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Daggermouth, Hightower, 28.04.2018 in Kiel, FahrradKinoKombinat - Bericht von Thruntilldeath

Daggermouth, 28.04.2018 in Kiel

Guckste so aus Langeweile (ANDERE GRÜNDE GIBT ES NICHT DA DIESE WEBSEITE DER TEUFEL IST!!!!) bei Facebook rein und erinnerst dich daran, dass Gerdi irgendwann mal ganz aufgeregt "DAGGERMOUTH SPIELEN IN KIEL?" brüllte, es dazu aber keine Ankündigung eines Konzertschuppens gab und auch lange nichts im Netz zu finden war. Und dann, zack, Posting der Infernal Crust Brigade (Die kleinen schwarzen Schreimäuse aus der Alten Meierei), und mittendrin zwischen Vladimir Harkonnen und Kannichnichtlesendennamen-Ankündigungen dann Daggermouth. In der Alten Mu. Passt alles auf den ersten Blick nicht zusammen, auf den zweiten auch nicht, war am Ende aber alles total sinnvoll und in seiner Konsequenz nur logisch, dass es genau so passieren musste. Das FahrradKinoKombinat zu besuchen stand eh schon lange auf der Liste, war ich bisher doch nur ein Mal beim Klohmarft zugegen, und das vor 10000 Jahren. Also Bier ins Scheißmaul reingesoffen, ab aufs Rad, wir fahren zum FahrradKinoKombinat!

Und das Schöne an der Alten Mu ist ja, dass irgendwo immer irgendwas los ist. Ob das nun DJs mit furchtbarem HipHop im Innenhof bewerkstelligen, Konzert im Cafe, Grillsteinofenbierstandirgendwas vorm Eingang, da wuselt und kruselt alles so vor sich hin. Totaler Hippiekack, da kann man gleich zum Wilwarin fahren, ey!
Daggermouth sind son typischer Vertreter dieses schnellen, poppigen hardcore-angehauchten Punkgerödels der mittleren 2000er. Sprich Set Your Goals und Konsorten, kennste einen, kennste alle. Pop-fucking-punk?! Und haben auch genau in dieser Zeit ihre beiden Alben Stallone und Turf Wars veröffentlicht und sich kurze Zeit später aufgelöst. Und wie das so bei alten Herren aus dem amerikanischen oder skandivanischen Sprachraum Usus ist, gibt's 10 Jahre später dann doch wieder die Reunion inklusive Tour.

We're back together. We all missed each other. Growing up sucked. Playing Pop Punk makes us happy. New album in the works.
Dass nach so vielen Jahren kein Hahn mehr nach Band kräht, dürfte da nicht weiter überraschen und so musste auf den üblichen Plattformen kräftig die Werbetrommel gerührt werden, damit überhaupt mehr als zwei Menschen auftauchen. Hat auch besser geklappt als befürchtet, sodass schon zur ersten Band ca. 25 Personen den allseits beliebten Kieler Halbkreis vor der Bühne bildeten. Aufgrund der geographischen Nähe Kiels zu Skandinavien wurde wie immer die Beleuchtung in Rot gehalten. 
Damit aber dieser Interpretationsansatz nicht schon wieder aus der Schublade gezogen werden muss - ganz ehrlich, wer hat den Scheiß gelesen? - bat ein aufmerksames Mitglied der veranstaltenden Konzertgruppe doch darum, bitte schnellstmöglich die Farbkomposition zu verändern, um weiteren Spätfolgen vorzubeugen.
Und relativ schnell tauchten auch schon die ersten blauen Farbtupfer im roten Farbenmeer auf, alldieweil sich auf der Bühne eine gewisse wuselige Hektik breit machte und die kleinen Franzosen von HIGHTOWER ihre Instrumente wie der gute Deutsche sein Auto im Winter schon mal warmlaufen ließen. Ins kalte Auto zu steigen und Scheiben zu kratzen ist auch echt nichts, womit sich ein Deutscher abgeben sollte.
Hightower klingen wie Set Your Goals oder Daggermouth. "Kennste einen, kennste alle", und trotzdem wirkt das alles erfrischend und arg unterhaltsam. Etwas gemäßigtere Geschwindigkeit im Vergleich zu anderen Bands, viele Mitwipp-Breaks, dann wieder Vollgas und alle haben Spaß. Viel Pop, hoher Gesang, 30 Minuten ohne große Ansagen durchs Set geknattert, wieso auch nicht?
Konsequent keine Zugabe gespielt und links und rechts strahlende Gesichter hinterlassen. Hightower, Douze Points! Absolutes Überraschungsding, da ich mir unbekannte Bands vorher einfach nicht anhöre. Anhören, nö, mach ich nicht, so Richtung Fö mäßig. Dann freut man sich hinterher auch einfach viel mehr, wenn's so schee war. Oder verpasst beim MPF Bands, weil man nicht wusste, dass man sie sehen will. Fluch und Sägen! 
Ich find ja auch so Pausenfüllerbilder immer geil, also einfach auch mal hier jetzt noch 'ne Dose Bier aufmachen oder sowas. Prost.
Dann sollte, nachdem wir draußen vor der Tür noch mit den zahlreichen Gästen die Vor- und Nachteile der Kieler Wohnraumsituation und störende Geräusche zu nächtlicher Zeit erörterten, auf einmal schon die mächtigen DAGGERMOUTH die Bühne betreten. Die Umbaupause war viel zu kurz und somit nur noch den letzten Teil des wohl besten Album-Openers Abracadabra Holmes mitbekommen.
Und ganz verwundert anschließend den Blick auf die beiden Typen am linken Bühnenrad geworfen, die aus den Tiefen ihrer Hardcore-gestählten Körper jede Textzeile hervorholten und von links nach rechts vor der Bühne auf und ab affenhardcorten. Oder wie man das nennt, weiß ich nicht. Egal. Was ist denn in Kiel los, mittanzen und -singen am Samstag Abend? Kein Halbkreis?
Dass sowas in Kiel eigentlich verpönt ist, konnten die beiden auch nicht wissen. Die kamen extra aus Aarhus angereist. Schön 2,5 Stunden nach Kiel eiern, zweimal 30 Minuten Bands gucken und wieder zurück. Aber gut, wer im Set auf die Bühne läuft, stagediven will, niemanden zum Auffangen findet und dann einfach ins Sofa springt, der macht auch sowas.

Nicht, dass die Stimmung nicht gut gewesen wäre, aber die beiden haben das nochmal eine Stufe höher gehoben.
Wahnsinniges Highspeedgebretter, was Daggermouth hier abliefern. Kurze Verschnaufpausen nach den Sub-2-Minuten-Krachern durfte sich jeder mal abholen ("It's ok, you're old!"), und wenn der Sänger nicht mehr kann, wird einfach der Sänger von Hightower ans Mikro gestellt. Und der scheint genauso ein kleiner Fanboy zu sein wie die zwei Dänen. Ker, wat hatten hier alle Spaß, Reise in die eigene Spätadoleszenz und hüpfen und springen und grinsen. Wer war da nicht ein wenig verliebt in diese Band?

Zweites Novum: Der Drummer von Daggermouth musste aus beruflichen Gründen nach Hause, sodass ab diesem Abend der Hightowerdrummer aushelfen musste. Aufgeregt wie ein kleines Kind, aber tadellos zum Tanze aufgespielt. Und entsprechend der Geschwindigkeit der Songs nach dem letzten Lied auch total am Ende wie der Rest der Meute. Der Vorteil, wenn es nur Hochgeschwindigkeitsgeballer gibt, keine Zeit für Zwischenansagen, runterzocken, fertig.
Und der finale Beweis, dass die Turf Wars einfach der Stallone überlegen ist, war dann auch der letzte Song des Sets: You do this as a fad, we do this as a lifestyle, welcher ebenfalls der letzte Song des Turf Wars-Albums ist. Diskussion beendet.

"In time the pain fades away but we'll never forget you, Louise James", alle ran ans Mikro, die letzten Kraftreserven rausgebrüllt und die schönsten 30 Minuten der letzten Monate waren vorbei. Wobei schön bei den autobiographisch geprägten, arg depressiven Texten vielleicht das falsche Wort ist?! 
Nutzlose Trivia: Kenny Lush ist nicht nur Gitarrist bei Daggermouth, sondern auch noch professioneller Wrestler. Und wie der Rest der ganze Band ein richtig netter Typ. Geil war's! Danke Veranstaltungsteam! LG euer Lexi!

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Gerdistan
(Gerdistan)
02.05.2018 13:44
Nanana Lexi, seit wann werden hier denn ganz unreflektiert "Gewalt erzeugt Gegengewalt"-Texte glorifiziert?

In diesem Sinne: You deserve to die, you deserve to fucking die!
Thruntilldeath
(Thruntilldeath)
02.05.2018 22:26
In der Tat, die Zeile hat so ein Geschmäckle. Basierend auf der Tatsache, dass diese Band einfach so nett ist, würde ich jetzt mal sagen, dass diese Zeile eventuell nur den Frust und die Hilflosigkeit ausdrücken soll, und sich sowas bestimmt schon mal jeder gedacht hat. Aber Relativiererei beiseite: Selbstjustiz ist kacke und dumm.
Thruntilldeath
(Thruntilldeath)
02.05.2018 22:27
Und der Rest vom Song ist ja wieder ein ganz anderes Thema. Diese eine Zeile aber... Achja.
Gerdistan
(Gerdistan)
03.05.2018 10:06
Selbstjustiz, das war das Wort, das mir nicht eingefallen ist.

Ist aber auch nicht nur diese eine Zeile, lies mal den Text von "Hawt Lixx", da liegt schon einiges im Argen.
Thruntilldeath
(Thruntilldeath)
03.05.2018 19:21
Ja und wenn man dann auch noch sich das eine Lied von Have Nots anschaut, dann darf ich gar nichts mehr hören. Scheiß Doppelmoral.

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