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Siegenthal-Festival: Phonautics, Rasender Stillstand, Denkzettel, Trick und Masche, Fallout Babies, 10.08.2013 in Hövels, Siegenthal - Bericht von Fö

Siegenthal-Festival, 10.08.2013 in Hövels

Zurück aus Berlin! Diesmal hab ich auch nix vergessen - okay, außer meinen Sitznachbarn Jonas, aber der hätte eh nach Bier gestunken. Kaum wieder in Dortmund, steht der nächste Termin an: Rasender Stillstand spielen irgendwo aufm Land in ner Scheune auf nem Punkfestival. Na, das klingt doch super! Da werden direkt Erinnerungen wach an gewisse Schützenfeste. Ehrensache, dass ich nicht nein sagen kann, als mir ein Plätzchen (hmm, lecker) im Bus angeboten wird. Schnell das Wichtigste eingepackt und ab geht's!
Oh, das Bild hier passt jetzt nicht unbedingt in den Bericht, hat aber definitiv seinen Platz irgendwo im Internet verdient.
Und ab geht's! Von der Fahrt weiß ich nicht mehr viel, ich erlag spontanen Ermüdungserscheinungen. Vom Abend weiß ich auch nichts mehr, Simon zwang mich zum Bier trinken. Bericht zuende.
Haha, Quark. Waren nur zwei Bier. Da, guckt. Hövels an der Sieg. Das liegt ungefähr 16 Kilometer von Morsbach an der Sieg entfernt! The Kollege behauptet später am Telefon trotzdem, den Ort nicht zu kennen - empfiehlt mir aber, nach Guido vom Flockenberg Ausschau zu halten. Den treffe ich erstaunlicherweise nicht! Dafür sind wir auf der Fahrt immerhin am Molzberg vorbei gefahren. Für wen das alles böhmische Dörfer sind: Hövels liegt ungefähr 500 Kilometer entfernt von Böhmen.
Total geil hier! Im Gebäude gibt's Volxküche und Kneipe, die selbstgezimmerte Bühne steht in der Scheune, auf dem Parkplatz tummeln sich Zelte und Wohnwagen, ne große Wiese lädt zum Verweilen ein, Lagerfeuer gibt's auch, viel Bier sowieso, und wer ne Abkühlung braucht kann einfach direkt in die Sieg springen. Alles total unkommerziell, das Festival gibt's seit Ende des letzten Jahrtausends und ist trotzdem immer noch familiär wie Sau.
Fans von ungarischen Bieren scheint es hier auch zu geben. Und nen Kicker. Aber was das Beste ist: Keine Rentnerbands, und die Tickets vom letzten Jahr sind gültig!
Überraschenderweise tummeln sich auch einige bekannte Gesichter hier. Aldi aus Witten zum Beispiel, der voller Begeisterung erzählen kann, wie er damals Betrunken im Klappstuhl aus der Kurve geschmissen hat. Super Typ! Oder der Lawigator, ein charmanter Mann von Welt! Er behauptet, heute für "Jawollo TV" zu drehen und nippt mindestens ebenso häufig an der Kamera wie an der Bierflasche.
Die Anwesenheit der Ruhrbrigade lässt sich dadurch erklären, dass auch eine Schwerter Band zum heutigen Programm gehört: die FALLOUT BABIES. Mir bisher nur vom Namen her ein Begriff. Ehemals Dezibil, wie sie uns erklären. Der Sänger ist ein ausgebuffter Entertainer, der auch die durch nonfunktionale Bühnenmikrofonie erzwungene anfängliche Zwangspause durch witzige Monologe zu überbrücken vermag.
Die Fallout Babies machen, welch Wunder, Punkrock. Deutsche Texte die ein wenig Wahnsinn versprühen, dabei aber auch gerne mal in Wunden der Gesellschaft rumdrücken. Beispiele kann ich jetzt nicht nennen, aber die Metapher klang so toll. Lieder von denen kenne ich ja eh nicht, aber unter Anderem gab es ein Lied übers Rattenloch oder über die tickende Bombe (jede, absolut JEDE Band sollte ein Lied über die tickende Bombe haben).
Statt Ticken gab's übrigens Schnalzgeräusche mit dem Mund. Auf selbigen gefallen ist der Sänger hingegen nicht unbedingt, die Darbietung ist durchaus kurzweilig und der Gesang auch weit entfernt vom monotonem Deutschpunk-Standard.

Als besonderes Special kann die Band bei einigen Liedern mit einem Gastsänger aufwarten: Das Lawigat erstürmt die Bühne und offenbart spitzfindige Entertainer-Qualitäten - was dem Auftritt zusätzliche Würze verleiht sowie ein entblößtes Hinterteil, das ich, um euch nicht zu überfordern, aber nicht abgelichtet habe.
Publikum. Es ist angenehm gefüllt hier, die Iroquote geht auch in Ordnung, positive Resonanzen. Zudem scheint es ziemlich windig hier in der Scheune zu sein, den Ausfallschritten einiger Anwesender nach zu schließen.
Soviel zu den Fallout Babies! Spaßige Angelegenheit. Minuspunkt für die Zugabe, in der tatsächlich zwei Lieder verbraten wurden, die bereits vorher schon im Set waren. Aber diese Unsitte zieht sich eh etwas durch den Abend. Und sie sind ja noch jung.
Weiter zur nächsten Band: TRICK UND MASCHE, irgendwo hier aus der Gegend. Janz klassische Dreierbesetzung. Musik: Deutsch-Pop-Punk, bisschen teeniehaft, bisschen frech, aber glücklicherweise nicht so schnulzig-poppig wie 90% der anderen Genre-Vertreter.
Eher so Funpunk, teilweise an frühe Ärzte erinnernd. Das Publikum ziehen sie recht schnell auf ihre Seite, vielleicht hat der Bestechungsversuch (gratis-CD für den ersten Tänzer) ja geklappt. Was zu Feiern gibt es auch, nämlich rein in den Geburtstag des Sängers - allerdings erst später. Ganz so lange dauert der Auftritt dann doch nicht.
Netter Auftritt, gekonnt dargeboten, wird mir aber doch irgendwann zu eintönig. Da fehlt mir dann wohl doch die Kenntnis der Lieder, und vielleicht 2-3 Bier.
Also mal gucken, was sonst so geht. Draußen ist mittlerweile die Sonne unter gegangen, dafür lodert das Feuer. Kurz ne Stärkung reinziehen. Zum Futtern gibt es echt leckeren Fraß, Nudel mit Gewudel, wobei das Gewudel wahlweise Karnickelkadaver oder Fleischersatz enthält. Und dat alles gegen Spende. Geil!
Nächste Band: DENKZETTEL. Die haben, ebenso wie eigentlich alle Bands des Abends, zunächst mal mit dem Mikrofon zu kämpfen. Neverending Story. Entweder es kommt nix raus oder der Sänger kriegt Stromstöße ohne Ende. Geil! Der Bassist kompensiert das ganz gut durch seinen Schnurrbart.
Musikalisch der vorherigen Band nicht unähnlich, bloß dass hier der Scherzkeks vor dem Herrn der Schlagzeuger ist, der sich für die meisten Gesänge und Ge-ansagerei verantwortlich zeichnet. Und das, obwohl er nicht einmal son Headset-Mikrofon hat wie der von Trick&Masche. Aber Headsets sehen ja eh uncool aus.
Also wieder Funpunk - mit leichtem Skater-Einschlag, was mich etwas an Incoming Leergut denken lässt. Echt unterhaltsam, die Band! Auch hier werden wieder gratis-CDs sowie Aufkleber in die Massen vor der Bühne verteilt. Da greif ich dann auch mal zu. Hör ich grad mal rein, während ich diesen Bericht schreibe - kann sich hören lassen!
6 Songs sind auf der CD, die vermutlich live auch alle zelebriert wurden. Lebhaft erinnern kann ich mich an "GEZ-Gebühr", das ohnehin schon nen ziemlichen Ohrwurm-Refrain hat, live aber nochmal getoppt wird durch den Gastauftritt von Captain Jack Sparrow. Dieser hat wohl heute seine rostigen Nägel mit der doppelten Menge Rum runter gekippt, die Stimme krächzt aber mal jenseits von sämtlichen Anschlägen die eine menschliche Stimme so haben kann. Geil!
Größter Hit des Abends ist aber der herrliche Text "Oh Baby Baby Astra" auf die Melodie des Hosen-Klassikers "Halbstark". Geilste Astra-Hymne ever! Wird gut abgefeiert, die Zuschauer stürmen auch mal die Bühne und gemeinsam wird der Refrain so lange zelebriert, bis keiner mehr stehen kann. Dürften dann wohl auch mit dafür verantwortlich sein, dass Denkzettel statt der angeblich mal im Raum gestandenen 20 Minuten eher auf 50 Minuten Spielzeit kommen.
Aber dat is eigentlich auch nicht weiter schlimm, mit nem zeitigen Ende des Abends hat hier eh keiner gerechnet. Außer vielleicht die Jungs von Chic & Vain, die heute auch anwesend sind, sich spontan Instrumente zusammen geschnorrt haben und im Laufe des Abends fragten, ob sie nicht kurzfristig nach Denkzettel ein kleines 15-Minuten-Set spielen könnten. Später ginge nicht, sie müssten ihren Bus kriegen. Tja hat dann wohl nicht geklappt mit dem Auftritt. Ob sie ihren Bus wirklich gekriegt haben oder irgendwo besoffen in der Ecke liegen, kann ich nicht sagen.
Nächste Band: RASENDER STILLSTAND. Aber zunächst mal wieder ne etwas ausgedehntere Umbaupause. Die Mikrofone kriegen einen hochprofessionellen Spültuch-Ummantelungs-Schutz, damit die von ihnen ausgesendeten Blitze nicht mehr ganz so die Lippen verätzen. Ne bessere Lösung gab's wohl nicht, oder es hatte einfach niemand Bock, die komplette Stromverkabelung neu zu legen.
Wegen der fortgeschrittenen Uhrzeit (so ungefähr kurz vor 2) sinkt auch meine Aufmerksamkeitsspanne, ebenso wie meine Augenlider. Aber wenn ich jetzt pennen gehe, weint die Band bestimmt. Äh, ja. Zweites Konzert in der neuen Besetzung mit Thommy am Schlagzeug und Simon am Bass. Simon beweist Mut, indem er das Mikrofon ohne Ummantelung nutzt - aus, naja, einiger Entfernung.
Hauptgesang kommt ja eh vom Dreamteam. Zum Glück für Melanie und Rodger gibt's ein paar Songs, für die Gitarre weggelegt und sich nur auf den Gesang konzentriert wird. Keine Gitarre = keine Stromstöße, erklären uns die Wissenschaftler vor Ort. Bei Rodger kommt jegliche Hilfe zu spät, schaut man sich seine Strubbelfrisur an...
Das verbliebene Publikum wird auch mal gestürmt. Eigentlich ist noch relativ viel los, sieht man hier nur nicht. Wer kann denn auch bei dem Lärm schlafen? Hier und da wird getanzt und gejubelt, der Rest belässt es beim begeisterten Zuprosten. Auftritt ganz souverän, bis auf das mit den Blitzen.
Die Musik zu umschreiben, damit hab ich ja immer wieder so meine Probleme. Will es aber nicht einfach nur beim "Punk" belassen, irgendwie geht es doch darüber hinaus. Meist ziemlich geradlinig, aber doch immer wieder mit einigen überraschenden Momenten versehen. Große Stärke ist wohl der zumeist weibliche Gesang und die kämpferische Grundattitüde der Lieder. Übrigens: Am 23.8. mit Jello Biafra in Stuttgart. Uiuiui!
Nächste Band: Die PHONAUTICS. Ebenfalls aus Dortmund, mir bisher aber nur vom Namen her bekannt. Ich weiß auch nicht wirklich, was ich erwartet habe - aber das hier nicht! Etwas sperrige Musik, experimentell gehalten zwischen Noise und Hardcore-Punk, viele Tempowechsel und ausdrucksstarker weiblicher Gesang.
Die Lieder dürfen dann auch gerne mal länger als die üblichen Punk-3-Minüter dauern. Schon ganz beeindruckend vom Sound her, verhindert aber leider nicht, dass ich buchstäblich im Stehen einschlafe. 3 Uhr mittlerweile. In was für einer Welt leben wir eigentlich, in der man, auch wenn man keine Termine hat, ständig auf die Uhr gucken muss?
Sängerin Tina wagt auch mal den Gang vor die "Massen". Find ich gut, bringt Bewegung in die Sache, denn genau das fehlt der Band sonst ein wenig. Guter Auftritt von Phonautics, auch wenn ich mal wieder nicht alles mitbekommen habe.
Danach: "Wir haben keine Lieder mehr, macht ihr mal!" - Puh, spontane Session mitten in der Nacht. Man gibt sich Instrumente und Mikrofone in die Hand, das Resultat ist, gemessen an Uhrzeit und Betrunkenheitsgrad, echt noch annehmbar - aber zieht sich trotzdem ziemlich. Gegen halb 5 ist Schluss mit der Livemusik. "Schnell" dat Equipment in den Bus laden und irgendwo dazwischen richte ich mir auch noch meinen Schlafplatz ein. Gute Nacht!
Wenige Stunden später, die Sonne scheint und straft der Kälte der Nacht Lügen. Ich kann nur raten, wer hier alles ohne Schlaf ausgekommen ist, das Lagerfeuer zumindest steht noch. Es gibt Kaffee zur Stärkung der Körperkräfte, und nach einer gebührenden Verabschiedung machen wir uns irgendwann auf den Heimweg.
Siegenthal-Festival: Geil! Schönes Fleckchen DIY-Kultur! Gerne wieder!

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Lawigator

13.08.2013 17:35
Hab ich mich schon wieder ausgezogen? Kann ich mich gar nicht dran erinnern!
schlossi

15.08.2013 09:47
ich hoffe, du hattest deinen cardigan und nen alten waschlappen dabei.
René

22.08.2013 15:59
Ich bin immer noch in Siegenthal. Kommt wohl daher das es hier gutes Bier gibt und ich hier wohne

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