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White Lies, The Killers, Tears for Fears, 08.07.2017 in London (UK), Hyde Park - Bericht von Marci

White Lies, 08.07.2017 in London (UK)

Hallo PunkverehrerInnen!

Wie sich schon am total hintersinnigen, extrem in die Provokation gehenden Titel ablesen lässt, geht es im folgenden Bericht um einen Konzertbesuch in London. Und zwar bei meiner Lieblingsband den WHITE LIES. Ich sehe schon die Iros zusammensacken „WHITE LIES, nie gehört!“. Als Kulturliebhaber (ja, ja HEFEKULTUR) kennt ihr ja sicher den bahnbrechenden iranisch-feministischen Vampirfilm A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT. Da gibt es eine absolut megageile Szene, wo die Vampirprotagonistin den anderen Hauptdarsteller mit nach Hause nimmt und sie legt DEATH auf von WHITE LIES und sie verlieben sich im Ecstasyrausch unter der Diskokugel.
Das ist SOOOOOOOO schön.
Aber ich schweife ab, und das nach nur einigen Zeilen. Meine Fresse, wo soll das hinführen!

London. Also, irgendwann im Februar gammelten meine Freundin und ich zu Hause so rum und studierten die neuen Konzerttermine der White Lies. Kein Konzert in Schlaaand! Na,wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muß der Berg wohl zum Propheten kommen. Es standen einige Konzerte im nahen Ausland zur Debatte und letzen Endes entschieden wir uns für London. In London waren wir seit Ewigkeiten nicht mehr und dann noch ein Konzert unserer Lieblingsband, toll.
Wir öffneten im Internet die entsprechende Ticketseite und bestellten uns für nur 86 Pfund Sterling je ein Ticket. Und na ja, das Konzert soll in diesem HydePark sein und da sollen noch The Killers als Hauptband und Tears for Fears spielen.
The Killers: Dieses „are we human or are we dancer“ Lied ist das schlimmste vertonte Verbrechen in der Musikgeschichte und veranlasste meinen guten Freund Olli Oberbilk dazu, seine The Killers Vinyl Sammlung zu verkaufen. Die restlichen Lieder sind gar nicht mal so scheiße wie ich finde.
Na und dann TEARS FOR FEARS! Kennt der Jungpunk wahrscheinlich nur von WDR2 morgens wenn Mama und Papa zum gemeinsamen Frühstück zu Tisch bitten, aber damals in den 80ern waren die Superstars: „SHOUT, SHOUT LET IT ALL OUT!“
Die spielen auch eine tolle Live-Version von CREEP von Radiohead, na egal.
Hätte ich geahnt dass am gleichen Wochenende G20 Gipfel in Hamburg ist..., konnte ich aber nicht ahnen, der Termin kam erst später. Mein Freundeskreis war etwas "pissed", daß ich mich nicht zum Kampf stelle, sondern auf Hedonist mache, aber nach einigen revolutionären Versprechungen meinerseits waren die Wogen geglättet und die Absolution wurde mir vom Punk-Minister des schwarzen Blockes persönlich erteilt. Da hatte ich noch mal Glück gehabt.

Ich mache es mal kurz, du kannst ja schließlich nicht ewig dein Smartphone in der Hand halten, da wird ja der Akku warm.
Irgendwann sitzen wir im Flieger nach Heathrow, das ist einer der Flughäfen von London, und ja nu, fliegen so dahin. Völlig ereignislos. Seitdem ich mit meiner Band 100blumen die Griechenlandtour gemacht habe, ist meine Flugangst wesentlich weniger geworden und meine Freundin sitzt ja auch neben mir und...schnarcht. Die hat nämlich überhaupt keine Flugangst.
Irgendwann sitzen wir in der U-Bahn, die heißt dort Underground oder wird auch TUBE genannt und düsen bei 32 Grad unserem Feriendomizil in West Hampstead entgegen. West Hampstead kennt keine Sau. Wir auch nicht. Ist aber ganz nice dort, mehr Britannien geht meines Erachtens gar nicht. Und wie freundlich die hier sind! Ist mir früher gar nicht so aufgefallen. In der U-Bahn wollte schon ein vorbeigehender Rastafari den Koffer meiner Freundin die Treppe hoch tragen. Das ist uns so noch nie irgendwo passiert. Später am Abend bekam sie auch noch einen Sitzplatz im überfüllten Pub angeboten. So sind die in London. Dass hier innerhalb der letzten Monate mehrere islamistische Anschläge mit mehreren Toten waren merkt man nicht. Kaum Bullen auf den Straßen, die heißen hier übrigens Bobbies. Nun ja, der Kritiker in mir muss an dieser Stelle anmerken, daß London komplett kameraüberwacht ist.
Die Pubs in der Innenstadt sind mit Regenbogenfahnen geschmückt, denn am nächsten Tag, wenn das Konzert ist, ist auch die PRIDE in London. Das ist deren Cristopher Street Day Parade.

What can I say?
Englisches Bier und ich waren bisher keine großen Freunde. Bis zu diesem Wochenende. Ich habe ein Bier gefunden und das war wirklich gut: CAMDEN HELLS. Ein super Bier. Nicht billig, aber wir sind ja auch im Urlaub. Naaa jaaaa, billig ist in London eh nichts. Das „Pint“ kostet zwischen 5,5 und 7,5 Pfund im Pub. Wer wissen will, wieviel Liter Bier so ein Pint genau ist, googelt doch mal eben. Ich nehme an, es ist etwas mehr als 0,4 Liter.
Was hat das alles mit Punk zu tun fragt sich die geneigte Punkerin? Eigentlich ziemlich wenig. Und das ist der Punkt! In der Wiege des Punk zu sein und hier nirgends auch nur einen gefärbten Iro zu finden ist schon ziemlich traurig. Erst drei Tage später, als wir sonntags in Camden Town waren, sollten wir zwei Punker sehen. Ok, einer scheidet aus, weil der einen The Exploited Rückenaufnäher trug (GRAUENHAFT!), der andere könnte auch Tourist gewesen sein, so wie wir. Camden Town, als „Alternative“ betiteltes Kackviertel wo wirklich alles durchkommerzialisiert ist. Da hast du mehr Punk in Recklinghausen oder Bielefeld. Echt Ey!
In London ist sogar ein alter Lappen wie ich aufgrund meiner grünen Haare aufgefallen. Kein Scheiß! Ich wurde mindestens 15 mal wegen der Haare angequatscht, aber das im positiven Sinn. Nicht so wie eine Kartoffel-Oma vor 30 Jahren zu mir meinte: „Bei Adolf hätte es sowas nicht gegeben“.
Nope.
Eine Frau in der U-Bahn hat sogar meinen Hintern fotografiert. Echt wahr. Sie meinte, dass sie sowas verrücktes noch nie gesehen hätte. Genau genommen meinte sie nicht meinen (ziemlich ansehnlichen) Arsch, sondern den Aufnäher auf meiner Gesäßtasche.
Krehsi oder?

Ich kürze das Ganze noch mal kurz ab.
Irgendwann war dann Samstag Nachmittag und wir sind zur Konzert-Location gefahren.
Als wir am Hyde Park ankamen, waren wir ziemlich erstaunt. Es waren tausende und abertausende Menschen unterwegs. Es war bestes Wetter, ok. Aber mit einem solchen Andrang hätten wir nicht gerechnet. Die Venue war mit einem 4 Meter hohen Zaun aus Metall-Platten umrandet und man konnte nur erahnen wie groß das Gelände wirklich ist.
Wir mussten noch unsere Tickets abholen an einem Kartenhäuschen. Was im 21. Jahrhundert ganz normal ist, sich Tickets zuhause auszudrucken, ging anscheinend nicht. Keine Ahnung warum.
Wir haben unsere Tickets jedenfalls problemlos bekommen und mussten allerdings zum Nordeingang, denn wir waren exakt auf der anderen Seite. Vorbei an hordenweise Bobbies gingen wir dann ca. 10 Minuten zum Nordeingang. An dem Tag hatte ich mein All Cats Are Beautiful T-Shirt an, das es beim Svenno in Berlin beim Disorder Rebellstore zu kaufen gibt.
Es war mir ein kleines bisschen unangenehm, denn einer der Bullen der uns entgegen kam hat den Schriftzug laut seiner Kollegin vorgelesen, ...“ALL CATS ARE BEAUTIFUL“, hahaha. Ich nehme einfach an er hat es sportlich genommen.
Am Nordeingang angekommen mussten wir unsere Taschen leeren und es ging durch einen Metalldetektor wie am Flughafen. Hab brav meinen Nietengürtel gezeigt und schon ging es weiter.
Als wir nach ein paar Metern drinnen waren, wurde uns das ganze Ausmaß der Veranstaltung erst mal bewusst: hier waren bestimmt 50.000 Menschen. Überall Bier und Fressbuden, ein Kettenkarussell und so ein Ding wo man an so Bungeeseilen nach oben geschleudert wird. Und überall so Stände von Barclay. Das ist der Sponsor von dem Event. Du hättest dir da auch eine Kreditkarte beantragen können. Ich war noch nie auf so einem durchkapitalisierten Ding und war erstmal ziemlich erstaunt. Da muss erst mal ein Drink her. 6,50 das Pint Fosters 4 % Leichtbrühe, na darauf einen Dujardin!
Tears for Fears sollten dann auch bald spielen und wir sind nach vorne gegangen. Ja geschissen! Wir konnten nur bis auf 200 Meter ran an die riesige Bühne. Wenn wir ganz nach vorne wollten, hätten wir ein anderes Ticket kaufen müssen. Oder für nur 55 Pfund pro Person „UPGRADEN“, ja leck mich einer fett!

Als Ex-Gothic ist meine Freundin helles Licht und wärmende Sonnenstrahlen nicht so gewohnt und wir suchten uns ein schattiges Plätzchen neben einer Weinbar 50 Meter von der anderen Bühne (es gab 4 Bühnen), wo später White Lies spielen sollten. Hahahaha, auch bezeichnend, daß neben der Weinbar noch Platz im Schatten war, während alle dicht gedrängt vor den Bierbuden lungerten. Diese BritInnen, verrückte Typen.
Wer übrigens nicht so auf oberkörperfrei steht, sollte sich nicht auf britischen Konzerten herumtreiben. Krebsrot und im Spagat wurde hier gezeigt was man hat, oder was man besser verdecken sollte.
Tears for Fears fangen ihr erstes Liedan, „EVERYBODY WANTS TO RULE THE WORLD“.
BOAH GEIL!
Ich kann mich nicht im Schatten halten und latsche paar hundert Meter zurück Richtung große Bühne. Es hängen ein paar Leinwände rum und ich stelle mich mit einem frischen Pint dingsbumms PILSNER für 6 Pfund in die Menge, um die Lieder meiner Jugend Revue passieren zu lassen.
Es ist eine Bombenstimmung bei den anwesenden älteren Semestern. Fast alle außer mir scheinen schon granatenstramm zu sein und es wird gesungen was das zahnlose Gebiss hergibt. Ich singe natürlich mit, natürlich nur um nicht aufzufallen.

Ok, entschädigt einen nicht für die Strapazen, sich ein Live Konzert auf einer Leinwand anzusehen, vor allem wenn man 86 Pfund bezahlt hat. Aber wenn Tears for Fears nach Düsseldorf kommen würden, ich würde hingehen. Irgendwann war auch das Live Set zu Ende und ich ging zurück zum Schattenplatz, wo meine Freundin schon entspannt auf die nächste Band wartete, BRITISH SEA POWER. Nie gehört. Zuerst war das alles nicht so mega, aber nach einer Viertelstunde oder so wurde es musikalisch besser und es kam plötzlich ein Mensch im Eisbärenkostüm auf die Bühne. Irgendwann kam noch ein Mensch im Braunbärenkostüm auf die Bühne und beide gaben einen zum besten. Das war schon irgendwie lustig. Wer Post-Punk mag und auf alternative Gitarrenmucke aus GB steht kann sich ruhig mal BRITISH SEA POWER anhören.

Nach 40 Minuten waren die auch durch und auf der riesigen Bühne, ein paar hundert Meter gegenüber, startete ELBOW. Wer die nicht kennt, … ist auch egal. Mega boring!

So, jetzt war es bereits kurz vor 20:00Uhr und ich besorgte mir noch schnell ein Pint Heineken für 6 Pfund. Ich schulterte meine Freundin und wir gingen etwas weiter in Richtung Bühne. White Lies kommen, fangen an zu spielen und ich bin glücklich.
Süß wie Honig, himmlisches Manna für die Ohren, gebenedeit unter den britischen alternativen Bands: White Lies. Und der Sänger sieht so gut aus! Ich glaube meine Freundin möchte ein Kind von ihm, die anwesenden Herren der Schwulencommunity (ihr erinnert euch, LONDON PRIDE) und ich aber auch.
Die Menge tanzt und singt jeden Refrain mit. Als die Band DEATH anstimmt, bollert am Höhepunkt des Liedes kiloweise weißes Konfetti in die Höhe. Es sieht aus wie ein Schneesturm. Und wir sind mittendrin.
GEIL! Richtig geil! Wir dancen und werfen unsere labbrigen alten Körper in die Luft. Schön! Überall weißes Konfetti und wir springen im „Schneesturm“ umher, haaaaach einfach schön!
Leider ist das Konzert pünktlich nach 45 Minuten zu Ende. Aber wir haben Bock und freuen uns schon total auf deren Konzert im Oktober in Düsseldorf im Zakk.

Wir sind dann noch zu einer der Leinwände gegangen und haben ein paar Lieder von The Killers angesehen- Als dann „are we humans...“ kommt, verlassen wir die Venue und den Hyde Park und genehmigen uns noch ein Pint „irgendwas“ für 7,5 Pfund in Soho.
Wenn die Welt jetzt untergehen würde, es wäre mir egal....

yours
Marci
Nach einem langen Tag kann man auch mal die Beinchen hochlegen und ein Thatchers reinrandalieren.
Vor der Bude von dem Sigmund Freud in West Hampstead.
Camden Hells. Überteuertes Craftbeer das aber richtig gut schmeckt.
Der Hase und ich, endlich im Hyde Park angekommen
Küsschen gestohlen

Große Freude nach einigen Bieren und ziemlich viel Sonne :D
Rote Briten. GAY PRIDE!
Konfettischneesturm bei den WHITE LIES

(FB nicht mehr anzeigen?)

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Thruntilldeath
(Thruntilldeath)
17.07.2017 21:41
JA UND DER AUFNÄHER? HALLO?
marci

18.07.2017 10:03
Was ist mit dem Aufnäher?
Thruntilldeath
(Thruntilldeath)
18.07.2017 23:31
Ja genau!
marci

19.07.2017 06:07
Was da draufsteht?

"NO GOVERNMENT WILL EVER GIVE YOU FREEDOM"
Thruntilldeath
(Thruntilldeath)
20.07.2017 00:36
Danke! Das ist aber viel Text für einen Popoaufnäher. Ansonsten lese ich das einfach nochmal mit der Vorstellung, dass das Dingens da jetzt da ist. Kann man eh gerne nochmal lesen hier.

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