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20 Jahre Sputnikhalle: Rantanplan, Toolylooly & The McBobbies, Skankshot, 20.10.2012 in Münster, Sputnikhalle - Bericht von Gerdistan

20 Jahre Sputnikhalle, 20.10.2012 in Münster

Eigentlich wollte ich ganz gemütlich an diesem Samstag mit Hans in die Sputnikhalle gehen und mit meiner beknackten Kompaktkamera mittelmäßige Fotos schießen. Daraus wurde aber nichts, denn zuerst ruft Hans mich an und erklärt, dass sie einen steifen Nacken hat und deshalb nicht mitkommen kann. Hihi, steif. Auch der andere Teil des Plans scheint zunächst nicht zu klappen, da ich meine Kamera in der Uni vergessen habe. Geistesgegenwärtig rufe ich aber meinen Workaholic-Freund Nick an, der seinen Freitagabend in der Uni verbringt, er solle sich das Ding aus meinem Büro holen und mir Samstag Nachmittag mit zum Fußballgucken bringen. Der Plan funktioniert auch ganz hervorragend, bis am Samstag eine halbe Stunde zu spät ein verpeilter Nick mit zwei Flaschen Schnaps und ohne meine Kamera vor der Tür steht. Dumm gelaufen. Immerhin zeigt er uns das neue Getränk "Jambuca", eine 50:50-Mischung aus Jägermeister und Sambuca. Lecker! Da Werder 4:0 gewinnt (diese Fußballsachen erzähl ich immer nur, um Fö zu ärgern) mache ich mich irgendwann mutterseelenallein und gut angetüddert auf den Weg zur Sputnikhalle.
Zeitmäßig heute mal Glück gehabt, ich komme um kurz vor 9 an und kann keins der Gratisshirts für die ersten 100 Gäste mehr ergattern, dafür habe ich auch nicht zwei Stunden in der Sputte rumgehangen, ohne Livemusik zu hören, denn die geht gerade erst los.
Auf der Bühne: Skankshot aus Hamburg. Recht junge Band, also die gibt's erst ein paar Jahre und die Mannen auf der Bühne sind auch noch nicht grauhaarig. Eine Veröffentlichung in voller Länge gibt es auch noch nicht, dafür kann man aber alles, was sie bisher gemacht haben, auf der Internetseite runterladen, so mag ich das.
Die Musik ist Skapunk, wobei hier eher Punk groß geschrieben wird. Ich hätte also auch skaPUNK schreiben können, aber das wäre ja albern. Ist jedenfalls ordentliches Gebretter mit Bläserparts, macht Spaß. Gesang hallt etwas, könnte aber auch an der bisher eher spärlich gefüllten Sputnikhalle gelegen haben.
Wie in der Einleitung bereits beschrieben habe ich keinen Zugriff auf meine Digitalkamera und muss deshalb Handyfotos machen, was mich automatisch zu einer der Personen macht, über die ich selbst sonst Witze reiße, weil sie die ganze Zeit ihre Smartphones hochhalten.
Nach ca. einer halben Stunde gibts die Zugabe und als letzter Song wird auch noch der Kracher "Reclaim The Streets" gespielt, durch "Ooohohoo - nananana"-Anteile ein fürchterlicher Ohrwurm. Jau, soviel zu Skankshot, gute Band, kann man machen, kann man sich auch anhören wenn man Skapunk in seiner Jugend totgehört hat.
Die von mir verteilten Bierschinken-Flyer finde ich nach kurzer Zeit dort wieder, wo der geneigte Fan als erstes nachsieht, da hat mal jemand mitgedacht!
Die Wartezeit vergeht wie im Flug, da ich zahlreiche Festival-, Studien- und Verkehrsunfallbekanntschaften treffe. Und nach einer kurzen Umbaupause steht dann auch die neunköpfige Formation Toolylooly & The McBobbies auf der Bühne.
Musikalisch haut das in dieselbe Kerbe wie Skankshot, Skapunk mit brachialer Gitarrenarbeit, obwohl die Bläsersektion hier doppelt so stark besetzt ist, mit zwei Posaunen, einer Trompete und einem Waldhorn.
Wie man vorne links im Bild erahnen kann, wird der Auftritt mitgeschnitten und soll laut Ansage bald auf Youporn verfügbar sein. Lohnt sich eigentlich auch, denn weder am Sound noch am Handwerk der Musiker gibt es irgendwas zu meckern.
Dieses Foto dient nur dem Zweck zu zeigen, dass Paul barfuß auf der Bühne steht. Verdammter Hippie! Aus demselben Grund springt er auch nicht in den scherbenbesprenkelten Bereich vor der Bühne, wie es einer der Posaunisten zeitweise getan hat. Oder war das bei Rantanplan? Ich weiß es nicht mehr, Bier kostet nur 2 Euro.
Songmäßig wurde viel vom Album gespielt, das es ja umsonst zum Runterladen gibt. Fabian, der dreckige Schuh, ich lache später, Lilo Wanders usw usw. Ein paar Songs, die ich nicht vom Album kenne, sind auch dabei. Denn obwohl die Band schon seit ner Weile regelmäßig in und um Münster spielt, sehe ich sie heute zum ersten Mal.
Der Gitarrist, bestimmt zwei Meter groß. Ich hab das Gefühl den schonmal in irgendeiner anderen Band gesehen zu haben, kann aber auch Einbildung sein. Münster ist schließlich so ein Dorf, dass man sich sowieso dauernd über den Weg läuft, ob man nun will oder nicht.
Erste Stagediver wagen den Sprung von der Bühne, noch ist es allerdings so lose gefüllt, dass man sich erst eine Handvoll Leute ranwinken muss, die einen dann über die Tanzfläche tragen, ohne den getragenen Körper an andere weiterzugeben.
Von der Bühnenpräsenz gibts hier schon etwas mehr Action als bei Skankshot, kann aber auch daran liegen, dass die Bühne mit neun Personen einfach voller aussieht. Oder dass der Sänger kein Saiteninstrument bedient und deshalb Hände und Füße zum Rumhampeln frei hat.
Mit einer besseren Kamera hätte ich sicher einfangen können, wie jemand über der Bühne auf der Traverse rumklettert und irgendetwas repariert, den Teil muss man sich jetzt leider selber denken.
Nach 40 Minuten oder so geht dieser fulminante Auftritt dann auch zu Ende. Schönes Ding, hoffentlich noch häufiger hier irgendwo in der Stadt!
Dieses Bild sollte eigentlich den geschlossenen Vorhang vor der Bühne zeigen. Hab schon lange keine Band mehr im großen Saal der Sputnikhalle gesehen und dann machen die gleich so ne Rockstarscheiße hier.
Jau, öh, Rantanplan, ne. Skapunk aus Hamburg, ausgewogenere Mischung aus Ska und Punk als die beiden Bands davor. Gibt es schon seit 1995 und weil heute angeblich Konzert Nr. 666 stattfindet, tritt die Band als Skelette geschminkt auf (sog. Corpse Paint).
Das hätte sicher auch ein paar schöne Fotos abgegeben, aber ihr wisst ja, Kamera und so. Mein beknacktes chinesisches Handy hat nicht mal nen Blitz, naja, sieht nu auch so aus, als wär man dabeigewesen und ziemlich besoffen.
Wo wir gerade über meine Kamera ablästern, dass hier nennt sich Rolling Shutter-Effekt, könnt ihr ja mal bei Wikipedia nachgucken warum das so ist!
Ich hab vom Konzert eigentlich nicht allzuviel erwartet, weil ich von Rantanplan (natürlich) nur die alten Sachen? mag. So komisch es klingt, deren Musik ist nicht mehr dasselbe seit zwei Leute ausgestiegen sind, um Kettcar zu gründen.
Ich hoffe inständig, dass es sich bei diesem Sachverhalt um einen weiteren prominenten Fall von cum hoc ergo propter hoc handelt. Aber nach der Samba fehlt den Alben einfach das, was dafür verantwortlich war, dass ich in früheren Jahren zu knapp 20 Rantanplan-Gigs gelatscht bin.
Aber glücklicherweise hält sich in der Songauswahl das gute Zeug mit dem neuen Zeug einigermaßen die Waage. Thrun hatte ja prophezeit, dass ich nach dem Konzert eh nur meckern würde, aber ich werde hier aufgrund einer niedrigen Erwartungshaltung doch positiv überrascht.
Kriegt man, wenn bei Praktiker "25% auf alles ohne Stecker" angeboten wird, eigentlich nen Akkuschrauber für 25% weniger?
Seit dem letzten Rantanplan-Gig, auf dem ich war, hat sich die gesamte Besetzung bis auf den Sänger und Gitarristen Thorben mal wieder komplett ausgetauscht und er bleibt nach wie vor das einzige Gründungsmitglied.
Hab ihn vor dem Konzert kurz ohne Schminke gesehen, er sieht zwar mittlerweile weniger aus wie Kachelmann, aber dennoch ganz schön alt.
Aber wenn man schon so lange in ner Band spielt und damit die ganze Welt bereist, ist das ja auch vollkommen in Ordnung. Und spätestens als mein Alltimefavourite "Efrem Zimbalist" gespielt wird, bin ich sowieso glücklich mit dem Auftritt.
Dresscode der Band ist heute offensichtlich kurze Hose und geringelte Stützstrümpfe. Erneut: Das Alter, das Alter.
Es gibt übrigens auch T-Shirts speziell zum 666. Konzert. Ob das wohl überhaupt stimmt, mit 666 Liveauftritten? Könnte rechnerisch auf jeden Fall hinkommen, in den 17 Jahren seit Gründung der Band müsste man nur etwa alle neun Tage auftreten, das ist durchaus machbar, denke ich.
Dieser verwackelte Typ hier springt übrigens die ganze Zeit mit einem unverstärkten Schellenkranz über die Bühne, den man de facto also nicht hört. Später entledigt er sich noch seines Shirts und hopst dann in Hotpants und Kniestrümpfen weiter herum.
Ich hätte mir bei dem Aufzug ja echt ein Misfits-Cover gewünscht, aber Pustekuchen. Das einzige was kommt sind ein paar geklaute Hardrock-Intros (z.B. von den Scorpions) und irgendeinen Radiopopsong mit dem Text "I I Follow".
Hier wagt sich der Gitarrero von Toolylooly mal an ein paar Hintergrundgesänge, er scheint ein großer Fan der Band zu sein.
Und wie man das so macht, geht man danach auch ordentlich Stagediven. Ich stehe währenddessen am Rand und schwelge in Musik, die ich vor zehn Jahren rauf und runter gehört habe. Schön.
Hach ja, eigentlich ein echt guter Auftritt, wenn er nur nicht dauernd durch die neueren Stücke wie "Peking Bordell" unterbrochen wurde. Dann doch lieber Torpedo Hamburg Ahoi, Alles nur Unterhaltung oder Monsterschiss.
Der von Funny van Dannen komponierte Gassenhauer "Unbekanntes Pferd" darf natürlich auch nicht fehlen. Einzig das Billy Bragg-Cover "New England" hätte ich mir noch gewünscht, aber man kann ja nicht alles haben.
Nach eingehendem Studium der Setlist auf der Bühne beschließe ich, mir die Zugabe zu klemmen (es ist mittlerweile fast 01:00) und stattdessen noch auf der Promotionsparty in der Uni vorbeizuschauen. Rantanplan haben echt lange gespielt, die anderen zwei Bands waren durchweg gut, Preis/Leistungsverhältnis also absolut top (Eintritt war 10€). Bis zum nächsten Mal

euer Gerd

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jemand mit Ahnung

22.10.2012 16:13
Koile...der Typ ist 23 und nicht alt...
Gerdistan
(Gerdistan)
22.10.2012 16:34
Mir ist beim Schreiben selber noch aufgefallen, dass man das missverstehen könnte. Text und Bild sind diesem Fall in keinen Bezug zu setzen.

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