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Anarchist Bookfair: Unicorn Partisans, Dáša Fon Fľaša, Prach, Ctib, 18.05.2019 in Prag (CZ), Bike Jesus - Bericht von Fö

Anarchist Bookfair, 18.05.2019 in Prag (CZ)

Tag 2 in Prag! Gestern ein echt gutes Ärzte-Konzert erlebt, heute dürstet es uns nach weniger Mainstream-lastigen Programm.
Zum Wesentlichen: Im Hostel eine recht angenehme Nacht verbracht, aber dass an nem Samstagmorgen tatsächlich an der Baustelle vorm Fenster gearbeitet wird, hätte ich nicht gedacht. Als die tschechische Reisegruppe sich später beim (auswärtigen) Hostelwirt mokiert, sagt der nur "It's your country, construction sites everywhere! Lots of workers with their hands in their pockets."
Ich genieße die ersten Sonnenstrahlen auf dem Náměstí Míru vor der Friedenswache, von dort aus geht es mit Therese und Jörgi zum "Moment", einem veganen Cafe das sehr vielversprechend klang und die Erwartungen voll erfüllt. Leckeres Frühstück und auch die Mittagskarte klingt so verheißungsvoll, dass wir kurzfristig überlegen, einfach sitzen zu bleiben.
Wir stellen fest, dass wir uns heute größtenteils östlich vom Bahnhof aufhalten, während die Grundattraktionen Prags doch eher westlich und um die Moldau zu finden sind. Gute Gelegenheit also, dem Altstadt-Trubel zu entfliehen.
Zunächst müssen aber noch unser Appartement für heute beziehen. Dieses liegt im Žižkov-Viertel, wo es relativ alternativ zu geht und im Gegensatz zu den Teilen von Prag, die man als Touri sonst so mitbekommt, merkt man dass hier das "echte" Leben stattfindet, auch wenn sich bemerkbar macht, dass auch hier die Gentrifizierung Einzug erhält.
Zwei Straßen weiter findet die "Anarchist Bookfair" statt, wo wir natürlich gerne mal vorbeischauen. In drei Läden gibt es diverse Angebote (Essen, Trinken, Lesungen, Diskussionen, Musik, Bücher, Zines), die uns einen Einblick in die hiesige Szene geben. Im Salé, einem anarchistischen Infoladen, gibt es Vokü gegen Spenden und engagierte Leute.
Im Prostor 39, einem multicultural space, findet der Hauptteil der Messe statt. Auf drei Etagen reihen sich diverse Stände aneinander, es gibt Zines, politische Lektüre, Shirts und Snacks. Von der in der ersten Etage stattfindenden Lesung verstehen wir kein Wort, unter den Büchern ist aber auch einiges an englischsprachigen Texten. Therese und Jörgi decken sich gut ein, ich bleibe ungebildet.
Wir haben noch viel Zeit und sind guter Dinge, ein wenig abseits der üblichen Touri-Pfade zu verweilen. Kurzer Spaziergang zum Mystic Skatepark auf der Insel, hier war ich schon vor 6 Jahren und es ist immer noch ein angenehmer Ort, auch wenn für uns als Nicht-Skater eher passiver Natur. Dafür gibt es im Kabuff günstiges Bier und ein strahlend blauer Himmel versprüht gute Laune.
Jörgi hat aber noch andere Ziele: Der Exil-Münchener muss unbedingt das heutige Bayern-Spiel sehen, hat sich aber immerhin entschieden, keine Sports-Bar aufzusuchen, sondern stattdessen unter freiem Himmel sein Datenvolumen zu überziehen. Gerade als es spannend wird, ist das Volumen aufgebraucht. Jörgi rastet aus und verprügelt die unschuldigen Skater mit einem Rollbrett. Ach, diese Fußball-Fans. Schon irgendwie süß.
Nee, ist natürlich Quark, natürlich bleibt alles relaxt. Wir weichen auf den klassischen Touri-Move aus und fragen so lange in umliegenden Bars und Cafes nach WLAN, bis man uns irgendwo duldet. Das gibt mir die Chance, ein leckeres "Ice Cream Cookie Sandwich" zu essen, während Jörgi davon schwärmt, dass diese Meisterschaft ja viel spannender war als die 7 davor. Gähn.
Auf dem Rückweg stolpern wir noch über das Kulturzentrum "Kasárna Karlín" mit großen Innenhof und viel Betrieb, sieht auch sehr nett aus. Abends gibt's hier gratis-Kino, aber so gut ist unser tschechisch dann doch nicht.
Ein Ziel haben wir noch: Den Veitsberg, der eine ganz angenehme Aussicht und ein patriotisches (buh!) Nationaldenkmal verspricht. Leider findet hier oben heute ein Techno-Festival statt, weswegen wir nicht bis zum Denkmal kommen und keinen Rundumblick genießen können.
Wieder zurück zur Anarchist Bookfair, wo wir uns gegen Spende nen veganen Burger im Hinterhof vom Salé gönnen und auf der Straße vorm Prostor39 ein paar Singer/Songwritern lauschen, die abwechselnd spielen und aus dem Fenster heraus die Nachbarschaft beschallen.
Es handelt sich um die Releaseshow für das Songbook "A-písničky", das verschiedene anarchistische und antifaschistische Lieder enthält, heute vorgetragen von den KünstlerInnen Beltza Gorria, Dáša Fon Fľaša und Oi Oi Piratoi. Die ZuschauerInnen belagern Bürgersteige und Straßen, sehr schöne Atmosphäre hier!
Später geht es ins Bike Jesus, einer belebten Bar mit großer Außenterrasse. Im gemütlichen Keller findet die Aftershowparty der Bookfair statt. Wir kennen zwar keine der auftretenden Bands, sind aber ganz zuversichtlich.
Anscheinend abgesagt hat die queerfeministische Truppe "Have you seen Jenny". Als wir reinkommen, spielen gerade PRACH aus der Slowakei. Zu hören gibt es durchaus eingängigen Punkrock, der mir bis auf die Sprachbarriere ziemlich zusagt.
Ein paar Lieder kriegen wir noch mit, aber dann geht auch der Auftritt dem Ende entgegen. Schade, hätte ich dann doch gerne mehr von mitbekommen. Aber es lässt sich auch hier reinhören. Muss sagen, live hatte das doch etwas mehr Wucht.
Der anschießend auftretende CTIB ist ein Typ, der spaßige Elektro-Beats vom Laptop laufen lässt und mit ausufernder Mimik und Gestik drüber singt. Klingt jetzt schlimmer als es ist, ich fand es wirklich ziemlich unterhaltsam, obwohl für uns Fremdsprachler kein Wort zu verstehen war - außer "pivo" und "wino". Die BesucherInnen haben auch ihren Spaß, es wird fleißig gefeiert und am Ende sogar gut mitgesungen.
Danach DÁŠA FON FĽAŠA, der schon zuvor am Prostor39 ein paar Stücke zum Besten geben konnte, diesmal mit vollem Set. Es gibt Akustikpunk, zum Glück mit Betonung auf Punk, nämlich relativ rau und schnell. Hier stört mich die Sprachbarriere dann doch, hätte gerne verstanden worum es ging, auch zwischen den Liedern wurde das Publikum gut unterhalten.
Möglich dass auch einiges an Cover-Material dabei war, nur eben eingetschechischt (oder eingeslowakischt, auch er kommt aus dem Nachbarland). Er erwähnte zumindest irgendwas von Minor Threat (da bin ich mit dem Liedgut aber nicht so vertraut) und am Ende gab es "Always look on the bright side of life", aber eben in hiesiger Sprache.
Letzte Band: UNICORN PARTISANS aus Dresden und Murmansk. Na toll, schon wieder Kartoffeln, denken wir nur. Andererseits sinkt die Sprachbarriere. Elektropunk mit Technobeats aus diversen Drehreglern und Gesang mit diversen Effekten. Der Knöpfchendreher alias Scheng Fou spielt sonst Schlagzeug bei Guts Pie Earshot und lebt hier seine elektronische Seite aus, Sängerin Tan-Ya textet dazu auf deutsch, englisch und russisch und wirft ab und zu Glitter ins Publikum.
Die Texte scheinen relativ gesellschaftskritisch zu sein, was sich auch in den Ansagen bemerkbar macht. Von den Texten aber verstehen wir wenig. Da hilft's auch nicht, dass Scheng Fou offensichtlich andere Vorstellungen davon hat, wie laut ein Konzert sein muss, als der Laden. So fordert er irgendwann, doch ne ordentliche wilde Techno-Party zu feiern, wo der Laden doch eh bald schließt. Gefeiert wird auch gut, mir sind die Töne aber einfach zu stumpf und monoton und die Lieder zu lang, das kann nicht lange fesseln. Also ziehen wir uns nach hinten zurück und nach einem letzten Bier geht es irgendwann die Straße rauf ins Bettchen.
Blick zurück auf die belebte Straße am Ende einer anarchistischen Buchmesse. Geil dass es solche Orte und Möglichkeiten gibt, trotz immer trauriger werdender politischer Lage.
Das war ein schönes Wochenende in Prag! Morgen geht's dann zurück...

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