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Die Ärzte, 17.05.2019 in Prag (CZ), Lucerna Music Hall - Bericht von Fö

Die Ärzte, 17.05.2019 in Prag (CZ)

Eigentlich hatte ich (ebenso wie viele andere) da echt nicht mehr mit gerechnet, aber die Ärzte spielen tatsächlich wieder Konzerte! Seit 6 Jahren gab es keine Konzerte mehr, für mich ist das letzte Mal sogar 8 Jahre her, damals auf der "Laternen-Joe"-Tour, wo ich eher enttäuscht war. Aber trotzdem hab ich diesmal wieder Bock!
Ob die Band selbst Bock hat oder nur Kohle will weiß ich nicht, sei ihnen aber beides gegönnt. In diesem Jahr gibt es Deutschland-Exklusiv-Deals bei Rock am Ring und im Park, was eher für die Kohle-Theorie spricht - aber vorab gibt es eine Club-Tour durch die Nachbarländer in relativ kleinen Läden mit 1000er bis 2000er Kapazität, was schon wieder ziemlich cool ist.
Wie abzusehen war der Vorverkauf ziemlich chaotisch und innerhalb von 1 bis 30 Minuten alle Tickets weg auf durchgehend überlasteten Servern. Mit mehreren PCs an unterschiedlichen Orten versuchten wir, an Tickets für Prag zu kommen, das zweite Konzert der Tour. Einzig Bönx war es vergönnt, überhaupt erst auf den Server zu kommen. 4 Karten gesichert! Danke Bönx!
Doch, oh Schreck, wegen familiärer Verpflichtungen kann ausgerechnet Bönx dann doch nicht mitkommen, als Ersatz springt Jörgi ein. Im Namen von Jörgi also: Danke, Baby-Bönx! Und danke, dass die Tickets für Prag nicht personalisiert waren...
Ich reise mit dem Zug aus Dortmund an. Nachdem ich die letzten Tage größtenteils auf der Autobahn verbracht habe, heute also die ganze Nacht bis zum Vormittag im Zug in so ungefähr dieser Position.
In Berlin muss ich umsteigen und bin zufälligerweise sogar wach, dort gesellen sich Jörgi und Therese zur munteren Reisegesellschaft.
Einmal über die Grenze, bitte! Trotz EU gibt es eine Passkontrolle. Nachdem wir zuvor noch Witze gemacht haben über Jörgis Perso-Lappen und er versicherte, dass dieser noch gültig sei, bringt ihn der Zollbeamte auf den Boden der Tatsachen: Der Personalausweis ist seit Dezember abgelaufen, was Strafe koste, und zudem sei er auf dem Foto aufgrund des fehlenden Bartes nicht erkennbar, was doppelt Strafe koste. Einer unserer Mitreisenden im Abteil  will Jörgi schon seinen Rasierer leihen, aber da wechselt der Beamte zum "good cop", redet von einem "big present" und lässt uns weiterreisen. Puh. 5000 Kronen gespart.
In Prag angekommen, haben wir noch etwas Zeit bis die Unterkunft bezogen werden kann. Da wir alle schon öfters in Prag waren, gibt es eigentlich wenig Neues zu begucken, aber wenn man schon mal hier ist...
Also Standard-Touri-Prozedere, wir streunern durch die Altstadt und begucken Sightseeing-Objekte, die wir eh schon kennen.
Was wir noch nicht kennen: Das "Vegan's" auf der Burg-Seite der Moldau, wo es sogar vegane Varianten "traditioneller" Gerichte à la Gulasch und Knödel gibt - und sogar mit Dachterrasse! Unser Gourmet-Test ergibt, dass wir schon besser gegessen haben, aber dafür schon mal schlechter gesessen.
Wir flanieren durch Wein und finden heraus, dass hier morgen um Mittag ein Prosecco-Fest startet. Man ey, warum erst morgen?
Apropos saufen, mittlerweile ist auch in Tschechien angekommen, dass alkoholfreies Bier ein wunderbares Substitut ist, und so gibt es dieses in den meisten Bars. Probiert habe ich Birell und Bernard, beide relativ bitter aber bekömmlich.
Weiter zum Hostel. Die erste Nacht bin ich separat von den anderen untergebracht. Habe mich für ein Bettchen im "Marge Inn" entschieden, ein kürzlich eröffnetes kleines Hostel. Sauber, günstig, gemütlich, netter Betreiber - kann man empfehlen! Meine Zimmergenossinnen, eine Mittvierziger-Truppe auf Geburtstagsfeier-Trip, waren auch sehr umgänglich, zumindest bemühten sie sich, leise zu sein, als sie nachts um 5 von ihren Feiereskapaden zurück kamen. Aber vorerst bin ich alleine und nutze die Chance für einen kleinen Powernap.
Dann aber weiter, schon mal beim Lucerna Ballsaal schauen, was so los ist! Einlass ist erst in ner Stunde, natürlich ist schon ne ordentliche Menschentraube vorm Laden. Ich komme zeitgleich mit dem örtlichen Security-Team an, das über die frühen Besucher auch nur verwundert ist und sich feixend zu den Straßenalkis gesellt. Auch irgendwie sympathisch. Wir entfliehen erstmal dem Treiben und hocken uns zu Pommes und Pivo (das sind leider keine örtlichen Punkernamen) auf den Wenzelsplatz. Pivo natürlich alkoholfrei, alles andere wäre in der Prager Innenstadt verboten und Jörgi hat wegen seinem Bart panische Angst davor, kontrolliert zu werden.
Zum Einlass ist die Schlange schon gut angewachsen, brave Kartoffeln wie wir sind stellen wir uns irgendwann an. Aber als es dann reingeht, läuft eigentlich alles relativ geordnet und zügiger als gedacht. Zudem wird unsere Konzerttruppe komplettiert durch Sina und Jan, die soeben angekommen sind.
Drinnen wird erstmal gestaunt. Der Saal ist wirklich wunderschön! Wohl der schönste Saal, den ich in dieser Größenordnung je gesehen habe. Irgendwie um die 2000 Leute sollen hier reinpassen, die sich aber gut verteilen auf Innenraum und Logenplätze. Ich bevorzuge ja Läden mit einem Zehntel dieser Kapazität und habe dementsprechend wenig erwartet, aber das hier ist echt schick!
Es gibt keine Vorband und etwa Viertel nach 8 beginnt das Konzert mit dem kürzlich veröffentlichten neuen Song "Rückkehr". Es folgt ein über weiten Strecken echt großartiges Konzert! Super Setlist, gewohnt gut aufgelegte Band, angenehmes Publikum, wow! Hab echt nicht erwartet, dass mich das nochmal so mitreißt.
Zu Beginn entschuldigt sich Farin in englischer Sprache, dass sie ausschließlich auf deutsch singen und reden werden. Finde ich etwas zwar etwas schade, kann mich z.B. ans Sziget erinnern, wo auch für die "internationalen"Fans viel geboten wurde, aber die drei tschechischen Konzertbesucher im Raum müssen dann wohl raten, was gesagt wird. Das ist auch ein Punkt, den ich an dieser Tour etwas blöd finde, aber vermutlich auch nicht anders händelbar war: Musikinteressierte oder sogar Ärzte-Hörer im Ausland haben nicht wirklich ne Chance, die Band in "ihrem Land" mal zu sehen, weil das mit dem Vorverkauf vermutlich nur die Die-Hard-Fans mitbekommen haben. Aber naja.
Gut gemischte Setlist (hier zu finden), viele Alltime-Favorites dabei und dafür wenig "aktuelles" Material der letzten Alben. Gut für mich! Dabei aber auch ein paar Schmankerl, die so vermutlich bei Rock am Ring nicht zünden würden, unter Ärzte-Fans aber für glänzende Augen sorgen.
Ich freue mich über Sachen wie "2000 Mädchen", "Punkbabies", "1/2 Lovesong", "Omaboy", "Außerirdische"... - ja doch, einiges echt Starkes dabei! Und ihr loses Mundwerk haben die Nulpen auch nicht verloren.
Die Ärzte müssen sich noch bei Greta Thunberg entschuldigen, für die Umwelt ist diese Tour eine einzige Katastrophe: Mit den meisten Konzertbesuchern saßen sie bei der Anreise im gleichen Flugzeug. Na, gut dass wir uns für Zug entschieden haben! Irgendwer muss die Umwelt ja retten!
Was ich immer noch bei den Ärzten schätze: Sie sind einfach keine perfekte Band. Es gibt ein paar Verhunzer und zwischendurch muss Farin sogar mal zu Rod rüber latschen, um sich die Akkorde zeigen zu lassen. Süß. Fast wie auf nem Punkkonzert!
Apropos Rod, der bekam seinen eigenen Part und tauschte mit Farin die Seiten für ein paar Songs: 1/2 Lovesong, Sohn der Leere, Anti-Zombie. Sehr schön die Ansage zu letzterem: "Mein Onkel war Lachsfischer in Dresden und pflegte zu sagen: Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, gehen die Vollidioten auf die Straße".
Der Saal ist echt sehr dankbar. Man kam ohne viel Mühe nach vorne, konnte sich aber auch auf den gleich zwei Stockwerken umfassenden Emporen mit guter Sicht aufhalten. Vorne am Rand fand ichs auch echt angenehm, hatte Platz zum Tanzen und konnte trotzdem viel sehen. Vielleicht ist aber bloß das Publikum älter geworden. Relativ "modene" Spielchen wie diese superpeinlichen Wall-of-Death-Kreise gab es trotzdem, Mitklatscher auch, aber das war zu erwarten und ist in dem Rahmen wohl nicht zu verhindern. Würde auch sagen, dass der Anteil an totalen Überfans geringer war als erwartet, so an den Song-Reaktionen gemessen. Die Überfans sind ja mittlerweile Besserfans und reisen schon mit eigenen Nightlinern an. Vermutlich sind die mittlerweile auch gebrechlich und beobachten das Geschehen mit dem Opernglas von der Loge aus.
Witzigstes und nachhaltigstes Geschehen: Spontan wurde ein Song improvisiert namens "Der Willi", anscheinend ging es um einen gleichnamigen Bühnentechniker. Es folgten gefühlt 10 Minuten lang diverse Wortspiele und Reime auf "Willi" - laut Farin mit dem Ziel, das Konzert auff 3 Stunden Länge zu strecken. Wurde nicht ganz erreicht, aber das war wirklich ein witziger Filler, der mal wieder gezeigt hat, wie spontan und kreativ die Ärzte agieren können - da kann kein Freestyle-Rapper mithalten. Wie Farin und Bela sich die Bälle zuwerfen, herrlich.
Hier sieht man nochmal die Halle im Rahmen einer Laola-Welle, die erst über die Ränge und dann durch den Innenraum geführt wurde, wobei der Innenraum lediglich verbal teilnehmen sollte. Mitmachspiele sind immer eher unangenehm, aber wie die Ärzte das hier aufs Korn nehmen ist echt wieder ziemlich witzig.
Ein Highlight natürlich auch "Klaus Peter Willi und Petra", seit 1985 (und gestern in Warschau) nicht mehr gespielt. Kannte ich bisher nur unter dem Namen "Peter ist hässlich und klein" von irgendnem Bootleg - von solchen selten gehörten Schmankerln hätte es ruhig mehr geben können. Zudem hier natürlich eine willkommene Möglichkeit geboten wurde, mal wieder Willi zu erwähnen.
Muss sagen, dass mich das ganze Graf-Dingen von Bela mittlerweile etwas nervt, so auch heute bei "Dein Vampyr" und "Der Graf". Aber nuja, da müssen wir wohl durch.
Am Ende gab es, wie passend, den neuen Song "Abschied" und mit "Schunder-Song" und "Kopfüber in die Hölle" die für mich besten Stücke des Sets. Einfach unerreichte Klassiker!
  Anschließend, ihr kennt das, Zugaben. Gleich dreimal müssen die Ärzte zurück auf die Bühne. "Westerland" durfte nicht fehlen, das zum Großteil vom Publikum gesungen wurde, mit nur dezenter instrumentaler Begleitung durch die Band - auch ne sehr schöne Idee! Auch wenn das Publikum sich an einer Stelle versingt und den Refrain zu früh ansetzt. Inklusive Jörgi und mir. Ups. Aber das passiert den besten...
In einer Zugabepause fordert das Publikum "ohne Elke gehen wir nicht nach Haus", woraufhin Farin klar stellt, dass er auf das Lied keinen Bock mehr hat und sie als Band ihre Authentizität bewahren wollen, indem sie nur Lieder spielen, die sie auch spielen wollen. Finde ich absolut verständlich und wenn wir ehrlich sind, hat Elke nun wirklich nen scheiß Text, der so nicht mehr in die Zeit passt. Stichwort Bodyshaming und so.
Die letzte Zugabe mit "Hurra" und "Dauerwelle vs Minipli" war auch noch in sehr geiler Abschluss. Wirklich gute Songauswahl! Hatte echt lange nicht mehr so viel Spaß auf nem Ärzte-Konzert!
Anschließend noch ein Absacker-Bierchen in ner kleinen Kneipe, bevor es ins Bettchen geht - war ein langer Tag! Morgen sind wir auch noch in Prag, mal schauen was wir da so erleben.

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Band:
Die Ärzte
Musikstil: Rock, Punk
Herkunft: Berlin
Homepage: www.bademeister.com
Konzertberichte: 51
Platten-Reviews: 1

Location:

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