toller Auftritt, die Backyard Babies wie man sie kennt - rein subjektiv aber mit besonderer Betonung auf "kennt", variierte doch Set und Show nicht viel zu letztem Jahr, als ich die Band in Bochum sehen konnte. Und übrigens: Diese Mike-Ness-Pose geht ja wohl gar nicht.
Wie auch immer, keine ganz so große Konzentrierung auf das aktuelle, selbstbetitelte Album (kam mir zumindest so vor), und es gibt einfach ein paar Hits die auf keinem Backyard-Babies-Konzert fehlen dürfen, wie "Brand New Hate" oder "Minus Celsius"
Oder auch das von Dregen gesungene "Star War". Erwartungsgemäß sind das die Songs, die am meisten abgefeiert werden. Aber immerhin findet mit "UFO Romeo" und "Look at you" auch das 98er Album Total 13 Platz im Set.
Dafür absolut unpassend, langweilig und definitiv nur darauf angelegt, die weiblichen Teeniescharen in Extase zu versetzen: die Ballade "Saved By The Bell", zur Zugabe vorgetragen von Nicke ganz alleine. Schmachtschmacht und so. Nunja - insgesamt stimmungsmäßig ein super Auftritt, aber so richtig wollte der Funken bei mir nicht überspringen...
Erstaunlicherweise sind wir danach noch fit genug, um mit kurzer Stärkung am Bierstand auch die nächste Band zu sehen, obwohl es schon 1 Uhr ist - Junkies! Eine ungarische Band, die aber mit ihrem Sound dermaßen gen Skandinavien schielt, dass man das ohne die ungarischen Texte gar nicht merken würde. Großartiger treibender Sleaze-Glam-Rock'n'Roll
Und noch ne Überraschung: Am Bass erkenne ich Riki, Sänger der Ramones Mania, die ich vor einigen Jahren schon hier in Budapest sehen konnte. Auch hier scheint die Musikszene wohl eher klein zu sein...nunja. Junkies, definitiv eine Band die einen Besuch wert ist, für alle Freunde von Backyard Babies und co.
Ach, eine Band geben wir uns noch kurz, mal gucken was die Elektro-Acts in Ungarn so zu bieten haben. Im A38/Wan2-Zelt spielen ?agar, deren Musik ich mal als Indierock mit sphärischen Keyboardklängen bezeichnen würde - also weniger Elektro als das Programmheft angibt. Für diese Uhrzeit zu lahm, wir latschen zum Zelt zurück
Ein wenig Schlaf muss ja schließlich auch mal sein! Der nächste Morgen am "Tag 2" beginnt mit einem ausgedehnten Frühstück. Gaskocher sind auf dem Sziget eigentlich nicht erlaubt, werden aber anders als Grillen noch toleriert. Zeit also für ne warme Mahlzeit, etwas Stärkung für den Tag.
Nach den gestrigen Exzessen und der heutigen Ermattung fällt bei einigen die Entscheidung, heute mal einen alkoholfreien Tag einzulegen, langsam meldet sich dann auch mal der Körper. Andere widerum setzen auf den "Weintag", da das Bier auf Dauer einfach ungenießbar wird. Ich schließe mich der zweiten Truppe an.
Die haben aber schon gut vorgelegt, als wir unseren Weinstand erreichen. 0,5er Becher Wein für 600 Forint, also knapp über 2 Euro - da kann man nichts sagen! Zudem lernen wir einen Finnen kennen, der schlauerweise seinen MP3-Stick am Stand abgegeben hat - von nun an werden wir mit Airbourne und Volbeat beschallt. Geil!
Dafür laden wir ihn direkt mal ins Camp ein. Ehrensache! Ein gesprächiger Zeitgenosse, der, wenn ich mich richtig erinnere, jetzt bereits zum zwölften Mal auf dem Sziget ist und dessen Hobby es ist, die ungarischen Platzanweiser zu ersetzen, wenn diese bei der Arbeit einschlafen.
Irgendwann dann doch mal der Gang zur Hauptbühne, auch wenn die Motivation zu Wünschen übrig lässt. Vorbei an diesem Holz-Wackel-Schiff, das wir noch vom letzten Jahr kennen. Was für einen Spaß die Leute doch haben können auf einem schwankenden Schiff...
Nachdem letztes Jahr die Ärzte das Sziget beehren durften, sind dieses Jahr die Toten Hosen an der Reihe. Für die meisten Deutschsprachler auf der Insel (und das sind einige) wohl ein Pflichttermin. Auch für mich, mal schauen wie die Hosen im Ausland ankommen.
Naja, "Ausland" sagt sich so leicht - wie erwartet größtenteils Deutsche und Österreicher im Publikum. Auch das Set wie erwartet. Ähnlich wie auf der letztjährigen Tour wird mit "Strom" begonnen, auch das restliche Programm kennt man eigentlich. Hosen halt. Etwas belustigend, dass Campino bei den Ansagen ständig zwischen deutsch und englisch wechselt, auch mal mitten im Satz.
Aber ansonsten geht der Auftritt klar. Mit Opelgang nur ein älteres Stück, dafür ein paar mehr englische Lieder, neben dem eigenen Stück "Pushed Again" auch die Coversongs "Cokane in my brain", "Hang on Sloopy" und zur Zugabe "I fought the law" und natürlich "You'll never walk alone"
Highlight des Konzertes bleibt aber dieser junge Mann, der von Campino auf die Bühne geholt wird, weil er so gut wie jeden Text mitgesungen hat. Aus Budapest kommt er und spricht kein deutsch - und darf jetzt "Paradies" singen. Kriegt er aber ziemlich gut hin, auch wenn sein Gesang wegen der fremden Sprache mehr aus Lauten besteht. Großartig, Applaus!
Nunja, den Rest kennt man. Es gibt die üblichen Hosen-Fahnenschwenker, bei "Steh auf" setzen sich alle hin, nur auf Bengalos wird verzichtet. Die leuchten im Dunkeln ja auch mehr. Als ich dann gen Ende jedes Lied vorhersagen kann, das als nächstes gespielt wird, wirds mir dann doch etwas zu blöd.
Viel mehr Ziele haben wir für heute eigentlich nicht. Am Zelt wird noch kurz was gegessen und getrunken, danach schlendern wir gen World Music Stage, wo sich heute das Orquesta Buena Vista Social Club die Ehre gibt. Zwischendurch kommen wir noch am bisher nicht bekannten "Jüdischen Zelt" vorbei, wo eine Klezmerpop-Gruppierung ordentlich für Stimmung sorgt.
Wir bleiben aber nicht lange, müssen schließlich weiter zum "Orquesta". Das nennt sich wohl so, weil es mit der ursprünglichen Gruppierung aus dem gleichnamigen Film "Buena Vista Social Club" nur noch wenige Musiker gemein hat - die großen Köpfe der Band sind verstorben, dafür füllen junge Musiker die Lücken.
Aber eines haben auch die jüngeren Musiker mit den Film-Protagonisten gemeinsam - die Liebe zu Cuba und natürlich zur cubanischen Musik. Die älteren Herren der Band bleiben eher im Hintergrund. Posaunist Jesus "Aguaje" Ramos (ist er doch, oder?) führt durchs Programm, auf den Barhöckern sieht man Manuel Galbán und Barbarito Torres.
Außerdem hier rechts zu sehen: Guajiro Mirabal an der Trompete. Gesang größtenteils von diesem Herren in weiß und einer jungen Dame, die mir aber nichts sagen - und trotzdem singen können. Nach einem der bekanntesten Stücke der Cubaner, "Chan Chan", verlassen wir dann aber auch schon die Weltmusikbühne...
...schließlich spielt parallel dazu Fatboy Slim, und da sollte man doch zumindest mal einen Blick drauf werfen. Ziemlich schade, dass die Hauptacts auf dem Sziget parallel spielen - will man mal jemanden sehen, steht man vor der Qual der Wahl. Im Endeffekt weiß ich auch nicht, ob es die richtige Entscheidung war, zu Fatboy Slim zu wechseln.
Denn im Grunde steht da nur ein Typ an seinem Schaltpult und lässt sich von hunderttausend Leuten vor der Bühne feiern. Hm. Naja, aber was er auflegt, kann sich hören lassen. Neben eigenen Stücken wie "Praise U" werden auch die White Stripes oder die Rolling Stones durch die Beatmaschine gejagt - käme im Club super an, aber als Festivalheadliner wären mir ein paar echte Gitarren lieber
Anschließend kämpfen wir uns durch die Menschenmassen, um im Headbangers Ball noch ein wenig Satyricon zu gucken - hier gibt es Gitarren! Und lange Haare zum Headbangen. Insbesondere die Keyboarderin scheint über eine Nackenmuskulatur zu verfügen, von der andere nur träumen können.
Ansonsten - naja. Hab mir von Satyricon mehr versprochen. Böser Black Metal, bisweilen aber auch recht langsam. Der Sänger klingt als habe er Lungenkrebs. Habe leider kein rosa Plüschtier dabei, um ihn damit zu bewerfen.
Anschließend das Übliche - am Zelt wird noch gesoffen, bis auch der Letzte weder stehen noch sitzen kann. Na, dann mal gucken wie es uns die nächsten Tage geht...

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(Budapest (HU), 14.-16.08.)
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