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Against Me!, Crazy Arm, Three Chord Society, 06.11.2011 in Düsseldorf, Zakk - Bericht von Fö

Against Me!, 06.11.2011 in Düsseldorf

Against Me! kommen mal wieder auf Tour! Die sind mir zwar eigentlich ne Nummer zu groß, andererseits gibt's aber nur wenige Bands, deren Musik mich so intensiv zu begeistern vermag wie die der Mannen aus Gainesville. Zu groß, das macht sich heute im Eintrittspreis bemerkbar: 18,50 schlug der Vorverkauf zu Buche. Da will ich jetzt nicht groß drüber meckern, ist zwar ganze 2 Euro teurer als vor anderthalb Jahren, aber die Inflation, ihr wisst ja. Ausschlaggebend für meine Entscheidung, Schlossi zu diesem Konzert zu begleiten, war aber eigentlich eher die Vorband: Crazy Arm ist einfach eine unglaublich gute Band, das erste Album läuft nach wie vor regelmäßig durch meine Kopfhörer und das zweite ist gerade auf dem Wege dahin. Bisher war's mir ja nie vergönnt, diese Band mal live zu sehen, und jetzt auch noch gemeinsam mit Against Me! - muss man ja quasi hin.
Vor Ort stellen wir fest, dass noch eine weitere Band ins Line-Up gerutscht ist: THREE CHORD SOCIETY nennt sich der Opener. Kannte ich bisher nicht. Bin mir nicht mal sicher, ob ich den Namen nicht schon mal irgendwo gehört habe, der ist nämlich so wunderbar beliebig. Die Wörter Three, Chord und Society mussten schon Pate für die diversesten Bandnamenkonstellationen stehen, hier treffen sie also mal aufeinander. Der Bandname ist dann eigentlich auch der einzige große Kritikpunkt.
Ansonsten kann die Band aus Bad Segeberg überzeugen! Druckvolle Songs, sauber gespielt, viel Melodie. Und mit Herzblut dabei - merkt man wohl daran, wie sehr sie sich auf die folgenden Bands freuen. Und dass der Gitarrist noch vor 2 Tagen im Krankenhaus lag, spricht wohl auch für die Einsatzfreude der Band.
Gespielt wird grob gesagt so Melodypunk, paar Ausschweifungen in härtere Gefilde ebenso inbegriffen wie in weichere. Erinnern in den guten Momenten an Lawrence Arms, in den mittleren an Taking Back Sunday und in den schlechten an die Donots. Etwas weniger Pop-Appeal und ich würde das wirklich gut finden.
So ist das aber immerhin ein willkommener Aufheizer und eine Band, die man im Auge behalten sollte. Die Songs kenne ich zwar alle nicht, laden aber direkt zum Mitwippen ein. Die Tage hat die Band wohl ihr zweites Album "Sanguinity" veröffentlicht. Ich lege es mir trotzdem nicht zu. Hab dann doch irgendwie Angst, dass das zu pop-fixiert ist. Am Anfang des Sets waren immerhin 1-2 Lieder, in denen auch geschrien wurde. (Qualitätsmerkmal: Geschrei)
Ansonsten kommense ganz sympathisch und nordisch-erdig rüber. Der Sänger trägt ein Nothington-Shirt, verheddert des Öfteren sein Mikrofonkabel und spricht sich in der einzigen längeren Ansage gegen die Entwertung von Musik aus. Apropos Shirts: Im Publikum sichten wir 4 Nothington-Shirts, 5 Turbostaat-Shirts und 3 Pascow-Shirts. Zufall? Da konnten selbst die Hot-Water-Music-Shirts nicht mithalten.
Egal, über das Publikum lasse ich mich bestimmt noch später aus. Three Chord Society legen einen überzeugenden Auftritt hin (wenn nur das mit dem Pop nicht wäre), im Publikum finden sich sogar 2 Leute die alle Texte mitsingen können, und wenn die Jungs mal wieder in der Gegend sind, wäre ich durchaus nicht abgeneigt, ihnen mal wieder nen Besuch abzustatten. Jawoll.
Dann schließlich der heimliche Hauptgrund meiner Anwesenheit: CRAZY ARM! Kurz vorher stolpert mir Phoney14-Markus über die Füße, der kennt Teile der Band noch von früher vom gemeinsamen Touren, als sie noch bei der Skapunk-Band No Comply spielten. Ah, wieder was gelernt. Kommt daher die Affinität der Band zu folkigen bis souligen Zwischenparts?
Oh, da wär noch was, über das ich mich gerne auslassen würde: Wer, zum Teufel, macht denn hier das Licht? Womöglich der Teufel persönlich, und der hat seinen Finger irgendwie auf dem Rot-Knopf festgeklebt. Die Bühne ist konsequent in rotes Licht getaucht, wie schon eben bei der ersten Band. Soll das irgendne tiefere Bedeutung haben? Ich kapier's nicht.
Zum Auftritt: Bin ja echt froh, Crazy Arm mal live zu sehen und das Konzert ist auch wie erwartet gut - ausgefeilte und treibende Instrumentierung treffen auf tief souligen bis punkigen Gesang. Aber so richtig will der Funke nicht überspringen, was vermutlich an der für diese Band etwas zu überdimensionierten Bühne liegt. Und offen gestanden hätte ich den Bekanntheitsgrad der Band höher eingeschätzt.
So lässt sich das Publikum zwar zu zaghaften Theater-Appläusen hinreißen, aber so wirklich berühren scheint die meisten die Musik nicht wirklich. Okay, ich muss zugeben, ich musste mich auch eine Weile mit der Band beschäftigen, bis ich ihre Genialität erkannte. Die Lieder sind, wie man so schön sagt, Grower, und die funktionieren nunmal nicht mal-so-eben-vor-die-Meute-geschmissen.
Highlight des Auftritts: Ein gerissener Gitarrengurt! Der Keyboarder muss schnell über die Bühne wuseln, um für Ersatz zu sorgen. Dass derweil die gesamte Band am Lachen über diesen Vorfall ist, spricht mal wieder für sie. Souverän aber der Gitarrist, spielt nämlich lässig weiter als wäre nichts.
Crazy Arm haben ihr neues Album "Union City Breath" im Gepäck. Gutes Teil, aber auf die Stücke von "Born To Ruin" freue ich mich selbstverständlich um Einiges mehr. "Blind Summit" (für Leute die gerne "dancen"), "Still to keep" und natürlich das abschließende "Broken by the wheel" - scheiße, Hits, echt jetzt!
Der Keyboarder kann nicht nur wunderbar Gitarrengurte wechseln, sondern nebenbei auch noch fideln, was den Songs zusätzlichen Folk-Charakter gibt. So auch beim meiner Meinung nach schönsten Stück der neuen Platte, "Song of choice". Ein Coverstück und Anti-Nazi-Song von 1976, wie der Sänger uns erklärt. Wieder was gelernt.
Kurz nen Moment genutzt, als zwischen den Songs die Gitarren gestimmt werden. Da lässt der Teufels-Beleuchter nämlich mal die Taste vom Rot-Knopf. Nichts gegen Rot, aber man kanns echt übertreiben. Rotes Licht ist nämlich verflucht. Nennt mich abergläubisch.
Schönes Konzert einer sympathischen Band. Quintessenz für mich: UNBEDINGT nochmal in nem kleineren Club sehen, das hier war mehr son Anfixer. Ich hab mich zwar irgendwie viel zu wenig darüber geäußert, was genau die Faszination dieser Band ausmacht - aber hört mal rein, ihr werdets nicht bereuen. Jawoll.
Bei der nächsten Band habe ich meine Erwartungen ja eigentlich etwas heruntergeschraubt. Wird eh niemals wieder so sein wie damals (alte-Leute-Sprech, I know). AGAINST ME! schaffen es aber tatsächlich, mich mal wieder mit offenem Mund da stehen zu lassen. (Der offene Mund ist übrigens beim Druckausgleich hilfreich, wie der Vielflieger weiß)
Hatte ja Angst, dass sie weiterhin zu sehr am aktuellen Album "White Crosses" festhalten - aber nö, Pustekuchen, wie schon der Opener "I still love you Julie" (von der "Reinventing Axl Rose") beweist. Ordentlich altes und mittleres Material, relativ wenig "neue" Stücke, oder, ums mit ner Floskel zu sagen: Zurück zu alter Stärke.
Und das Beste: Das komplette Set wird einfach mal so gnadenlos ohne Pausen durchgespielt. Keine Ansagen, gar nix. Und andere Bands freuen sich schon, wenn sie mal "two songs in a row" hinkriegen...Respekt, ey. Die Rechnung geht auf. Was ein geiles Konzert! Ich bin immer noch ziemlich geflasht.
Hier der neue Drummer Jay Weinberg. Scheiße, was ein Tier! Ihm sieht man die Freude an jedem einzelnen Schlag an. Springt auch mal mitten im Spiel hoch, brüllt mit, grinst unbändig - herrlich. Und, Kunststück: Da zwischen den Liedern keine Pausen gegönnt werden, muss die defekte Snare mal eben on-the-fly gewechselt werden. Gitarrengurt wechseln ist da echt mal gar nix gegen!
Gespielte Songs: Eine Wonne. Cliché Guevara, White People For Peace, Don't Lose Touch, New Wave, Pints Of Guiness Make You Strong, You Look Like I Need A Drink, Turn Those Clapping Hands Into Angry Balled Fists, Thrash Unreal, Sink.Florida.Sink - soweit meine Favoriten. Und dazwischen trotzdem keine Ausfälle!
Buh! Auch dabei der neue Song "Russian Spies" von der aktuellen 7-Inch. Kommt gut, aber noch nicht wirklich an die alten Kracher ran, wird aber bereits von beachtlich vielen Besuchern mitgeschmettert.
Achja, Zuschauer. Die sind ein wenig komisch. Klar, einige Über-Euphorische dabei, die knallhart alles mit geballten Fäusten mitsingen. Irritiert bin ich eher über die, die sich gar nicht bewegen und einfach nur starr gen Bühne blicken, als würde Tom Gabel ihnen gerade ein Kartenspiel zeigen. Ausverkauft ist der Laden übrigens auch nicht, gibt einige Lücken im Getümmel...
Er hier stürmt sogar die Bühne und singt ein paar Zeilen mit, bevor er vom schnauzbärtigen Backliner der Bühne verwiesen wird. Allgemein recht wenig Stagediver hier (find ich gut), und das obwohl es keinen Sicherheitsgraben gibt (find ich noch besser). Schlossi amüsiert sich darüber, dass sich die Stagediver immer ausgerechnet die langsamsten Lieder aussuchen. Höhö.
Tom Gabel, so kennt man ihn. Die Hand (oder sagen wir Faust) ums Mikrofon geballt, die Gitarre links liegen gelassen, die Halsadern dicker als der Hals und eine Stimme kurz vorm Orkan. Das ist jetzt zwar nicht unbedingt ein Grund, die ganze Zeit still da zu stehen und ihn anzuhimmeln, aber die Intentionen mancher Konzertbesucher sind mir ja eh ein Rätsel.
Bassist Andrew Seward. Großartiger Typ. Nutzt jede freie Sekunde im Spiel, um seinen Körper oder wahlweise seinen Bass durch die Lüfte zu schleudern, die Faust zu recken, die Mähne zu schütteln und so weiter. Da sage noch mal einer, dass Bassisten doch immer so ruhige Persönchen sind...
Das Konzept mit dem Keine-Ansagen-Keine-Pausen, da muss ich nochmal drauf zurückkommen. Das erfreut mich nämlich von Song zu Song, oder sagen wir von nichtvorhandener Pause zu nichtvorhandener Pause, mehr und mehr. Gnadenlos runter gebrettert, ohne Rücksicht auf garnix, und das alles ohne an Power zu verlieren. Geil!
Achnee, doch eine Pause. Zugabe und so. Es geht halt einfach nicht ohne, sonst weiß das Publikum nämlich nicht dass bald Schluss ist. Anschließend kurz ein "Thank you, Düsseldorf" und weiter geht das beschriebene gnadenlose Gebretter. Piss and Vinegar, Bamboo Bones und das fantastische We Laugh At The Danger And Break All The Rules bilden den Abschluss eines absolut stimmigen Konzertes.
Das mit dem absolut stimmig bezog sich auf Band und Auftritt. Publikum find ich immer noch komisch. Auch wenn man auf den Fotos nur feiernde Menschen sieht. Aber die anderen zu fotografieren, war mir einfach zu blöd.
Geht dann in meine persönliche Hitliste als zweitbestes Against-Me!-Konzert aller Zeiten ein. Okay, soo oft hab ich sie ja nun noch nicht gesehen, aber das erste Mal, damals im AZ Mülheim, wird eh nie was toppen können. So. Schluss, Ende, Lichter gehen an und wir zum Bahnhof. Apropos Lichter: Ja, Against Me! hatten den variableren Lichtmenschen. Danke!

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Location:
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40233 Düsseldorf
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