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Festival der schlechten Laune: Hysterese, Egotronic, Hammerhead, Reiz, 28.04.2018 in Wuppertal, Börse - Bericht von der Redaktion

Festival der schlechten Laune, 28.04.2018 in Wuppertal

Fö: Schlechte Laune! Genau mein Ding! Heute ist aber auch echt alles scheiße. Wetter scheiße, wenig Schlaf scheiße, Autofahrt scheiße, Wuppertal scheiße, Tobias Scheiße. Um der schlechten Laune ein Denkmal zu setzen, steht heute das "Festival der schlechten Laune" an. Na das kann ja was werden.
fred: Ich hab immer noch richtig schlechte Laune, von dem Konzert gestern in Düsseldorf. Man hab ich ein Bock heute auf die Scheiße, ich denk mir nur besser als gestern kann es echt nicht mehr werden. Na gut, rein ins scheiß Auto und mit meiner besseren Hälfte ab ins scheiß Wuppertal.
Der Gaar: Auf dem Weg ins Wuppertal erstmal schön in die falsche Bahn gestiegen und in die falsche Richtung gefahren - Laune sinkt von "mäßig begeistert" auf "schon ziemlich mies", Bier will auch noch nicht so wirklich gut runter rutschen. Endlich an der Börse angekommen, bin ich dann auch ziemlich schlecht gelaunt.
Fö: Als heutige Location haben sich Hammerhead das Wuppertaler Bibelmuseum ausgesucht. In der Bibel stehen hilfreiche Tipps, was man gegen schlechte Laune tun kann: Selbstgeißelung, Völker ausrotten, Ziegen ficken.
Der Gaar: Auch Steinigung ist ein Must-Have auf dem steinigen Weg des Self-Improvements. Das Bibel-Museum sorgt für einige Lacher und Gekicher, hihi.
Fö: Das Festival ist angelegt als eine Art Achterbahn der schlechten Gefühle, aus der es kein Entrinnen gibt. What happens in the bible, stays in the bible. Deswegen weisen die Türsteher harsch darauf hin, dass man den Laden zwischendurch nicht verlassen darf. Den Punkern vor der Tür (z.B. Marc Gärtner) steht die Angst ins Gesicht geschrieben.
fred:Auf die schlechte Laune erstmal ne Cola um rauf zu kommen, durch den hohen Koffein- und Zuckergehalt steigt meine schlechte Laune immer weiter nach oben.
Der Gaar: Der stolze Bierpreis von 3,50 Euros ist sehr Punker-unfreundlich, ich keuche entsetzt auf und verfluche die (wirklich!) nette Bedienung dafür und für ihre Nettigkeit. Pah!
Fö: Erste Band. REIZ. Aus Mannheim. "Seid ihr auch alle schlecht drauf?", begrüßt uns Sänger Berny mit niedergeschlagene Miene. Als Antwort fliegen ein paar Bierbecher. Entsprechend dem Motto der Veranstaltung habe ich keinen Bock auf Musik und schaue mir das Treiben von weiter hinten an.
Fö: Irgendwann aber doch nach vorne, in der Hoffnung, einigen minderjährigen Konzertbesuchern den Abend so richtig zu verderben, indem ich mich direkt in ihr Sichtfeld stelle.
fred: Wir haben uns direkt anne Seite etwas abseits gestellt, damit wir nicht noch mehr schlechte Laune bekommen, die Leute nerven auch alle total ab, und am liebsten würde ich direkt wieder nach Hause fahren.
Fö: REIZ machen quäkigen 77er Garage-Punk mit deutschen Texten, so à la Shocks und Konsorten. Bringt normalerweise die Beine zum zappeln, aber heute bewegt sich höchstens das Nervenkostüm.
Der Gaar: Als REIZ die ersten Töne spielen, denk ich mir "Jau, die haben auch zu viel The Shocks gehört." Von daher find' ich das schon ziemlich geil.
fred: Fand die auch richtig schlecht, nee, bewegen will sich hier echt nichts. Ab zum Bierstand schlechtes Bier kaufen.
Der Gaar: Wie schon gesagt, wie The Shocks, nur in jung und schön. Bei mir keimt sowas wie gute Laune auf, dafür verachte ich REIZ zutiefst, was fällt denen ein mein extra für den heutigen Abend hart erarbeitetes Mindset zu zerstören?! Pah! Diese miesen Jungspunde!
Fö: Für den Frevel, auf einem Festival das ausdrücklich der schlechten Laune gewidmet ist, die Daumen nach oben zu strecken, wird dieser junge Revoluzzer irgendwann im Keller eingesperrt und muss sich durch die Diskographie von Roy Black quälen
Der Gaar: Nach Roy Black dann bitte auch Freddy Quinn in Endlosschleife.
Der Gaar: Trotz meiner Verachtung für die Band kaufe ich dann doch noch die Platte und laber' am Stand die Band gnadenlos zu. Berny findet das (glaube ich) ziemlich lustig, der Rest der Pfadfinder-Gruppe ist von meinem verstrahlten Gelaber allerdings abgefuckt. Ich freue mich.
Fö: Dann HYSTERESE. Hinzugekommen als Ersatz für die im Meeresboden versenkten Shitlers. Ist dann auch der einzige Lichtblick der Veranstaltung. Also nicht dass Hysterese spielen, aber dass die Shitlers nicht spielen.
fred: Als ich das gelesen hab, dass die Shitlers nicht spielen hab ich noch mehr schlechte Laune bekommen und wollt die Tickets direkt in die Tonne donnern.
Fö: Heute verprellen Hysterese ihre eingeschworenen Fans dadurch, dass sie zu viele alte Songs und dann auch noch zu viele neue Songs spielen. Außerdem ist die Musik zu laut. Das will doch keiner hören!
Fö: Der heutige Lichtmischer nimmt seinen Job sehr ernst und liegt, den Kopf in den Händen gebettet, auf einem großen Schalter mit der Aufschrift "blau". Dass blau die Farbe der Hoffnung sein soll, ist an Zynismus wohl kaum zu überbieten.
Der Gaar: HYSTERESE ist echt gar nicht mein Ding. Das geht mir gar nicht gut ein, pah! Das riecht nach Studiengang Soziale Arbeit und/oder Germanistik und Geschichte auf Lehramt.
Der Gaar: Was mich auch richtig abturnt ist diese gewisse Affektiertheit des Typen links auf der Bühne. Jedes mal, wenn der mit so nem verschmitzten Lächeln seinen Kopf herumschüttelt, wenn er diesen einen, ich nenn's mal "Doubletime-Up-and-Downstroke"-Teil spielt, wirkt das auf mich wie zuhause vor'm Spiegel einstudiert. Uiuiui, fakefakefake. Kann ich mir aufgrund dessen nicht geben und lass mich lieber draußen beim Rauchen von Alt- und Jungpunkern anpöbeln. Pah.
Fö: Bassist Haug schaut verschämt zu Boden. Wie kann man diesen Krach nur gut finden.
fred: Ich glaube der hatte auch ziemlich schlechte Laune, so das er die ganze Zeit mit dem Rücken zu uns stand.
fred: Ich muss sagen HYSTERESE machen ihre Sache wirklich schlecht.
Fö: Dann ein motivationsloses Standard-Set von HAMMERHEAD. Die grauen Herren des Hardcorepunk sind heute noch griesgrämiger als sonst und kloppen auch noch die restlichen Emotionen weich.
fred: Der Typ am Bass ist auch ein richtig schlechtes Negan-Double (von so 'ner Serie), kein Plan was das soll, meine Laune ist fast komplett im Keller.
Der Gaar: Zeit für Hyper-Maskulinität. Schreckt mich anfangs echt hart ab weil ich's nicht verstehe.
Fö: Ins anfangs eher teilnahmslose Publikum kommt erst etwas Bewegung, als ein Mob breitschultriger Stiernacken durch die Reihen zieht und Leute verprügelt, die auch nur leiseste Anzeichen guter Laune zeigen. Vollkommen zu recht! Was fällt denen ein!
fred: Hab es auch nicht verstanden, man wird nicht schlau aus den Leuten.
Der Gaar: Eigentlich wollte ich HAMMERHEAD gnadenlos zerreißen, aber ich hab dann zuhause nochmal meine Hausaufgaben gemacht, mich mit der Band beschäftigt und kann jetzt leider keinen Verriss mehr schreiben. Dafür find' ich die Mukke und die Fick-auf-alles-Einstellung von HAMMERHEAD einfach zu geil. Also scheiße, weil ich schlechte Laune haben will. Darum: Verachtung! Pah.
Fö: Eine Konzertbesucherin steigt zwischendurch auf die Bühne und fragt die Band, ob sie ihnen Glitzer ins Gesicht pulvern darf. Mit den Worten "nee, das juckt eh schon so doll" zerquetscht Tobias Scheiße ihren Schädel mit bloßen Händen und wirft die zuckend-wabbrige Körpermasse vor die Bühne. Einem alten Ritual folgend, spucken die Zuschauer dicke Flatschen auf ihren Leib.
Fö: Ansonsten ist das Hardcore-übliche Konzept "Unity" heute aus seinen Angeln gehoben. Jeder säuft für sich alleine und alle stieren teilnahmslos auf die Bühne.
Fö: Ein weiterer Zuschauer maßt sich an, auf der Bühne zum Stagedive anzusetzen, als gerade Songpause ist. Als er entschuldigend lächelt, platzt den Verantwortlichen der Kragen, der Schuldige bekommt eine blutige Lippe verpasst und wird von der Meute über den Zaun geworfen.
fred: HAHA...das war auch richtig schlecht.
Fö: Schließlich die Techno-Schwachmaten von EGOTRONIC. Dieses Elektro-Gepiepe kann einem echt noch den letzten Nerv rauben. Die Berliner machen heute das einzige, was sie können: Den Rausschmeißer spielen für die versprengten Reste grummeliger Festivalbesucher.
fred: Als die ersten Töne erklingen, zermatscht es meine Gehörgänge komplett zu Brei, meine Laune ist nur wirklich am Tiefpunkt. Also schlechter geht es nicht mehr.
Der Gaar: Das ist mir alles zu jung und zu hip. Ich lasse mir draußen Biere ausgeben, schau' dann gelegentlich mal rein um mich zu überzeugen, dass das nix für mich ist.
Fö: In einem Paralleluniversum hätten alle total viel Spaß daran, wie hier Punkmusik vergewaltigt und mit Füßen getreten wird. Aber das Wuppertaler Publikum bleibt besonnen, wirft noch ein paar Bierbecher auf die Bühne und wendet den Blick zurück aufs Handy, um weiter den Instagram-Status zu checken.
Der Gaar: Währenddessen lasse ich mich draußen von angemessen schlecht gelaunten Menschen anpöbeln. Da fühle ich mich wohl.
Fö: Als Band kennt man das: Der einzige Mensch, der das Motto "schlechte Laune" ernsthaft zu seinem Lebensmotto gemacht hat, ist traditionell der Tourbusfahrer. Natürlich ist auch hier Egotronics Fahrer Patrick keine Ausnahme. Zu allem Überdruss wird er auch noch genötigt, sich auf der Bühne zum Affen zu machen.
fred: Egotronic lieferten so Songs wie "Deutschland, Arschloch, Fick dich!" oder auch "Scheiße bleibt Scheiße" oder "die neue Hammerhead" ab, durch die Songs ist nur der Abend endgültig versaut, alle haben schlechte Laune.
Fö: "Wer möchte noch, dass das hier alles schnell vorbei ist?", fragt Sänger Torsun beiläufig das Publikum, während er Fußball-Ergebnisse auf seinem Handy checkt. Die leeren Gesichter vor der Bühne recken pflichtbeseelt die Arme.
Der Gaar: Ich tüftele inzwischen an meiner Exit-Strategie, dieses Punkrock-Gerave geht mir stark auf die Nerven, man möge mich bitte zum Bahnhof bringen. Pah.
Fö: Weil ihm das alles zu lange dauert, latscht Torsun schließlich ins Publikum und haut alles zu Klump.
Fö: Die letzten Überlebenden können sich auf die Bühne retten und verbrennen dort im Scheinwerferlicht.
fred: Wir haben es nicht mehr ausgehalten und mussten raus. Fernab von schlechter Musik, schlechten Leuten mit schlechter Laune, schlechten Bier und schlechter Location, wurde die Laune Meter für Meter immer besser.
Fö: Strahlender Held des Abends: Tobias Scheiße bemächtigt sich des Keyboards, erklärt das Festival der schlechten Laune für beendet und führt uns mit dem Schlachtruf "Gude Laune!" in ein neues Zeitalter. Erleichtert atmen alle auf, langjährig Zerstrittene liegen sich in den Armen, eine Wolke der Glückseeligkeit wölbt sich über die Anwesenden und zu einem etwa 5stündigen Rave-Set von DJ Tobias Scheiße feiern wir unsere Befreiung aus dem Dogma der schlechten Laune.
Der Gaar: Abschließend muss man anmerken, dass das Barpersonal und die Brecher an der Tür komplett konträr zur Tageslosung drauf waren. Alle total nett und so, wie soll man denn da seine schlechte Laune pflegen? Ich hätte mir ein angenehmes Angeranze gewünscht, stattdessen kam viel zu oft ein "Noch ein Bier? Aber gerne doch!" - totale Anfänger, das üben wir nochmal, ne?

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