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Ruhrpott Rodeo Tag 1: Wizo, Adolescents, Suicidal Tendencies, Knochenfabrik, Jello Biafra and the Guantanamo School of Medicine, The Slackers, Zwakkelmann, The Baboon Show, Buster Shuffle, P.I.Y., Dritte Wahl, Michael Monroe, Idolized, 05.08.2016 in Hünxe, Flugplatz Schwarze Heide - Bericht von der Redaktion

Ruhrpott Rodeo Tag 1, 05.08.2016 in Hünxe

Fö: Was ist das nur für 1 Ruhrpott Rodeo? Erst mal eben in den Hochsommer verlegt, und dann auch noch ein Lineup, das alle Punkerherzchen höher schlagen lässt. Da lässt es sich der Schwers zum Zehnjährigen mal so richtig gut gehen!
Roland der Voland: Das Line-Up ist in der Tat sensationell. Anreise erst Freitag Mittag, nachdem ich am Donnerstag noch auf der Ruhrpott Rodeo Warm Up in Köln im Underground war, wo Strung Out und A Wilhelm Scream gespielt haben. Gefühlt kenne ich tausendviele Menschen, aber es scheitert an mangelnder Organisation, dass alle zusammen campen, so hat es sich leider in zwei große "Lager" aufgeteilt.
Frau Aal: Dass das Ruhrpott Rodeo in den Sommer (Fö, wo ist denn dieser ominöse HOCHsommer?) verlegt wurde finde ich super, habe ich mir doch letztes Jahr Nachts im Schlafsack ziemlich einen abgefroren. Diesmal versprechen die Nächte wärmer zu werden, dennoch fahre ich mit gemischten Gefühlen aufs Rodeo. Das Rodeo wird 10, ich bin keine Zwanzig mehr und Schicksalsschläge im engsten Familienkreis führen einem die eigene Vergänglichkeit vor Augen. Aber gerade gegen düsteres Gedankengut sollte ein Punkrock Festival doch die wirksamste Medizin sein. Und so mache ich mich auf den Weg nach Hünxe zu Punkrock, Bier und einem kurzen Urlaub von meinem momentanen Leben.
OleZeh:  Endlich sind wir auch mal dabei! Lange schon haben wir mit dem Gedanken gespielt, aber da wir nun nicht gerade um die Ecke wohnen, hat es doch irgendwie nie geklappt. Doch dann - im Wonnemonat Mai - erzählt mir ein besoffener Holländer, dass die Descendents kommen und ich kaufe noch (fast) am selben Tag die Tickets. Leicht verspätet erst die Erkenntnis: Das Line-Up ist der Hammer. Wieder alles richtig gemacht...- und Sommer ist auch.
Ich selbst reise am Donnerstag mit 1 Rucksack und 1 alte Reisetasche randvoll mit pfandfreiem Schultenbräu nach Bielefeld. Der Zug fährt von Amsterdam nach Berlin und ist voll mit Interrail-Hipstern aus den USA. Gefühlt drücke ich meinen sperrigen Reiserucksack 42 Leuten ins Gesicht und zertrümmere 10 Kniescheiben und 2 Hüften mit meiner sperrigen 500kg Dosenbier-Stoffwurst. Kommentare und Gewaltandrohungen ignoriere ich hierbei gekonnt, das Ziel fest im Blick und die Rodeoplaylist auf den Ohren. In Bielefeld angekommen treffe ich dann Dominik und Orga-Chefin Michelle. Der Plan: Abfahrt Richtung Festival am Freitag, 9.00 Uhr, SPÄ-TES-TENS.
Fö: Reisegruppe M (Melle, Michi, Matze, Macke und, äh, andere) reist schon Donnerstag an. Es gilt, ein Feld zu erobern, das groß genug ist, um Platz für 7 Pavillons und 50 Leute freizuhalten. Wer auch immer diese Leute sind! Wir fallen aus allen Wolken, als wir erfahren, dass die ominösen Nachzügler Sauerländer sind.
Kabl: Reisegruppe Dinkelscherben reist erst am Freitag an und sucht ein Feld für genau fünf Leute. Ist sehr einfach. Und zwar direkt auf dem Campingplatz vor der Bühne.
OleZeh: Wir erreichen gegen Freitagmittag das Festival. Sofort stellen stellen wir hoch erfreut fest: Die Situation auf dem großen Campingplatz ist super entspannt. Keiner sperrt 100qm ab um irgendwann einmal Wikingerschach zu spielen (so wie z.B. hier). Kaum zwei Stunden später ist das Camp dann komplett und wir trinken den traditionellen Begrüßungsbrodersen. Toll.
Frau Aal: Reisegruppe Düsseldorf hat diesmal circa alles und jeden aufgesammelt um ein schickes, möglichst asoziales Camp auf die Beine zu stellen. Spoiler: Das hat wunderbar funktioniert. Der Großteil kommt Donnerstags an und schlägt sein Lager auf dem großen Campingplatz auf, schnelleren Einlass erhalten wir, weil wir uns unwissend als Bollerwagen ausgeben.Außerdem ist zu erwähnen, dass Eddy sich diesmal das richtige Ticket ausgedruckt hat und sein Bändchen ohne Probleme entgegen nehmen konnte!
Fö: Apropos aus allen Wolken: Der Himmel war auch schon mal klarer. Aber Wetterfee Michi hat eine besondere Gabe: Er kann das Wetter vorhersagen! Also beruhigt er uns mit dem Mantra "das reißt gleich auf". Matze hat übrigens auch eine Gabe, aber die verrate ich an dieser Stelle nicht.
Kabl: Unsere Zeltnachbarn hatten auch eine Gabe. Und zwar in ein Kinderplanschbecken zu scheißen. Das taten sie aber erst am letzten Abend, als ihre Schädel wohl endgültig knochenleer gesoffen waren.
Frau Aal: Am Donnerstag war ja wohl bestes Reise- und Aufbauwetter. Alle sind trocken angekommen, Zelte und Pavillons stehen und bisher werden wir nicht mit viel zu lautem Deutschrock beschallt - super! Spätestens drei Stunden nach Ankunft sind auch schon so ziemlich alle total besoffen, so muss das sein.
OleZeh: Von wegen Gaben und Nachbarn: Unsere Nachbarn konnten einen ernsten Disput dank einer besonderen Gabe schnell klären. Das Thema: Hast du vor oder nach Lagwagon gekotzt? Die Gabe: Hervorragendes Kotz-zeitgedächtnis. 
Fö: Ich hätte ja gerne son vorher-nachher-Foto gemacht, aber das vorher-Foto auf den nächsten Morgen verschoben - wo sich dann aber dieses Bild von unserem Pavillon bot. Hm. Vergessen wir das mit dem nachher-Foto.
Frau Aal: Wir waren in der ersten Nacht noch im Hinterland des großen Zeltplatzes unterwegs (Echt gespenstisch, da war fast niemand) und mitten im Nirgendwo hatte ein Pavillon eine komplette überdimensionierte PA am Start. Betrieben wurde das Ding von einem Generator,der neben dem Zeltplatz hinter einem Betonkübel versteckt war. Die waren wohl echt schon Mittags da um zu gucken wo sie den Generator positionieren können ohne dass der auffällt und haben dann ne Leitung auf den Zeltplatz gelegt. Genützt hat das scheinbar nicht viel, ab dem nächsten Tag war die Anlage tot.
OleZeh: Unser Camp hatte auf dem großen Campingplatz Marburger Nachbarn, die - und das hab ich noch nie zuvor auf einem Festival erlebt - nur gute Musik gespielt haben und zwar in einer, von unserer Position aus, perfekten Lautstärke.
Fö: Naja, mal schauen was uns der erste Act des Freitags bietet: P.I.Y. machen PUNKROCK KARAOKE und dafür darf man sich anmelden, um dann die Bühne zu stürmen. Einige machen das ziemlich gut, andere absolut unterirdisch. Karaoke eben. Zu hören gibt es z.B. Wizo, Agnostic Front, Motörhead, und so weiter.
Kabl: Ich find das Punkrock-Karaoke tatsächlich immer ganz kurzweilig. Heute auch ohne Selbstdarsteller, die bei jedem zweiten Lied auf die Bühne stolziert sind.
Kabl: Agnostic Front war witzig. Das hat ein Kind im Alter von etwa sechs Jahren gesungen. Und alle Oi-Proleten grölen mit. Köstlich.
Frau Aal: Ich kriege drei beschissene Lieder mit, dann singt jemand Ace of Spades, und das überraschend gut. Dann fängt es aber an zu schütten und ich verdrücke mich wieder auf den Zeltplatz um an meinem Pegel zu arbeiten. Ansonsten aber eigentlich ne ganz lustige Idee, besser als so ne Kackband wie Schmutzki.
Fö: Der Regen erwischt auch uns mit voller Breitseite, und bevor wir komplett durchnässt sind, wird dann doch der Rückweg zum Zelt und zur Regenjacke angetreten. Verpasst habe ich dadurch BONSAI KITTEN.
Kabl: Bonsai Kitten ist tatsächlich die einzige Band des Tages, die ich mit voller Absicht verpasse.
OleZeh: In China hat es wohl niemanden interessiert, dass hier in Hünxe gerade ein Sack Grillkohle umgefallen ist. Außerdem: Hat das ein Geräusch gemacht, wo doch keiner im Camp war?
Kabl: Ich höre, bevor ich auf ein Festival gehe, immer in ein paar Bands rein, die ich noch nie gesehen habe. So auch bei BUSTER SHUFFLE. Ich notierte mir neben den Spielplan "guter Ska".
Kabl: So begeistert war ich dann zwar nicht, aber war auf jeden Fall die beste Ska-Band des Festivals. Vielleicht weil nicht in jeder freien Millisekunde Bläser ertönt sind. Der Keyboarder hat gesungen. Und "A Message To You Ruby" wurde gecovert.
Fö: THE BABOON SHOW! Immer wieder gerne gesehener Gast auf sämtlichen Bühnen des Landes! Aber, wie ich finde, am Liebsten auf kleineren Bühnen. Die Band ist zwar definitiv für große Aufgaben gemacht, aber die große Rodeo-Bühne zu dieser recht frühen Uhrzeit lässt den Charme der Band dann doch etwas zu distanziert wirken.
Kabl: Ich unterschreibe Fös Geschreibe völlig, würde das aber noch drastischer formulieren: Auf der großen Bühne kam so gut wie nix rüber.
mary bell: War meine Rodeo-Starter Band. Ich fand es von Anfang an super. Wollte ich aber auch finden.  
Frau Aal: Wollte ich unbedingt sehen, leider entschließen sich mein Bruder und sein Kumpel, genau zur Auftrittszeit am Parkplatz anzukommen. Wären sie mit dem Auto gekommen, hätte ich sie guten Gewissens warten lassen, aber so fühle ich mich verpflichtet sie schnell zum Camp zu lotsen. Schade.
Fö: Vorteil der großen Bühne: Platz für Klettereinlage. Und das in den Schuhen!
Kabl: Habe die Band vor ein paar Wochen in einem kleinen Club in Augsburg gesehen und war begeistert. Hätte ich die Band das erste Mal auf dem Rodeo gesehen, wäre ich später wohl gar nicht hingegangen.
Frau Aal: Ich habe das tatsächlich auch befürchtet, und Dank Bierschinken bin ich jetzt auch ein bisschen weniger sauer auf meinen Bruder.
Kabl: Vielleicht ist die Bühnenshow auch zu einstudiert. Alles was in einem Club als Mitmach-Spielchen funktioniert, funktioniert wohl nicht auf der großen Bühne.
Trotzdem ist "Problem Without Knowing It" ein gottverdammter Hit, den sogar die als Einhorn verkleideten, etwas überproportionierten Damen neben mir lauthals mitgrölen.
Roland der Voland: Da ich erst gegen Zwei wirklich alles aufgebaut hatte (Zelt und so, nä), verpasse ich bis zur Baboon Show alle Bands, weil ich die Zeit zum "im Campingstuhl Bier trinken und Musik aus der Brüllbox hören und dabei Scheiße mit den lieben Leuten um mich rum, die ich teilweise viel zu selten sehe, labern" benötige.
Roland der Voland: Zur Band, ich stimme dem Fö da auch zu. The Baboon Show sind irgendwie immer geil, aber auf so einer großen Open Air Bühne ein klein bisschen weniger als sonst.
Kabl: Fazit: Gerne wieder, aber auf kleineren Bühnen.
Fö: Foto eines Fotos, geklaut von Jenny (danke!).
Dieser Personenkult im Punkrock wird aber echt immer schlimmer!
Fö: Auf diesem riesigen Banner stand übrigens in großen Lettern der Name der Band gezeichnet. Krass! Ich verdrücke eine Träne vor Rührung und eine weitere, weil mir unangenehm ist, zuzugeben, dass mir die Band so langsam zu bekannt wird.
Roland der Voland: Das Banner fand ich übrigens mega peinlich. Zum Glück haben die das nach einem Lied wieder eingerollt, sonst wäre ich ernsthaft sauer geworden.
mary bell: Unfassbar nervige Scheiße! 
Kabl: Ähnlich wie Fö Fanboy der Baboon Show ist, bin ich Fanboy von ZWAKKELMANN. Ich verdrücke eine Träne vor Rührung und eine weitere, als er tatsächlich mit "Absolut großartig" eröffnet, dem Song, den auch ein 4.-Klässler innerhalb von 5 Minuten hätte schreiben können.
mary bell: Habe ich mir das erste Mal angesehen. Wird jetzt bestimmt öfter vorkommen.
Kabl: Nur Hits, aber viel zu kurz. "Kein Punk", "Menschen bei der Nahrungsaufnahme", "Ja, vielleicht bin ich asozial". Auch neue Hits wie "Ich lieb sie so wie sie ist" und das geniale "Disco Zwakkelmann" wurden präsentiert. Auch der neue Drummer macht seinen Job äußerst souverän. Wie gesagt: Nächstes Mal bitte 120 Minuten länger.
Kabl: MICHAEL MONROE so im Vorbeigehen und dann beim Essen im Biergarten mitgekriegt. Nette Hintergrundbeschallung. Wer die Hits kennt, war sicher begeistert. An mir ging dessen Lebenswerk bisher völlig vorbei.
Fö: Michael Monroe verpasst, aber pünktlich zu THE SLACKERS wieder auf dem Gelände. Die spielen auf der größenmäßig echt angenehmer konzipierten zweiten Bühne und legen ein locker-grooviges Set hin.
Kabl: Wieder Ska. Viele Bläser und relativ gemächlich. Unspektakulär, aber nichts was weh tut.
Fö: Nett und tanzbar, nur irgendwie ohne große Höhen und Tiefen, die Ska-Pop-Vibes schweben zwar angenehm über den Platz, aber irgendwie finde ich die Band von Platte besser. Schade. Aber war wohl (hoffentlich) bloß Tagesverfassung.
Kabl: Nichts hinzuzufügen, nur kenne ich die Band auf Tonträger nicht.
mary bell: Slackers halt. 
Roland der Voland: Ich glaube ich habe die letzten Bands im Biergarten verbracht. Oder woanders.
Fö: Zeit für das erste richtige Highlight des Tages: JELLO BIAFRA AND THE GUANTANAMO SCHOOL OF MEDICINE! Jello auf der Bühne zu erleben ist einfach immer wieder ein Traum.
Kabl: Habe dieses Jahr in München die Dead Kennedys ohne Jello gesehen und fand sie klasse. Mal schauen wie die andere Version der Band ist.
Fö: Der schillernde Entertainer beherrscht die Bühne wie kein zweiter, und so gibt es neben großem Gesang und großen Gesten auch die große Lehrstunde in Sachen Politik, wo er auch auf Merkel, AfD und Trump eingeht, also irgendwie die Brücke schlägt über das, was auf der Welt gerade so kaputt ist.
Kabl: Ich habe tatsächlich noch nie erlebt, dass Angela Merkel auf einem Punkfestival einen frenetischen Applaus für ihre Flüchtlingspolitik erntet. Gibt es schon ein Subgenre, das sich "CDU-Punk" nennt?
Fö: Ja, aber vergleichst du gerade OHL mit Jello Biafra?
Fö: Ausschweifende Ansagen halten sich trotzdem in Grenzen, vielmehr muss die Musik sprechen. Ich bin mit dem aktuellen Material nicht ganz so vertraut, geht aber alles gut rein. Dass bei dem Dead-Kennedys-Material alle Dämme reißen, muss man nicht extra erwähnen, oder? Wohlgemerkt mit dem Zeitbezug angepassten Texten.
Kabl: Ich fand sowohl die neuen, als auch die alten Lieder absolut gelungen. Geile Band! Wie Fö sagt, rasten die Leute bei "California über alles" und "Holiday in Cambodia" erst richtig aus.
Roland der Voland: Habe ich zwar nur von relativ weit hinten gesehen, aber hat mich auch gut gefallen, war ganz gut Druck hinter. Außerdem hampelt der gute Mann für sein Alter echt noch ordentlich über die Bühne, Respekt!
Fö: Am Ende nochmal ne richtig lange Ansage (ihr dürft raten, worüber) und das umgemünzte "Nazi Trumps Fuck Off", was ich ziemlich großartig finde, aber andererseits muss ich auch ein wenig weinen, weil das in die Spielzeit von Knochenfabrik reingeht. Und weil ich Staub im Auge hab.
Fö: Der eine auf diesem Foto erzählt dem anderen immer, was auf jeeeden Fall in den Bericht muss
Fö: Punk 2016.
Fö: Eines muss ich mal festhalten: Keine Band des Festivals habe ich häufiger live gesehen als KNOCHENFABRIK - und trotzdem sind diese es, die mir das heutige Festivalhighlight bescheren. Bombastischer Auftritt, Jungs!
Kabl: Nicht nur das heutige Festivalhighlight, sondern der geilste Auftritt des ganzen Festivals. Sensationell.
Frau Aal: Ich habe mich sehr drauf gefreut und bin nicht enttäuscht worden! Vor allem schön auf der kleinen Bühne, wie sich das gehört!
Fö: Hier stimmt alles! Kleine Bühne, euphorisches Publikum, geile Songs, Wacken-Gedächtnis-Riffs, alles mitgrölen, yeah! Und es ist internationaler Tag des Bieres. Jemand drückt mir ein Bier in die Hand, ich bin ratzfatz betrunken und kriege Kopfschmerzen. So müssen Knochenfabrik-Konzerte sein!
Kabl: Die Metalriffs waren göttlich, ebenso wie "Im Fadenkreuz" in der fünfminutigen Jazz-Version. Ansonsten werden nur Hits geboten: Der nackte Golfer, Fuck off!, Grüne Haare, Filmriss.
Frau Aal: Die Metalriffs waren wirklich wunderbar. Ich schreie mit, eier im Pit rum und bin wirklich sehr, sehr glücklich. Und betrunken. Sehr betrunken.
Kabl: Was mich besonders freut ist, dass der größte Knochenfabrik-Hit "Schwer wie Blei" dargeboten wird. Ich habe mich wohl heiser gebrüllt. WELTHIT!!!! Und dann "Der neugierige Nachbar", etc.pp.. Bestes Knochenfabrik-Konzert jemals!
mary bell: Kann mich nur anschließen. Knochenfabrik 4 ever.
Roland der Voland: Ja, saustarkes Konzert. Wie immer mit viel Charme, Witz und Bier. War übrigens meinem Empfinden nach bei Knochenfabrik von allen Bands auf der kleinen Bühne am vollsten. Also nicht ich. Ich meine den Publikumszuspruch. Also die Anzahl von menschenähnlichen Punkern vor der Bühne.
mary bell: Interessant war es übriges zu sehen, wie Knofa auf den letzten Rodeo Plakaten immer kleiner präsentiert wurde. Die fingen mal als Headliner an.
Frau Aal: Ich glaube das ist wirklich ähnlich wie bei Baboon Show, auf der Mainstage und/oder einem der Headliner Slots funktioniert Knochenfabrik bei der mittlerweile erreichten Größenordnung einfach nicht. Kann ich mir auch irgendwie gar nicht vorstellen, kann sich keiner vorstellen.
Kabl: Ich war nie ein großer DRITTE WAHL-Fan, aber das war ein ganz starker Auftritt! Im Gegensatz zur Baboon-Show müssen die Herren auf die große Bühne. Wenn die toten Hosen beispielsweise einen solchen Hit wie "Fliegen" veröffentlichen würden, wären sie garantiert auf Platz 1. Man wünscht es DRITTE WAHL von ganzem Herzen. Sympathisch auch, dass Alex Schwers bei diesem Song Gratis-Schnapsgutscheine ans Publikum verteilt - fliegend auf einer Luftmatratze.
Frau Aal: Ich war nie ein großer Dritte Wahl-Fan, dieser Auftritt ändert da auch nichts dran. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie finde ich da keinen Zugang zu. Und ich habs wirklich, wirklich versucht - so mit auf Platte anhören und allem drum und dran.
Roland der Voland: Ich bin schon großer Dritte Wahl Fan und fand den Auftritt mal wieder Klasse. Wobei auf Festivals die "StadionRock" Lieder etwas überwiegen, vermutlich der kurzen Spielzeit und der Möglichkeit geschuldet, ordentlich mit Konfetti zu schießen. Auf Club Konzerten spielen die Jungs dann quasi "zusätzlich" noch viel mehr punkigere und flottere Sachen, was die Konzerte meiner Meinung nach dann ausgewogener macht.
Frau Aal: Ich bin unglaublich betrunken und Dritte Wahl erreicht mich irgendwie gar nicht, deshalb torkel ich zum Zeltplatz zurück und vertreibe mir die Zeit mit dem neuen Festivalspiel "Lebensmittel oder Pornotitel"
Fö: Das Wetter ist mittlerweile übrigens echt angenehm, es gibt Sonne statt Regen, und alles reißt weiter auf, als vom nahe gelegenen Flugplatz eine Ladung Chemtrails abgefeuert wird. Während wir das beobachten, spielen irgendwo anders IDOLIZED.
Kabl: Wusste gar nicht, dass ich so viele Billy-Idol-Lieder kenne. IDOLIZED ist nämlich eine Coverband. Fand ich auch saustark. Klang 1:1 wie das Original und bei "Rebel Yell" schreien sich alle die Lungen wund.
Kabl: SUICIDAL TENDENCIES. Auf Wacken vor einigen Jahren gesehen und für langweilig empfunden. Heute überzeugen sie mich aber irgendwie. Glasklarer, sauber abgemischter Sound. Ich finde heraus, dass man zu jedem Song "You Can't Bring Me Down" brüllen kann und es passt immer. Am Schluss stürmen alle die Bühne.
Roland der Voland: Geht irgendwie ein bisschen an mir vorbei, ich persönlich find die gar nicht mal so spannend.
mary bell: Habe es mir angesehen, weil ich mich verpflichtet fühlte. War ein Fehler. Auf Festivals sollte es keine Verpflichtungen geben und Suicidal Tendencies waren langweilig. Daran ändert auch Dave Lombardo nichts. 
OleZeh: Ging mir ganz genau so, nur dass ich unser ganzes Camp genötigt hab mitzukommen. Wichtige Band und so... Am Ende haben wir dann auch nur die Schultern gezuckt. Hat man die eben auch mal gesehen. 
Fö: Die alten Herren von ADOLESCENTS scheinen die wütendste Band des Abends zu sein. Sänger Tony scheint mit dem Sound der kleinen Bühne nicht zufrieden zu sein, also wirft er mal eben eine Monitorbox, ein Mikrofon und ein Mikrofonständer kurzerhand von der Bühne. Irgendwie asozial, aber irgendwie auch geil.
Kabl: Der Sänger war tatsächlich dermaßen wütend, keine Ahnung was da vorgefallen ist. Außerdem hatte er einen komischen Bauch.
Fö: Es folgt ein grandioser Adolescents-Auftritt! Schön schnell und sauber gespielt, starke Songs, recht agile Band, wow, das traut man solch alten Kapellen gar nicht mehr zu! Aber Adolescents zeigen ja auch nach wie vor auf ihren regelmäßig erscheinenden Studio-Outputs, dass sie immer noch Gespür für gute Musik haben. Und wer am Ball bleibt, kriegt das auch mit der Bühne hin!
Roland der Voland: Mein erstes Adolescents Konzert. Geil! Die bringen ne unglaubliche Energie rüber. Ich bin ordentlich beeindruckt.
Kabl: Trotz oder gerade wegen der Angepisstheit ein großartiger Gig! Nach Knochenfabrik mein heutiger Favorit. Keine Ansagen, Vollgas, die Energie wird ins Publikum transportiert. Schön!
Fö: WIZO fand ich zuletzt immer enttäuschend, heute erwarte ich also nicht viel. Mich nervt schon dieses Drumherum. Alleine schon beim übergroßen Backdrop wünsche ich mir etwas mehr Bescheidenheit für die Schwaben. Gewisse andere Tagesheadliner haben sowas nicht nötig.
Kabl: Möchten gerne so groß wie es nur geht sein und versuchen dies mit allen Mitteln durchzusetzen. Habe sie seit der Reunion noch nie gesehen, fand die letzten beiden Neuveröffentlichungen nicht sonderlich berauschend (siehe CD-Kritik zu "DER") und erwarte rein gar nichts, da ich mir diverse You-Tube-Videos angeschaut habe, die mir eher einen kalten Schauer, und das nicht im angenehmen Sinne, herunterlaufen ließen.
Frau Aal: Es wird ja generell viel rumgehatet wenn es um Wizo geht, und in vielen Punkten ist das auch verständlich. Fakt ist aber halt: Wizo ist für mich DIE Punkband, die ich einfach fest mit meiner Pubertät verbinde. Dann kam von denen ganz lange nichts. Und heute machen sie wieder Musik, die das 15jährige Kind in mir ansprechen. Ohne jegliche Weiterentwicklung, ohne thematisch zu wachsen und nach wie vor mit komplettem Schwarz-Weiß-Denken. Das muss man definitiv nicht gut finden, bemerkenswert ist es aber allemal(er Aquamaler. Spiel gut!)
Fö: Der Auftritt geht soweit eigentlich klar, allerdings geht mir Axels Stimme mittlerweile ziemlich auf den Senkel. Bin halt keine 15 mehr.
Kabl: Ausführlich über meine Befindlichkeit gegenüber der Band philosophiere ich ja schon in der CD-Besprechung. Der Auftritt: Naja. Man merkt, dass sich die Band mit dem neuen Material selbst nicht ganz sicher ist. Nach den beiden aktuellen Nummern "Adagio" und "Verwesung" werden direkt zwei der größten Hits gebolzt ("Kein Gerede" und "Kopfschuss"), vermutlich um zu garantieren, dass ja keine Langeweile aufkommt.
Frau Aal: Wizo schafft wieder eine Sache ganz besonders gut: Faktenvermittlung. Axel wäre bestimmt ein super Lehrer geworden, der einfach vorne an der Tafel steht und den Kindern so lange immer wieder das Selbe erzählt, bis es auch der klebstoffmampfende Klassendepp verstanden hat. Was ich vom 2010er Auftritt noch weiß: Der neue Bassist heißt Karacho. Was ich von diesem Auftritt noch weiß: Wizo geht im Herbst auf große Clubtour und wir sollen alle Tickets kaufen
Kabl: Ne, irgendwie ist mir das alles zu viel. Das Gespringe auf der Bühne wirkt aufgesetzt, das ständige Animieren zum Mitsingen auch, die Tourwerbung...Ich muss vielleicht selbstkritisch anmerken, dass ich mit zu vielen negativen Gefühlen vor die Bühne gegangen bin und dass es somit von vorn herein schwer war, mich zu überzeugen. Naja, letztendlich hat es auch nicht geklappt.
Roland der Voland: Ich bin da auch etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite mag ich WIZO musikalisch ja sehr gerne (ja auch das letzte Album, DER kenne ich noch nicht, die Lieder, die sie gespielt haben, gingen aber auch gut rein), auf der anderen Seite können die live schonmal ziemlich mit ihrem Gehabe nerven. So auch heute so`n bisschen, war aber auch schonmal schlimmer, aber auch schonmal besser. Unterm Strich für mich ein "durchwachsen" mit Tendenz zu "ganz gut"
Fö: Musikalisch gibts nix zu meckern. Entweder die drei Protagonisten verstehen ihr Handwerk, oder das Playback lief einfach sauber. Die Playback-Theorie geisterte jedenfalls in den kommenden Tagen umher.
Kabl: Ich halte die Playback-Theorie für unwahrscheinlich, da beispielsweise "Kopfschuss" so was von dermaßen mit angezogener Handbremse im Vergleich zur Studioaufnahme gespielt wurde, dass man das Playback runterpitchen hätte müssen. Bei diesem Lied gehe ich dann auch schlafen. Gute Nacht.
Frau Aal: Ich habe es nur munkeln gehört, dass man hinter der Bühne einen zweiten Gitarristen versteckt hätte. Und ich meine auch, die wären 2010 mit zwei Gitarren unterwegs gewesen. Aber da Betrunken im Klappstuhl das Patent auf unsichtbare Instrumentalisten hinter der Bühne hat, gehe ich davon aus, dass das alles quatsch ist und Axel nur sehr, sehr flinke Hände hat.
Fö: Wizos (mittlerweile gelöschtes) Statement zur Playback-Theorie: "du hast keine Ahnung" - hat mich auch nicht schlauer gemacht.
Frau Aal: Das Kind in mir mag die neuen Liedern, auch wenn natürlich jedem klar denkenden Menschen klar ist, dass die Inhaltlich eigentlich nicht viel anderes als pathosgeschwängerter Blödsinn sind. Ist mir aber ziemlich egal, ich bin aus Nostalgiegründen da und das bedient der Auftritt zu hundert Prozent.
mary bell: Der Sänger sollte übrigens weniger reden.
Frau Aal: Würde in Deutschland Anarchie herrschen, hätte ihm bei dem ganzen Gelaber wohl schon längst jemand ne Flasche an den Kopf geschmissen.
mary bell: Irgendwie haben die mir schon Spaß gemacht. Allerdings eher aus nostalgischen Gründen. Ich finde, Wizo sind die perfekte Deutsch-Punk-Einsteiger-Band. Ideal für pubertäre Dramen und alkoholgeschwängerte Abende. 
Frau Aal: Das ist wirklich gut auf den Punkt gebracht. Der Auftritt hat bei mir gezündet, obwohl es ohne das Gelaber und das übertriebene Rockstargetue wirlich nochmal schöner gewesen wäre. Und wo wir schon bei pubertärer Nostalgie sind: Wann kriegt Alex Schwers das Wohlstandskinder-Comeback organisiert?
OleZeh: Mir hat es gut gefallen, ich hab Wizo allerdings vorher noch nicht live gesehen und diesbezüglich auch keine Abnutzungserscheinungen. Hab sofort an meine erste Punkkassette gedacht (Seite A "Suffer", Seite B "UUAARRG!") und mir ein zweites Loch in den Arsch gefreut. Überrascht hat mich, dass "Ganz klar gegen Nazis" live deutlich besser kam als ich dachte, wogegen die Up tempo version von "Letzte Sau" mir überhaupt nicht gefallen hat.
Fö: Meine Highlights des Tages: In der Reihenfolge Knochenfabrik, Adolescents, Jello Biafra and the Guantanamo School of Medicine. Und ein starker Auftakt fürs diesjährige Ruhrpott Rodeo!
Kabl: Meine Highlights des Tages: In der Reihenfolge: Knochenfabrik, Adolescents, Zwakkelmann. Generell ein enorm starker erster Tag!
Roland der Voland: Für mich ohne jede Reihenfolge: Dritte Wahl, Adolescents und Knochenfabrik. Ach und scheiß drauf, The Baboon Show eigentlich auch.
Frau Aal: Mein Highlight war Knochenfabrik, sonst habe ich nicht wirklich viel gesehen. Starker Tag also!
Fö: Guter Auftakt, keine Frage! Mal sehen wie's morgen wird!

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