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Untergang! Festival Tag 2: Kotzreiz, Pestpocken, Endlich schlechte Musik, Wutgeschoss, The Vageenas of Death, 14.12.2019 in Mülheim/Ruhr, AZ Mülheim - Bericht von der Redaktion

Untergang! Festival Tag 2, 14.12.2019 in Mülheim/Ruhr

Fö: Tag 2 der Studie zur Erforschung gesellschaftlicher Interaktion in verschiedenen Weltuntergangsszenarien. Am Vortag gab es einige sehr aufschlussreichende Erkenntnisse, die zumindest in begrenzten Maße Hoffnung machen. Aber nun schauen wir mal, wie die Probanden die Nacht überstanden haben! Glücklicherweise konnte ich eine Ausnahmegenehmigung erhalten, die Nacht nicht im Weltkriegsbunker verbringen zu müssen neben den anderen Testsubjekten, stattdessen konnte ich in Ruhe zuhause Kräfte sammeln und erste Erkenntnisse direkt aus dem Forschungslabor zu Papier bringen. Tag 2 beginnt dementsprechend damit, in Erfahrung zu bringen, was in der Zwischenzeit geschah. Die positive Nachricht: Ein Großteil der Testpersonen hat die vergangene Nacht überlebt! Betritt man die Halle, merkt man insbesondere, dass die Luftzirkulation in diesen Gemäuern noch optimiert werden könnte - ein Aspekt, der sich aber je nach Szenario als kompliziert heraus stellen könnte, da ja unter Umständen außerhalb unseres Rückzugs-AZ überhaupt kein natürlicher Sauerstoff mehr vorhanden sein könnte. Man denke nur an eine atomare Verseuchung oder ähnliche Vorfälle. Ich vermute, dass da die Gebäudetechnik noch einige Fortschritte machen muss und auch Experimente mit künstlich hergestelltem Sauerstoff forciert werden müssen. Dass der Sauerstoffvorrat im AZ bereits nach einem Tag zur Neige geht, ist ein Zustand, der so garantiert nicht gewollt ist. Aber genau darum geht es ja in dieser Testreihe: Schwachstellen finden und beheben, bevor der wirkliche Weltuntergang eintritt. Denn dann hat man überhaupt keine Zeit mehr, aus Fehlern zu lernen.
Karhu: Das heutige Untergangsszenario beginnt mit WUTGESCHOSS. Die bringen mit schwarz-rot-goldenem Anglerhut und Schutz- bzw. Bullenhelm genau die richtigen Accessoires mit. Schließlich werden diese beiden Bevölkerungsgruppen sicher mal ihren Anteil an der Apokalypse haben.
Wuffi: Die Hardrock-Einflüsse holen mich nicht allerdings nicht ab. Daran kann auch die ironisch-klamaukige Performance nichts ändern.
Fö: Da ich bei der Verteilung von Atemmasken noch nicht anwesend war, kann ich nach dem Eintreffen noch nicht direkt persönlich die Situation in der Halle prüfen. Ich gucke dann mal, ob ich im Raum neue Erkenntnisse gewinnen kann, wo nun THE VAGEENAS (of death) auftreten.
Fö: THE VAGEENAS (of death) sind eine postapokalyptische Reinkarnation von THE VAGEENAS. Wie man sieht, haben diverse Seuchen ihre Spuren hinterlassen an Gesichtern und Körpern von Babette (of death), Frankzecko (of death), Volker (of death) und Burn (of death). Nichtsdestotrotz bieten THE VAGEENAS (of death) einen energiegeladenen Auftritt.
Fö: Insbesondere Babette (of death) springt wie eh und je munter über die Bühne und erkundigt sich zwischendurch immer mal sorgfältig um die Belange der anderen, wie hier Burn (of death). Die Lieder handeln zum Großteil von gefährlichen, menschheitsvernichtenden Krankheiten ("You make me SICK"), aber auch Tierschutz haben sich THE VAGEENAS (of death) auf die Fahnen geschrieben. Ein sehr wichtiger Aspekt, der in all den Überlegungen um ein Überleben der Menschheit nach der Apokalypse viel zu selten berücksichtigt wird. Babette (of death) rät uns dazu, Delphine aus den Zoos zu retten und per Wochenendticket ans Meer zu bringen, wo sie höhere Überlebenschancen haben als in künstlicher Aufzucht.
Karhu: Geht es nach der Band, wird es nach der Apokalypse auch im Sport und in der Fankultur große Änderungen geben. Damit setzen sie sich in ihrem Song „Eiskunstlauf-Hooligans“ auseinander. Außerdem gibt’s Erste-Hilfe-Tipps, wie man am besten mit abgetrennten Extremitäten umzugehen hat (kühl lagern, aber nicht auf Eis!).
Fö: Als Zugabe gibt es von THE VAGEENAS (of death) noch ein Stück, das größtenteils von Babette (of death) alleine dargeboten wird. Kommt da ein neues Soloprojekt? Mit Unterstützung von Frankzecko (of death) am Kleiderständer sowie elektronischer Hintergrundbemalung wird eine postapokalyptische Zukunft herauf beschworen, in der es keine Gitarren mehr gibt, aber deine Mutter noch lebt.
Fö: Zum Thema Seuchen und Krankheiten können auch die PESTPOCKEN ein Lied singen, oder vielleicht auch ein paar mehr. Nachdem ich ein Formular unterschrieben habe, dass ich bei eventuellen Folgeschäden nicht das Untergang-Team verklagen werde, wird mir auch ohne Atemschutzmaske Einlass in die Halle gewährt.
Fö: Die PESTPOCKEN gibt es nun schon ne ganze Weile und in diesem Szenario haben sie sogar den Weltuntergang überlebt. Das macht natürlich Mut! Den anwesenden Probanden jedenfalls scheint der Auftritt neue Lebenskraft zu geben, sie springen munter vor der Bühne umher. Nur gelegentlich stolpert man über Schlafsäcke und Toastbrote.
Fö: Sehr guter Auftritt, da kommt ordentlich Druck von der Bühne, der aber auch wieder auf traurige Weise sichtbar macht, dass auch im Deutschpunk-Sektor nur die Starken überleben. Es darf die Frage gestellt werden, ob die hier zur Schau gestellte Härte und Radikalität in einer postapokalyptischen Welt überhaupt eine Zukunft hat.
Fö: Das Wichtigste sei jedoch, dass wir auch in einer zerstörten Welt immer noch Punks sind! Also gibt es am Ende "We are Punks", und ganz viele Punks dürfen auf die Bühne. Sehr schön, wenn sich gesellschaftliche Unterschiede auflösen, wie hier zwischen denen da oben (auf der Bühne) und uns hier unten.
Fö: Im Raum geht es nun weiter mit ENDLICH SCHLECHTE MUSIK. Ich weiß nicht, ob der Bandname ein Ziel ist, das man mit dem Weltuntergang verfolgen sollte, und stehe der Band daher etwas skeptisch gegenüber.
Fö: Zu hören gibt es Deutschpunk, der eigentlich weder musikalisch noch textlich Schwachstellen zu bieten hat, aber irgendwie auch keinerlei Stärken. Mich jedenfalls packt das nicht und selbst das Filmriss-Cover bringt mich zum Gähnen. Die anderen Testpersonen sind da jedoch etwas weniger engstirnig.
Wuffi: Was Fö sagt.
Fö: In der Halle geht es nun weiter mit KOTZREIZ. Der Name beschreibt einen Zustand, den man eventuell in einer komplett zerstörten Welt durchgehend haben könnte, je nach körperlicher Versehrtheit. Mit Kotzreiz lässt sich aber natürlich auch das Gefühl der Ohnmacht umschreiben, die man hat, wenn man der drohenden Apokalypse entgegen sieht, die durchaus mannigfaltige Ursachen haben kann, wie zum Beispiel Donald Trump oder Pizza Hawaii.
Fö: Trotz aller Umstände ein sehr guter Auftritt. Es ist Kotzreiz auch hoch anzurechnen, dass sie weiterhin frohen Mutes in die Zukunft blicken und beispielsweise ein neues Album ankündigen, obwohl sie nicht einmal wissen, ob die Welt bis dahin nicht vielleicht bereits untergegangen ist. Gespielt werden einige neue Lieder, die ebenfalls Mut machen, weil es darin um wichtige Themen geht wie Saufen sowie Saufen mit Freunden.
Fö: Ein weiterer Aspekt, der im Kotzreiz'schen Liedgut sehr wichtig ist: Saufen. Lässt sich beispielsweise auch mit dem Getränk Pfeffi, das zudem desinfizierend gegenüber vielerlei Seuchen wirkt, durchführen. Ich hatte ja eigentlich gehofft, dass zum entsprechenden Lied "Pfeffi Graf" ein kleines Duett mit Babette (of Death) entsteht, aber leider nicht. Schade! Wo ist Babette (of death) eigentlich abgeblieben? Lange nicht gesehen!
Wuffi: Mein Hauptproblem während Kotzreiz: Es gibt kein veganes Gyros mehr, so wie gestern. Nicht mal mehr veganes Gulasch. Nur noch Nudeln mit Tomatensoße. Das ist wahrlich apokalyptisch.
Karhu: Außerdem ist der Untergang heute überpünktlich – allen AZ-Vorurteilen zum Trotz. Kotzreiz sind fast 15min. vor dem Zeitplan fertig!
Fö: Die Pünktlichkeit hat mich auch überrascht. Ebenso wie die Tatsache, dass Kotzreiz ne ganze Stunde Spielzeit zugesprochen wurde, wie hätten die das denn hinkriegen sollen?
Fö: Das letzte Lied heißt "Mülheim" und beschreibt die Vision einer Stadt, die nach der Apokalypse als letzter Rückzugsort der Menschheit bleibt. Ein sehr ernüchterndes Szenario! Für mich reicht es aber nun mit der Testreihe, ich denke ich habe genug Erkenntnisse gesammelt, weswegen ich auf die Auftritte der schwarzen Schafe und von 1982 verzichte und verfrüht das Ende der Studie einleite. Ich denke, das Untergang Festival hat mal wieder viele Chancen und Möglichkeiten aufgetan, wie man in einer zerstörten Welt weiter existieren könnte. Vielen Dank dafür.
Wuffi: Karhu und ich halten die Stellung. Und das lohnt sich! DIE SCHWARZEN SCHAFE sind überzeugend wie immer. Deutschpunk mit Melodie, der trotzdem nicht ins punkrockige verfällt. Es stört mich nicht einmal, dass die Ansage vor „Ede“ immer dieselbe ist.
Karhu: Auch im Falle des Untergangs ist die Revolution noch nicht vorbei und es müssen neue Rituale für die neue Gesellschaft gefunden werden. Sagt die Band (so ungefähr).
Karhu: Die Schwarzen Schafe sind eigentlich „nur“ für Bluttat eingesprungen. Trotzdem haben sie gleich Unterstützung aus Argentinien mitgebracht. Aber wo ist bloß der Bassist mit den Dreadies hin?
Wuffi: Keine Ahnung, aber vielleicht bedarf es eines Ersatzbassisten für die Ersatzband. Auch im Falle des Untergangs muss eine Band  schließlich vorbereitet sein und schnell Ersatz finden...
Wuffi: Mit 1982 klingt das Trainingscamp aus. Es gibt „Unterhaltungsprogramm im Stile der 80er“, wie es der Gitarrist formuliert. Also Coversongs aus der guten alten Zeit vor dem Untergang. Die Proband*innen vor der Bühne drehen nochmal richtig auf – zu Recht, muss ich sagen. Die Slime-Cover sind besser und wütender als das Original, das wir vor ein paar Wochen gesehen haben. Geil!
Karhu: Ich glaube, ich habe das Wort „postapokalyptisch“ noch nie so oft hintereinander benutzt wie in diesem Bericht. Aber wenn das, was wir an diesem Wochenende vor und auf der Bühne gesehen haben, repräsentativ ist für die postapokalyptische Gesellschaft, dann freue ich mich auf den Weltuntergang!


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