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Banner Pilot, Snareset, The Dimensions, The Vaders, 14.09.2012 in Münster, Lorenz Süd - Bericht von Gerdistan

Banner Pilot, 14.09.2012 in Münster

14. September. Mein Vater hat Geburtstag. Ich fahr aber nicht nach Hause, sondern mit dem Rad quer durch Münster zum Stadtteilhaus Lorenz Süd. Mitkommen wollte keiner, also mach ich mich mal wieder alleine auf den Weg. Alleine auf Konzerte gehen ist immer so ne Sache, ich hab meistens keinen Bock auf Smalltalk mit flüchtigen Bekannten, keinen Bock mich alleine zu besaufen und komm mir dann in den Umbaupausen immer so verloren vor. Heute nehme ich mir als Abhilfe mal ein Buch mit, mal gucken ob es klappt.

Im Lorenz Süd war ich seit über nem Jahr nicht mehr, das letzte Mal bei der Schrappmesser-Show. Der Weg von meiner Bude zum Lorenz führt quer durch Münster und spiegelt dabei alle Facetten der Stadt wider - zuerst muss man durch die szenigste Ecke des Szeneviertels (Kreuzung Hansaring/Dortmunder Str.), dann kommt man an der Großraumasidisco vorbei, dann fährt man den Straßenstrich entlang (Bönx hätte seinen Spaß) und dann noch am Preußenstadion vorbei. Am Stadion sehe ich schon von weitem Polizei, ist aber nur ein Verkehrsunfall, Fußball ist heute nicht. Ohne weitere Zwischenfälle (außer, dass mich mehrere Nutten angesprochen haben) parke ich mein Rad vor dem Lorenz. Lorenz ist übrigens Masematte für Sonne, die geizt aber heute mit Anwesenheit.
Ich bin am Ziel! Knappe zwei Stunden nach Einlass betrete ich den Laden (ich kenne ja meine Pappenheimer) und muss feststellen, dass Snareset schon spielen.
Naja, oder noch spielen. Als ich gerade den Konzertraum betrete, hören sie auch schon auf. Schade, hätte ich mir gerne angeguckt. Dann kann ich ja jetzt wenigstens in Ruhe mein Buch lesen.
Kurze Zeit später stehen dann auch die Dimensions auf der Bühne. Ich hab nur eine alte EP von denen, die gefällt mir auch ganz gut, und nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen, die Band live zu erleben, hat es heute endlich geklappt.
Das erste Mal schiefgegangen ist es beim Antitainment-Konzert in Berlin, als wir vor Beginn des Konzerts rausgeschmissen wurden, das zweite Mal in der Baracke im März, da bin ich spontan in den Urlaub gefahren.
Was zur Musik: Powertrio, Punk mit Garagenanleihen. Prägend ist dabei die Stimme des Sängers, die sich angenehm durch mehrere Oktaven direkt in den Gehörgang windet.
Das obligatorische Drummerfoto. Der Funke will bei mir nicht so ganz überspringen, der Rest des Publikums ist auch eher verhalten, vor der Bühne ist ein Halbkreis, der nach Aussage des Sängers groß genug zum Breakdancen wäre.
Macht aber keiner, wäre auch irgendwie deplatziert. Es gibt genau 10 Songs zu hören, die von den Jungs neben mir artig runtergezählt werden, weil der Sänger jedem, der beim letzten Song mitgezählt hat, ein Bier verspricht.
Der Basser hatte son geiles Spiralkabel, find ich super. Nach ner halben Stunde ist die Show ohne größere Überraschungen vorbei - solide, aber nicht außergewöhnlich geil.
Nächste Band: The Vaders. Bei Jenz eher bekannt unter dem Namen "Schnuffi and the Schnuffeltuchs", weil der Sänger auf der Bühne ein Halstuch trug, als wir die vor fünf Jahren als Vorband der Heideroosjes gesehen haben. Damals noch im Gogo, ich glaube seitdem war da auch kein Konzert mehr.
Joa, die Vaders. Bei besagtem Auftritt 2007 haben sie mich nicht aus den Socken gehauen und ich hab mich nie weiter mit ihnen beschäftigt, bis Thrun mir mal die CDs gegeben hat, und auf CD können die wirklich einiges.
Maßgeblich entscheidend ist auch hier die Stimme des Sängers, tief und rauh (alte Rechtschreibung!). Die Mucke dazu ist aber kein Oparock wie zur Stimme von Mike Ness, sondern flott geschrabbelter Punk mit vielen Oohohohoh-Hintergrundgesängen, erinnert etwas an die frühen AFI.
Für die eben genannten Gesänge ist unter anderem er hier zuständig, aber auch der andere Gitarrist und sogar der Drummer singen mit, zu Spitzenzeiten also vierstimmiger Gesang.
Das einzige Bandmitglied unter 30. Ist aber auch erst seit zweieinhalb Jahren in der Band, weil der alte Gitarrist nach Berlin gezogen ist, um sich was dazuzuverdienen wahrscheinlich.
Sympathische Band, Helge-Schneider-Zitate beim Soundcheck und dumme Sprüche zu Hauf, so solls sein. Nach anfänglicher Skepsis wird es auch vor der Bühne etwas voller und die Band taut auch ein bisschen auf und hampelt mehr rum.
Auf dem Boden vor mir (auf der keine 20 cm hohen Bühne) kann ich die Setlist erkennen. Die besteht hauptsächlich aus alten Sachen, weil alle Releases der Vaders schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben, aber auch ein paar unveröffentlichte Stücke sind dabei.
Die Songauswahl ist auf jeden Fall super, mein persönlicher Favorit Hiber-Nation steht auch auf der Setlist, wird aber nicht mehr gespielt, weil die Zugabe geknickt wird - sehr schade. Lag wohl am Zeitplan oder so.
Die Band macht eigenartigerweise keinen Schülerband-Eindruck, sondern eher den Eindruck einer Lehrerband. Ich hab keine Ahnung, wie ich darauf komme, aber einer von denen hat bestimmt auf Lehramt studiert (die statistische Wahrscheinlichkeit ist hierbei bestimmt auf meiner Seite).
Auf jeden Fall ein geiler Gig, allein hierfür haben sich die 10€ Abendkasse schon gelohnt. Auch wenn man, wie Fö es ausdrückte, die Vaders auf CD gehört haben muss, bevor man sie live abfeiert. Gesagt, getan.
Auf dem Klo ist das Kackband alle. Zum Glück musste ich nicht groß. Wenige Buchseiten später beginnt auch dann der Mainact des Abends.
Banner Pilot aus dem schönen Minneapolis in Minnesota. Die neue Band bei Fat Wreck. Naja, so neu nun auch nicht, die gibts immerhin auch schon seit 2005.
Der Bassist. Es gibt tatsächlich Menschen, denen die umgedrehte Baseballkappe NICHT hervorragend steht!
Der Gitarrist und Sänger erinnert mich irgendwie an den blonden Typen von Less Than Jake. Verwandt sind sie aber nicht, glaube ich.
Jau, Banner Pilot. Vierköpfiger Amipunk, hat mich auf CD nicht so richtig überzeugt, dabei hab ich zwei Alben rauf und runter gehört, hängen geblieben ist textlich nicht viel, ich erkenne aber fast jeden Song wieder.
Zack, da geht auf einmal das Licht aus. Mitten im Song. War wohl nicht geplant. Die Instrumente haben noch Saft, es wird aber nicht einfach weitergespielt, bis das Problem behoben ist.
Aha, Bierflasche umgekippt und Bier in die Elektronik gelaufen. "Even we as Americans know that beer and electronics don't mix!"
Der Song wird genau an der Stelle, an der er unterbrochen wurde, wieder aufgenommen und zu Ende gespielt. Respekt! Der rechte Gitarrist hat ne komische Haltung, aber da sollte ich mich vielleicht nicht zu weit aus meinem Glashausfenster lehnen.
Und zack, Saite gerissen. Der Bass wird schnell mit den Vaders getauscht, um die Zeit zu überbrücken, erzählt der Sänger einen Witz.
"American beer is like sex in a canoe - fucking close to water!" Knaller.
Der erste Song mit dem Vaders-Bass klingt tatsächlich etwas nach Vaders, aber das liegt einfach daran, dass der Bass lauter ist und die Vaders doch irgendwie recht basslastigen Punk spielen.
Nach einem Song wird an den Reglern gedreht und es klingt ungefähr so wie vorher. Apropos: Mich beschleicht irgendwie der Eindruck, dass alle Songs von Banner Pilot nach demselben Schema verlaufen.
Der Sänger fängt an zu singen, nach und nach setzen die Instrumente ein und irgendwann - Wumms - gehts richtig zur Sache. Kann Einbildung sein, aber ich hab das echt oft rausgehört.
Nichtsdestoweniger überzeugt mich die Show hier deutlich mehr als auf Platte. Die Band hat auch richtig Spaß am Spielen und der Konzertraum ist gut gefüllt.
Da der Bassist von den Vaders ziemlich groß ist, muss der Basser von Banner Pilot häufiger seinen Gurt nachstellen. Da der Sänger seinen einzigen Witz bereits verheizt hat, darf der Drummer noch einen zum besten geben.
Hab kein Drummerfoto, das hier muss reichen. Der Witz war jedenfalls: "Why did the baby strawberry cry? - Because its mother was in a jam!" Badumm-tss.
Ansagen können sie auch ganz gut. "I heard The Menzingers were here some time ago. Seriously, they suck." Wohl bei Fat Mike in der Lehre gewesen.
Ein kurzer Rundgang durch das Publikum. Ganz links in der Ecke: Der Sänger von Dean Dirg. Ihn scheint das Geschehen aber nicht zu überzeugen (Dean Dirg's Bored). Links: Eine Handvoll Jungs, die JEDEN Text auswendig können.
Direkt vor mir: Ein knutschendes Pärchen in der ersten Reihe. Nehmt euch ein Zimmer! Rechts: Eine Handvoll ziemlich besoffener Endzwanziger, die dauernd Zwei-Mann-Moshpits starten.
Einer von ihnen ist ungefähr 1,60 groß, hat kurze Haare und nen Dreitagebart, trägt dazu eine randlose Brille und eine fellgefütterte Kapuzenjacke. Ich taufe ihn in meinem Kopf liebevoll "Mini-Sido".
Ganz rechts: Ein älterer Herr (wie reifer Wein) mit "Off With Their Heads"-Shirt und dem passenden Jutebeutel, der auch alle Texte kennt. Dahinter ein gelangweilter Geisteswissenschaftsstudent mit Teleobjektiv, der unbegeistert Fotos macht.
Einer von Banner Pilot hat mal bei Off With Their Heads gespielt, oder so ähnlich. Haben auf jeden Fall irgendeine Form von Connection.
Die Moshpit-Crew startet wiederholt ein Zwei-Mann-Stagediving, hier einer der besseren Versuche.
Nach etwas mehr als 40 Minuten geht die Band halb von der Bühne, jemand aus dem Publikum geht ans Mikro und fordert erst einen, dann dreizehn weitere Songs. Minuten der Stille, dann kommt die Band zurück.
"Because you were all screaming for more songs, here's one." War ein Cover, glaub ich, hab ich aber nicht erkannt. Der Gitarrist hat erst versucht, "When I Come Around" von Green Day zu spielen, Bassist und Drummer sind auch drauf eingestiegen, nur der Sänger hatte wohl keine Lust.
Ingesamt auf jeden Fall ne gute Show. Ich hätte mir vielleicht lieber ein Onlineticket für 8€ holen sollen, aber die zwei Euro bringen mich nun auch nicht um und für vier Bands kann man eigentlich auch nicht meckern.
Nach einem kurzen Schwatz am Merch schwinge ich mich dann auch aufs Rad und fahre die umgekehrte Reihenfolge der in der Einleitung genannten Stationen wieder ab.
Irgendwann montier ich dieses Schild mal ab und hänge es bei uns ins Klo.
Die Nutten sitzen mittlerweile in ihren Autos oder beugen sich erwartungsvoll in die der potenziellen Kundschaft hinein. An der Ecke mit Kino und "party world münster" läuft ziemlich viel Gesocks rum, das Szeneviertel ist erstaunlich ruhig. Vielleicht bin ich zu früh.
Auf jeden Fall früh genug, um noch mal die "A Link To The Past" von den Vaders einzulegen. Starke Scheibe, eindeutige Empfehlung. Bis zum nächsten Mal,

euer Gerd

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