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Resist To Exist Tag 3: Es War Mord, The Restarts, The Spartanics, Social Enemies, One Step Ahead, BoykottONE, Kaos Urban, Unterbäzahlt, Non Servium, 04.08.2019 in Berlin, Orwohaus - Bericht von Zwen

Resist To Exist Tag 3, 04.08.2019 in Berlin

Nachdem wir es gestern aus dem Großstadtsumpf noch irgendwie in die sichere Behausung geschafft haben, verlässt mich Frau Wolfram sehr früh am Morgen des heutigen Tages. Da ich aber irgendwie auch nicht so wirklich lange schlafen kann, fange ich stattdessen an, mir ein dekadentes Frühstück zuzubereiten. Ich habe auch zuvor den ausdrücklichen Befehl erhalten, alles aufzubrauchen, was noch so an Lebensmitteln offen vor sich hinvegetiert. Also, schmecken lassen! Übrigens habe ich es geschafft, zum ersten Mal in meinem Leben einen Gasherd zu benutzen und habe nicht mal die Bude in die Luft gejagt. Darauf erstmal einen Frühstückstee. Als ich fertig bin, räume ich noch etwas auf und mache mich dann auf dem Weg zum Resist. Dadurch verpasse ich leider auch den heutigen Vortrag und damit die letzte Chance auf ein wenig politisches Rahmenprogramm zwischen vielen Bands und noch mehr Alkohol. Ich bin so inkonsequent!
Immerhin schaffe ich es heute zum allerersten Mal, mir den Opener anzuschauen. Dieser hört auf den Namen UNTERBÄZAHLT und macht typischen Deutschpunk. Leider auch alles, was ich an Deutschpunk blöd finde. Vor allem die Stimme des Gitarristen hangelt sich leiernd von Ton zu Ton, während er zu drei Akkorden Melodien auf der Klampfe brätscht.
Ansonsten ist auch das Songwriting jetzt nicht so wirklich innovativ. Es gibt halt Songs gegen Bullen und über Freunde. Alles sehr klischeemäßig und Plattitüde. Naja, nächste Band!
Die schimpfen sich THE SPARTANICS und spielen drinnen. Musikalisch gibt es eine Mischung aus Oi! und Streetpunk, der stark von allem beeinflusst ist, was früher so von der Insel gekommen ist. Songs sind catchy und locker-flockig leicht, haben aber trotzdem einen gewissen Druck. Mir gefällt es vor allem in Anbetracht der frühen Stunde recht gut.
Draußen geht es derweilen weiter mit SOCIAL ENEMIES und als ich gerade meine Kamera zücken möchte, kommt vom Bassisten eine Ansage, dass es cool wäre, wenn jetzt mal keine Fotos und Videos gemacht werden würden. Die Band stünde schließlich zusammen mit anderen Bands u.a. auch One Step Ahead (kommen gleich noch) und The Spartanics (Ui, das überrascht mich! Als Oi!-Band wohl auf zu vielen linken Festivals gespielt?) im Verfassungsschutzbericht Sachsen 2018 unter der Rubrik "Linksextremistische Musikszene". Da dies nun mal nicht jeder im Umfeld cool findet bzw. man so Angriffsfläche bietet, wird das Publikum gebeten doch bitte keine Fotos zu machen. Scheint auch jeder zu verstehen.
Nur ein schon sichtlich angetrunkener Punker wankt in Richtung Bühne und beschwert sich lautstark, warum die Band "nicht einfach drauf scheißt". Dafür gibt es dann auch eine kleine Ansage von der Crew. 

Auftritt an sich ist übrigens ziemlich gut, und es gibt ein schönes HC-Brett mit ordentlich Dampf. Übrigens wurden weder Hunde noch Bullen oder Schweine bei der Pyroshow verletzt und zum Glück fand das Spektakel ja auch draußen statt.
Gut ist auch die Ansage für die drei Menschen, die kürzlich in Hamburg bei G20 festgesetzt wurden, weil sie "brennbare Flüssigkeiten" dabei hatten und heute immer noch im Knast sitzen. Auch wenn ich mich ein bisschen über den freudschen Versprecher der Sängerin amüsieren muss, der aus "brennbaren Flüssigkeiten" mal eben "Sprengstoff" macht.
Als nächstes spielen auch schon ES WAR MORD. Normalerweise bin ich ja kein Fan von diesem deutschsprachigen Düster-Punk, aber das was ich auf den letzten Konzerten der Truppe erleben durfte, war eigentlich immer ziemlich phänomenal.
Und auch heute ist das wieder sehr mitreißend. Der Sänger schmeißt sein Mikro schwungvoll in alle Ecken, verrenkt sich und lässt die Versenden im Mund zuschnappen wie eine Mäusefalle. Ich bin tatsächlich hin und weg. Mal wieder eine richtig starke Nummer!
Ich habe zwar keine Ahnung, wo dieses Zirkuszelt sein soll, aber es gibt hier ein Zelt, wo man seine Kinder abgeben kann. Natürlich nur auf Zeit. Tatsächlich hat das Resist auch Leute gefunden, die ein wenig den Nachwuchs bespaßen, damit Mami* und Papi* in Ruhe der Musik lauschen und ein paar Kreuzberger Tage ohne Geplärre verlöten können. Sehr löblich!
Wie schaffe ich jetzt eine gute Überleitung von Geplärre zu ONE STEP AHEAD zu finden? Gar nicht! Hier stimmt heute einfach alles. Sowohl die Ansagen, wie auch die Musik sind genau auf den Punkt und kommen mit ordentlich Druck von der Bühne. Sei es gegen ein vom Westen bzw. Norden konstruiertes Afrikabild oder eine gute Ansage gegen Mackeridioten. Ja, letzteres ist leider selbst auf solch korrekten Festivals wie dem Resist immer noch nötig, so schreit jemand neben Lawi am Bierstand eine der Helferinnen wohl ständig mit "Ey Süße. ey Süße, ey Süße" an. Das solche Typen das aber auch nicht checken! Immerhin gab es dann statt nem Bier eine ordentliche Ansage. Richtig so!
Dann erzählen One Step Ahead noch, wie sie irgendwo gespielt haben und dann bestimmte Songs nicht spielen durften, die sie dann aber letztendlich doch gespielt haben. Richtige Bad Boys eben.

Zum Schluss gibt es dann noch "In der Kneipe zur trockenen Kehle" zu hören. Klute kommentiert es sarkastisch mit den Worten: "So jetzt simma mit der Politik fertig, jetzt gehts ans Saufen!".
Ich muss mal wieder lachen.
Jetzt aber erstmal wieder rein zu BOYKOTTONE. Der hat früher immer mal wieder bei uns im Rattenloch gespielt, da kann man doch mal gucken, was er heute so macht. Joa, ist so Antifa-Rap mit ganz guten Texten, aber der Sprechanteil ist mir dann doch zu hoch. Vor allem, als die Musik ausgeht und er einfach nur labert. Aber ich habe auch keine Ahnung.
Somit bleibe ich auch nicht lange und schlage mich stattdessen wieder nach draußen.
Dort spielen gerade KAOS URBANO und machen antifaschistischen Streetpunk. Das ist so für die Mittagssonne ganz cool, kann mich jetzt aber auch nicht wer weiß wie mitreißen. Ansagen sind konsequent alle auf spanisch. Publikum applaudiert aber trotzdem.
Auf der Dauer ist mir das tatsächlich ein wenig zu lahm, Eingängigkeit hin oder her.
Ska Bullshit Bingo you're welcome!
Dann NON SERVIUM, ebenfalls aus Spanien. Finde ich klasse, dass man beim diesjährigen Resist auch auf ein inter- bzw. antinationales Line Up geachtet hat. Non Servium gefallen mir richtig gut. Linke Gassenhauer mit ordentlich Dampf!
Am Ende des doch sehr langen Auftritts wird sich dann noch ernsthaft dafür entschuldigt, dass jetzt draußen Schluss sein muss. Warum  entschuldigt ihr euch denn? Ist doch alles supi! Aber wahrscheinlich seid ihr einfach nur zu nett und zu sehr besorgt um unser persönliches Spaß-Barometer. Diese Sorgen sind wohl unbegründet, aber trotzdem danke!
Dann noch drinnen THE RESTARTS. Irgendwie hatte ich in Erinnerung, dass ich die Band nicht mochte, habe aber noch mal in alten Berichten gestöbert und kann das definitiv nicht bestätigen. Heute machen sie sowieso alles richtig, brettern ordentlich rein und bringen das ganze Orwohaus nochmal zum Beben. 
Knackige Ansagen und deftiger Streetpunk. So gefällt mir das.
Da nach dieser Wucht eigentlich nichts besseres mehr kommen kann, beschließe ich, mir die LOS FASTIDOS zu klemmen und stattdessen lieber meine letzte Nacht hier in Berlin nochmal voll zu genießen. Natürlich verpasse ich die letzte Bahn und natürlich reicht auch eine achtstündige Busfahrt am nächsten Morgen nicht, um die gemachten Eindrücke zu verarbeiten. Resist To Exist, das war einfach nur wunderschön.
Zum Schluss nochmal vielen Dank an alle Menschen, die dieses Festival möglich gemacht haben. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was für ein logistischer, bürokratischer und mentaler Kraftakt es gewesen sein muss, das komplette Dingen mal eben von Kremmen nach Marzahn zu verlegen und hier für alle eine großartige und reibungslose Party zu garantieren. Mein vollster Respekt! Nächstes Jahr dann hoffentlich wieder in Kremmen.

Die Äcker denen, die drauf tanzen!

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