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MEBP Fest: ADHD Syndrom, Auschwitz Rats, Lunatics, The Balangers, Dealer, 10.08.2012 in Maniowy (PL), Czorsztyn-See - Bericht von Fö

MEBP Fest Tag 1, 10.08.2012 in Maniowy (Polen)

August Urlaubsmonat. In den letzten Jahren hat sich die Kombination Festival+Wanderurlaub bereits wunderbar bewährt, und auch dieses Jahr kriegen wir ne schlagfertige Truppe zusammen. Diesmal geht es zum Wandern in die Slowakei, vorher aber noch auf ein schönes kleines DIY-Festival im Süden Polens: Das MEBP-Fest! Aber erst mal dahin kommen...
Reisetruppe Berlin ist diesmal Bönx, der bereits Mittwoch nach Kattowitz fährt, sich mit nem betrunkenen polnischen Mitfahrer rumärgern muss und Reisetruppe Ruhrpott Donnerstag früh vom Flughafen abholt: Helena, Kiki, Hö und Fö landen in der Mittagssonne, Mercedes Bönx kutschiert uns nach Krakau. Wir verlieren ein paar Stunden und der Mercedes gewinnt neue Bremsklötze, aber dann geht's in die City.
Also, kurz mal merken: Wenn ihr euren Mercedes auch mal reparieren lassen wollt, kommt nach Krakau! Preiswerte und fixe Arbeit (ob auch zukunftssicher, wird sich zeigen). Also, Krakau City. Nett hier. Wo ist der Biergarten?
In Krakau war ich ja vor mittlerweile 5 Jahren schonmal, und da die anderen eh mehr Durst auf Bier statt auf Sightseeing haben, einigen wir uns auf Sehenswürdigkeiten-Schnelldurchlauf süß-sauer. Neben den Tuchhallen gucken wir uns das Wawel-Schloss an und stoßen auf den feuerspuckenden Drachen. Touri-Programm abgehakt.
Zwischendurch immer wieder Verlockungen. Und dann dieses Biergarten-Wetter! Argh! Achja, Inflation macht auch vor dem Zloty nicht halt: Vor 5 Jahren noch 4-5 Zloty (etwas über nem Euro) für ein Bier in der Innenstadt, mittlerweile zahlt man eher so 7-8. Wer is schuld? Die Touristen!
Also Kneipentour. Wir landen in einigen zwielichtigen Spelunken, können bald "Cześć", "pięć piwo" und "dziękuję" ohne zu Stocken aufsagen und verlieren diese Fähigkeit mindestens ebenso schnell. Bönx schießt sich ziemlich ab und erschreckt harmlose Passanten. Drink des Abends: Das hier. Oben Schwarzbier, darunter Bananensaft und ganz unten nicht etwa Pfeffi, sondern Bananenlikör. Büärgs.
Der nächste Tag beginnt eher ernüchternd. Wir machen einen Ausflug nach Auschwitz-Birkenau und züchten uns dicke Klöße im Hals. Hart, wenn man sich vor Augen führt, dass diese Greueltaten ja gerade mal wenige Jahrzehnte her sind - und es trotzdem immer noch Leute gibt, die rassistische und faschistoide Denkweisen auch nur ansatzweise für richtig halten.
Weitere KZ-Fotos erspare ich euch, darum soll's hier ja schließlich nicht gehen. Aber etwas Geschichte kann einen schon ganz gut auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Die anschließende Fahrt in den Süden des Landes wird erst wieder aufgelockert, als wir das Kontrastprogramm zu den trendy Touri-Fastfood-Fressmeilen Krakaus entdecken: Rauchwürste vom Holzgrill vor nem Wohnmobil-Etablissement am Straßenrand. Landstraßenromantik abseits ausgetretener Touristenpfade.
Und wo wir gerade so knapp noch die Brücke zur Romantik geschlagen haben: Die Nerven beruhigen kann man wunderbar am Czorsztyn-Stausee bei der Ortschaft Maniowy. Idyllisch gelegen, atmosphärische Ruhe - wären da nicht die betrunkenen Horden von Punks mit ihren Nietenjacken, Irokesen und zerschnittenen Hosen...ja richtig, wir sind angekommen am MEBP Fest!
Okay, so große Horden sinds dann doch nicht. Eher alles gemütlich klein und herrlich DIY, alles selbst gezimmert (inklusive dem Kater am nächsten Morgen), kein Zigarettenstand oder sonstige Sponsorschaften, einfach ein paar Punks die ihre eigene kleine Strandparty feiern wollen. 50 Zloty (also ca 12 Euro) für zwei Tage, zelten gratis - großartig! Wir sind uns jetzt schon sicher, dass DAS die Punkrockparty des Jahres wird!
Gezeltet wird auf dem Gelände einer Wassersportausrichtungsgedöns-Station. Heißt hier liegen auch jede Menge Kanus und Tretboote rum. Es gibt ne riesige Wasserrutsche (an deren Ende ein verdreckter 3-Quadratmeter-Pool wartet), und überall drum herum haben die Punks ihre Zelte aufgeschlagen.
Zelt aufbauen und erstmal wat futtern. Im nächstgelegenen Supermarkt gab es zwar keinen Grill, aber immerhin nen Grillrost. Reicht. Bier schmeckt auch.
Der Tag geht. Wie war dat noch mit der Romantik am See?
Achja, Livemusik gabs ja auch noch! Dem Zeitplan ist nicht zu trauen, der Reihenfolge der Bands immerhin in Ansätzen. Als wir das Gelände wieder betreten, spielen gerade, mit lediglich einer Stunde Verspätung, DEALER. Musikstil: Tja, wie sagt man? Crossover, oder Rapcore, oder sowas. Also Hardcore, der mit zwei Rappern dargeboten wird. Drischt ganz gut nach vorne.
Aus Krakau kommt die Band, die Texte sind (wie fast alles an diesem Wochenende) auf polnisch, was dazu führt, dass wir außer "Kurwa" kein Wort verstehen. Die Meute vor der Bühne feiert ganz ordentlich, obwohl das Geräppe und das Beatdown-Gebolze vermutlich nicht unbedingt jeden Punk ansprechen.
Als nächste Band waren eigentlich die Auschwitz Rats geplant, aber als wir die Bläsersektion auf der Bühne und die fehlenden Nietenjacken bemerken, stellen wir auch ohne Polnisch-Kenntnisse fest: Das sindse nicht. Stattdessen THE BALANGERS. Ska und Rocksteady.
Eine Skaband wie aus dem Lehrbuch. Skankende Anzugträger, Offbeat und viel Getröte, fröhliche Lieder (hier und da auch mal mit englischen Texten). Musik halt, wie sie ungefähr jede zweite Skaband macht. Aber das will ich hier mal nicht negativ anmerken, macht nämlich gut Spaß
Oder vielleicht liegts auch am Bier. Piwo kostet hier 5 Zloty, Schnaps ist irgendwann ausverkauft, Fremdgetränke sind erlaubt. Achja, scheint ne polnische Spezialität zu sein: Das Bier mit nem Schuss Sirup verfeinern. Wird von Teilen der Urlaustruppe anfangs für Schnaps gehalten und fleißig geordert.
Die Band mischt öfter mal "bekanntere" Melodien in ihre Lieder, unter Anderem kriegen wir die Melodie der "Looney Tunes" zu hören und an klassischem Liedgut gibt es den Coversong "Rudy, A Message to You" - da können dann sogar wir mal mitsingen! Juhu!
Anschließend: Die einzige Band des Wochenendes, von der wir im Vorfeld zumindest mal gehört hatten (Demo-Besprechung im Ox und Plastic Bomb): Die AUSCHWITZ RATS! So würde sich in Deutschland wohl keine Band trauen zu nennen, aber generell spricht ja nichts dagegen, die Heimatstadt im Bandnamen zu tragen. Crustiger Streetpunk, ordentlich Stoff für die Pogomeute, ganz stilecht mit jeder Menge Nieten und Iros bewaffnet.
Also so die Ecke Casualties, Total Chaos und wie sie alle heißen. Schöne Haudrauf-Mucke, ordentlich Geschwindigkeit, krächziger Gesang, viele potentielle Mitgröl-Shouts. Genau das Richtige für ein schnuckeliges Punk-Festival wie dieses. Großer Spaß! Von den Texten verstehen wir mal wieder nichts, aber die englischen Übersetzungen auf der Homepage sprechen Bände - nen Stream vom Demo gibts da übrigens auch.
Zu eurer Unterhaltung zwischendurch eine kleine Bildergeschichte in zwei Teilen. Quasi eine Geschichte-in-der-Geschichte. Teil 1: Hier seht ihr Bönx, mittlerweile so abgeschossen, dass er kaum noch gerade stehen kann. Hinter ihm seht ihr die Boxen, ordentlich aufgestapelt neben der Bühne und ihren Job verrichtend - der da wäre, das Publikum mit amtlichem Punksound zu beschallen.
Teil 2: Links am Rand sieht man immer noch Bönx, der das mit dem Stehen mittlerweile aufgegeben hat. Aber was ist mit den Boxen passiert? Ich sehe es schon in der Zeitung: "Deutsche Touristen zerstören polnisches Punk-Festival..."
Nunja. Fleißige Helfer richten die Boxentürme wieder auf und achten fortan darauf, dass Bönx nicht in der unmittelbaren Nähe versucht, das mit dem Stehen nochmal zu probieren. Es geht doch nichts über ein ausgefeiltes Sicherheitskonzept! Am nächsten Tag werden die Boxen sogar noch zusätzlich durch nen Gurt vor dem Hinfallen bewahrt.
Ja, zurück zum Konzert. Vom Zwischenfall hat eh kaum jemand was gemerkt, die Sause vor der Bühne geht weiter, die Auschwitz Rats rotzen weiterhin fleißig gegen die Welt und vor der Bühne tanzt man sich die Ellbogen aus dem Leib. Ist übrigens gar nicht so einfach, der Boden hier ist so uneben, dass sogar Leute mit geringerem Alkoholpegel als Bönx des Öfteren den sicheren Stand verlieren.
Trotz Allem: Respekt für die Standfestigkeit unserer betrunkenen Protagonisten. Das Bier fließt weiterhin in Strömen (teilweise auch nur weil sie die Becher nicht mehr ruhig halten können) und Musik verkommt irgendwie etwas zur Nebensache. Okay, alle paar Minuten beschließt jemand, nach vorne zum Tanzen zu gehen.
Zum Beispiel zu THE LUNATICS! Nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Band aus Köln, der gleichnamigen Band aus Berlin, der gleichnamigen Band aus Finnland, der gleichnamigen Theatertruppe aus den Niederlanden, der gleichnamigen Theatertruppe aus Belgien, der gleichnamigen Coverband aus den Staaten und vermutlich noch tausend weiteren Gruppierungen.
Musik ist grob gesagt Punkrock. Mit polnischen Texten. Schön nach vorne, leicht in die Skatepunk-Ecke, aber irgendwie ohne Highlights. Bei mir zumindest bleibt nichts hängen. Aber könnte auch an der Uhrzeit liegen. Höhö. Der Zeitverzug beträgt mittlerweile zweieinhalb Stunden, heißt wir haben kurz vor 2 Uhr nachts. Stört hier keinen (bis auf leichte Motorikschwierigkeiten).
Zu später Stunde werden auch die Leute fotogener. Dieser charmante Skinhead bestellt gerade zwei Bier
Vom Lunatics-Sänger werden zur Auflockerung bunte Pillen verteilt. Skandalös. Könnten auch Buttons gewesen sein, so genau hab ich nicht hingeguckt. Die Anwesenden freuen sich jedenfalls drüber.
Und noch ne Band! ADHD SYNDROM sind wohl auch persönlich mit dieser Veranstaltung verquickt - vermuten wir zumindest. Schon schwer, nur mit Vermutungen durchs Leben zu gehen. Immerhin den Namen des Festivals hab ich erfragt: MEBP steht für "Maniowy Epika Biba Party". Maniowy ist das Örtchen hier, Epika heißt Mannschaft, und Biba sowas wie Feier. MEBP-Fest heißt also Maniowy Mannschaftsfeier-Party-Fest. Originell!
ADHD Syndrom machen mal wieder Punk. Höhö. Mit konstant hoher Geschwindigkeit, leicht kämpferisch ohne allzu wütend zu klingen. Erinnern mich an die Restarts. Bloß die Sonnenbrille um 3 Uhr nachts ist ja wohl leicht übertrieben. Ansonsten auch mal wieder ne Band, von der ich nicht allzu viel behalten habe.
Wie sich das für ein anständiges Konzert gehört, stürmen die Zuschauer am Ende die Bühne. Na okay, die Bühnenrandsitzer saßen da schon vorher. Aber jetzt stehen da sogar Leute und feiern. Schonmal ein geiler erster Tag vom MEBP Fest! Supernette Leute, ausschließlich gute Bands, optimales Preis/Leistungs-Verhältnis - großartig! Nu aber ab ins Bett...Und morgen ist ja auch noch ein Tag. Mit dem Bericht weiter geht's hier!

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