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Messer, Out On A Limb, 08.06.2012 in Münster, Gleis 22 - Bericht von Fö

Messer, 08.06.2012 in Münster

Dieses Wochenende wollte ich ja eigentlich zum Punx Picnic nach Neubrandenburg, sah aber keine Möglichkeit, dahin zu kommen, außer mich bei Napoleon Dynamite im Tourbus einzuzecken, von denen es aber dann plötzlich hieß, sie hätten keinen Platz mehr. Daraufhin habe ich sie mit einem Fluch belegt, der Drummer fiel ins Koma und sie mussten den Auftritt absagen. Tja, scheiße ey. Das wollte ich ja nun auch nicht. Egal. Alternativen heute sind dezent doof. Gibt hier und da was, aber nix was man nicht schon Tausendmal gesehen hat, also entscheiden wir uns für die Band "Messer" in deren Heimatstadt Münster. Kann man machen. Niklas fährt. Auch er stößt fortwährend Flüche aus, vor Allem gegen Fahrradfahrer, aber auch gegen ältere Frauen, die ausparken wollen (oder es zumindest versuchen). Am Gleis 22 angekommen, erstmal Bierchen zischen und pünktlich um 20:59 den Laden betreten, um einen Euro weniger Eintritt zu zahlen. 7 Euro nämlich. 8 wäre auch echt zu viel gewesen.
Den Auftakt machen: OUT ON A LIMB. Die Musik ist zunächst mal etwas, hm, schwer zugänglich, entfaltet sich aber nach einigen Liedern ganz gut in den Sinneszentren - wenn man sich denn drauf einlässt. Düsterer Postpunk, oder sagt man schon New Wave? Vielleicht auch Ambient Noise Hardcore (ich fühle mich an die kürzlich gesehenen B.Abuse erinnert)
Englische Texte, erdrückendes Gitarrengeflicker, und das Schlagzeug-Bass-Fundament ist ungeheuer kräftig und auf dem Punkt. Und trotzdem ist das alles maximal als Midtempo zu bezeichnen, und der Sound wabert fast schon depri-mäßig durch den Raum. Ich glaub, die Protagonisten haben in ihrer Jugend viel im Keller gesessen und Joy Division und The Cure gehört.
Ziemlich stimmiger Sound. Bis auf die Background-Vocals von ihm hier - entweder er hat Kreide gefressen oder der Mischer is aufm Regler ausgerutscht. Naja, wat solls. Gitarrenarbeit geht dafür voll klar.
Was mich ein wenig stört: Stageacting (irrer Fachausdruck!) ist etwas dürftig, die Band steht nur so da, die Ansagen, wenn überhaupt vorhanden, klingen mehr wie "muss man ja machen". Umso überraschter bin ich, als der Sänger irgendwann den Gang ins Publikum wagt. Kommt jetzt ne Hardcore-Show? Geil! Hm, nee, er bleibt ruhig. Hatte vermutlich nur keinen Bock auf die Bühne.
Bei so ner getragenen, beinahe fesselnden Musik ist es ja quasi unvermeidbar, dass beim letzten Song zum finalen Höhepunkt ausgeholt wird, sich die Gitarrenwände nach oben schrauben, dazu Stakkato-Schlagzeug-Beats nach vorne preschen und der Sänger sein Gesangsorgan gänzlich auskotzt. Blabla. Kommt alles. Soweit also doch ziemlich vorhersehbar, die Band. Hat gefallen, der Auftritt.
Danach: MESSER. Das neue Hype-Ding. Ohne das jetzt irgendwie wertend zu meinen, es gibt ja immer mal Sachen, die es verdient haben, gehypt zu werden, und natürlich gibt es riesige Unterschiede, ob etwas von einer Boulevard-Zeitung oder von irgendwelchen Indie-Nerds gehypt wird. Messer sind, glaube ich, zweiteres. Wobei es in der Bild bestimmt auch schonmal das "Volksmesser" oder sowas gab.
Messer bringen ja die Tage nach Demo und Single nun auch ihr Album "Im Schwindel" an den Start (Rezension irgendwo hier). Zu hören gibt es Postpunk/New Wave, aber ne etwas andere Richtung als Out On A Limb, eher mit leichtem NDW-Touch, und deswegen hört man auch Fehlfarben und Blumfeld raus, genauso wie die Einflüsse vom Schiffen-Label.
Die Band kommt betont arrogant rüber, aber da sie sich zwischendurch mal anlächeln, glaube ich, dass das bestimmt nur Show ist. Der Sänger sieht aus wie ne Mischung aus Jochen Distelmeyer, Robert Stadlober und Nick Cave und macht einen leicht exzentrischen Eindruck. Rastet auf der Bühne nicht aus, wandelt aber trotzdem stetig zwischen Intro- und Extrovertiertheit.
Musik: Etwas sperrig, beinahe experimentell, aber ich finds beeindruckend was die da so alles an Effekten aus ihren Instrumenten rausholen. Da ist die Drumstick-Slidegitarre noch das Harmloseste. Der Sound klingt dadurch auch deutlich dichter als auf den eher sterilen Studio-Aufnahmen vom Album.
Gesang: Live auch schöner. Rotziger, rauer und, äh, nerviger - und nicht so monoton wie auf Platte. Geschrien wird auch mal, geflüstert aber auch, oder sagen wir gehaucht. Ja doch, nett - aber irgendwie hatte ich trotzdem mehr erwartet. Ist alles echt okay was die machen, mir aber zu sperrig. Oder ich bin einfach abgestumpft.
Setlist. Gibt auch einige neue Stücke zu hören, sowas wie "Neonlicht" oder "Platzpatronen", kommt ganz gut. Achja, und, ihr kennt das, ne Zugabe wird auch noch geboten - mit meinem persönlichen Lieblingsstück der Platte, "Fieberträume" (ja, das mit dieser Textzeile da). Und noch ein Stück, das sie noch nie live gespielt haben. Uiuiui.
Ja, wat soll ich sagen? Zündet nicht. Bei mir zumindest. Das restliche Publikum macht auf mich eher den typischen Münsteraner-Indie-Publikum-Eindruck. Kaum Bewegung, stehen aber trotzdem alle ziemlich dicht. Nur ganz vorne bewegen sie eifrig ihre Oberkörper vor und zurück, und ich bin hellauf erstaunt über nen plötzlichen halben Stagedive-Versuch. Sind wir denn hier beim Vainstream, Leute? (ach übrigens, was hat der Typ da unten links am Ellbogen? Sieht böse aus!)
Zusammengefasst: Out On A Limb besser als erwartet, Messer schlechter als erwartet, der Abend insgesamt eher unspektakulär, aber dafür war das Konzert dann doch ganz nett. Eher was für die Strichliste. Messer gesehen, abgehakt.
Verdammt, fast vergessen zu erwähnen, dass Messer nen scharfen Bassisten haben (is wichtig sowas, gibt Klicks, hab ich gelernt. Klicks sind wichtig, hab ich gelernt. Klicks sind das neue berühmt.)

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Kabl

10.06.2012 13:37
Der Bassist ist echt heiß!
Gerdeshausen

11.06.2012 07:29
Das da am Ellenbogen sieht mir nach Schleimbeutelentzündung aus. Igitt!

Der Beschreibung von Musik und Publikum nach zu beurteilen hab ich nichts verpasst, alles richtig gemacht.

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