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Die Shitlers, 14.06.2014 in Hamburg - Bericht von tenpints

Die Shitlers, 14.06.2014 in Hamburg

DIE SHITLERS, wer kennt sie nicht? Sehr viele Menschen. Die fröhlichen Skatepunker aus der Nähe von Witten haben für's Wochenende zur Pauschalreise über Hannover nach Hamburg geladen. Ein todesmutiges Unterfangen, das - soviel sei schon verraten - gut gegangen ist. Ein Wunder, denn es sitzt im Zehnsitzer am Steuer: Frank Shitler; hinten drin: Jugendliche aus dem Todesstreifen zwischen Aachen und Köln, diverse Instrumente und tonnenweise Stoff.
Gemütlich juckelt der rostige Transporter über die Autobahn. Die Jugendlichen spielen mit ihren Klappmessern und bearbeiten damit kurz hinter Dortmund schon die zweite Dosenbierpalette; Martin Shitler hat Angst und die restlichen fünf für sich gepachtet, allein, er hat kein Klappmesser und sieht seine Felle davon schwimmen. Kann der redselige Elch im Kofferraum ihn retten?
Er gibt keine Antwort. Das macht nichts, beruhigt Martin sich, eigentlich können Elche ja sowieso nicht sprechen. Ein Rumpeln reißt ihn aus den zähen Gedanken: Hin und wieder kratzt das Gefährt an der Leitplanke entlang, immer dann, wenn Frank, der seit vier Tagen nicht geschlafen und sich heute morgen deshalb gründlich "die Nase gepudert" hat, glaubt, dort ein feindseliges Lama erblickt zu haben.
Als die Mannschaft in Hannover ankommt, reißt Martin die Motorhaube auf, schreit den Elch an. Doch der lacht nur. Martins knabenhafte Begleiter hauen ihm in die Fresse, und er kommt kurz wieder klar, doch jemand hat ihm in die Fresse gehauen, da muss er sich rächen. Wüste Prügelei. Früher hat Phantom diese Situationen entschärft, doch weit und breit ist kein Phantom zu sehen.
Gegen 18 Uhr erklimmen Die Shitlers die Bühne - sie ist hoch, sehr hoch -, und spielen fünf Lieder. Nach drei Stunden ist das Konzert beendet, zehn Menschen liegen am Boden, neben ihnen diverse Flaschen Gin und Tonic Water und eine sog. "Bier-Bong". Hannover erwacht aus seiner Schockstarre und ergreift die Mistgabeln. Der einzige, der noch "stehen" kann, ist Frank Shitler. Gemeinsam mit dem Rasenden Reporter und nach einer kurzen "Erfrischung" auf dem Klo werden die zuckenden Körper in den Transporter verfrachtet. Nächstes Ziel: Reeperbahn.
Die Reeperbahn ist laut und voll, genau richtig für Tristan Shitler, der heute seinen Junggesellenabschied feiert. Nach sechs Stunden "auf der Meile" freuen die meisten Mitreisenden sich über ein wenig Entspannung im Hostelzimmer (10 Betten auf 10qm, tierische Mitbewohner, kein Fenster funktioniert), nur Martin stellt um 12 Uhr Mittags fest, dass er noch im Clochard sitzt.
Macht nichts, das Wetter ist schön, Hamburg meine Perle. Jedenfalls, wenn man hier unten am Wasser ist und den Kopf nicht nach links oder rechts bewegt, wo Scharen von Touristen sich am Elend von Obdachlosen und Prostutuierten ergötzen, während 30 Meter entfernt in einer Seitenstraße neben der Punkrockkneipe ein paar Grünenwähler den Bürgersteig mit einem Garten verwechseln und Bonzen im Nobelrestaurant gegenüber von der schäbigen Spielhalle das alles völlig egal ist.
Aber auch beim Blick nach vorne entkommt man dem Elend nicht. Werbung. Wohlfühlen. Bah. Wohlfühlen würd ich mich jetzt irgendwo im Pott zwischen den Städten, wo es außer Bäumen und Wasser und Industrie(-ruinen) meist vorbildlich menschenleer ist.
Als ich den Ort des heutigen Geschehens betrete, geht es mir etwas besser. So stell ich mir eine gemütliche Hafenkneipe vor! Auch wenn die Deko ein bisschen drüber ist, an der Seite befinden sich noch Steuerräder und Zombiepiratenpuppen und so.
Tristan hat die Reise überlebt und trägt ein super T-Shirt. WO GIBT'S DAS, will ich wissen, H&M sagt er. Da war ich seit Jahren nicht mehr, kacke.
Auch Martin hat den Weg gefunden und bewegt sich mit der Eleganz eines parkinsonkranken Schimpansen mit leichter Verspätung auf die Bühne.
Die Shitlers wollen wie üblich ihr Programm mit gescheiter Stand-Up-Comedy bereichern, doch ein paar Asis sind zu dumm dafür und fordern, dass Musik gespielt wird. Schande.
Die Shitlers, Profis wie sie sind, lassen sich davon nur solange nicht beirren wie ihnen keine Klobürste an den Kopf fliegt.
Diverse Showeinlagen sind angekündigt worden, stattdessen gibt es Suff und Punkrock. Auch nicht schlecht! Aber das hätte ich zeitgleich für deutlich weniger Geld auch in Schwerte beim Chefdenker-Konzert haben können, von dessen Existenz ich erst nach der Buchung erfahren habe. Da sich grämen eher uncool ist, gräme ich mich nicht, sondern freue mich über die vielen neuen Eindrücke, einen leckeren Burger im "befried" (!) UND SO WEITER.
Martin kann erstaunlicherweise auch ohne Schlaf relativ fehlerfrei ein Punkrock-Bühnenprogramm absolvieren. Woher nimmt er die Kraft? Sind es die vielen erfolgreichen Jahre als leidenschaftlicher Unterstützer des FC Schalke 04?
Hier sehen wir die vorhin angesprochene "Bier-Bong" im Einsatz.
Misch dat Bier mit Gin Tonic! Vorher muss allerdings Gin mit Tonic gemischt werden. Passiert auf der Bühne, wird ans Publikum ausgegeben, Bier muss man selber reintun. Okay, ist ja auch sinnvoll vor dem Hintergrund des DIY-Gedankens und so.
Apropos DIY, einer der Shitlers-Ultras trägt ein selbstgemaltes "FCK CPS"-Shirt (nicht im Bild, dafür: Schuhe, Boden). Stabil!
Serge das Lama hat es von Frankreich über die A2 bis nach Hamburg geschafft!
Ein Shitlers-Ultra prostet mir zu. Das freut mich. Die Band spielt "Wünsch dir was" von Die Toten Hosen, ich bin begeistert!
Zombiepirat "Rainer" hält sich fest, damit er nicht umfällt. Er ist einer der Spacken, die Die Shitlers bei ihren lustigen Reden immer wieder unterbrechen. Ansonsten: nettes, überschaubares Publikum, zwei-drei Pogo-Leute; eigentlich wie überall sonst auch. Warum nochmal soll Hamburg so besonders toll sein?
Na gut, es gibt in Hamburg noch Jens Rachut, Studio Braun usw. Aber die sind alle nicht hier, sondern spielen Theater ein paar Kilometer weiter. Haben wohl einmal zu viel mit derselben gepennt, haha! Egal, hier ist es ja viel besser. Die Stimmung kocht über, spätestens, als irgendwer den Shitlers die Kappen umdreht.
!
Besonders gut gefallen haben mir neben "Wünsch dir was" noch das neue Lied über Städte und die Punkbands, die diese verdient haben (inklusive "TURBOSTAAT SIND SCHEISSE"-Gebrüll) und alle anderen Lieder.
Das Konzert ist ein voller Erfolg. Das Thekenpersonal überredet Die Shitlers noch zu zwei Zugaben, danach wird korrekt gechillt am Wasser in einer netten schäbigen Bar mit Rappern und anderen stabilen Menschen, aber ohne Die Shitlers, die sind backstage zusammengebrochen und sollten jetzt mal Urlaub machen.

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Thruntilldeath
(Thruntilldeath)
18.06.2014 14:53
Das mit den Mützen ist voll cool!

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