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Davy Jones, Tricky Woo, XLangenX, 06.08.2021 in Schwerte, Rattenloch - Bericht von der Redaktion

Davy Jones, 06.08.2021 in Schwerte

Fö: Zum zweiten Mal diesen Sommer (nach dem hier) darf das Rattenloch den wachsenden Inzidenzzahlen trotzen und die Pforten öffnen für alle mit GGG-Nachweis und Mindestalkoholpegel. War mir das beim letzten Mal noch zu unsicher, bin ich nun endlich offiziell durchgeimpft und dadurch auch etwas sorgenfreier. Da der Großteil meiner sozialen Blase ebenfalls bereits die Impfstatistik in die Höhe getrieben hat und sich die Mehrheit des Rattenloch-Publikums aus ebendieser Blase rekrutiert, gehe ich einfach mal davon aus, dass die Risiken weder für mich noch für andere sonderlich hoch sind, heute die Infektionszahlen weiter in die Höhe schießen zu lassen. Das ist ein gutes Gefühl und wer das ebenfalls mal erleben will, soll sich halt einfach impfen lassen, sofern noch nicht geschehen. Dann können wir vielleicht auch in Zukunft mal wieder öfter Konzerte erleben, wie wir sie vor der Pandemie kannten.
Büchse: Sehe das ähnlich wie Fö. Letztes Mal im Rattenloch war ich bei Nancy's Horrorpunk-Abend, der natürlich sehr gut war. Heute interessieren mich die Bands nur so mittel, aber ein Abend ins Rattenloch und nicht einfach nur in die Stammkneipe ist auf jeden Fall ein kleines Highlight. Was jetzt genau bei welchen Inzidenzzahlen erlaubt ist und was nicht weiß ich gar nicht mehr, das ist mir viel zu kompliziert geworden. Wenn das Rattenloch aufmacht dann wird das schon stimmen...
Peter: Es ist Freitag, ich habe meinen Soll auf der Arbeit erfüllt und schaue einigen freien Tagen entgegen. Passenderweise findet heute im Rattenloch das zweite Konzert nach langer Pause statt. Die Gründe hierfür sind hinreichend bekannt. Das erste dieser, bis auf die GGG-Pflicht, unreglementierten Konzerte habe ich leider verpasst und möchte daher auf jeden Fall dem zweiten beiwohnen. Wer weiß wie lange dies noch möglich sein wird? Ich greife zum Telefon und wähle die Nummer der Bierschinken-Zentrale. Nach langem Warten hebt Fö ab und fragt sichtlich genervt, aus welchem Grund ich seinen Mittagsschlaf (dieser geht in der Regel von 10:30 Uhr bis 15:30 Uhr) stören würde. Ich berichte ihm kurz und knapp von meinem Vorhaben. Fö ist wenig begeistert, lässt sich aber breitschlagen mitzukommen. Mir teilt er noch mit, dass ich überhaupt keine Wahl gehabt hätte und ein Besuch des Konzerts für mich unausweichlich gewesen wäre, da ich mich ansonsten mit großen Schritten der Kündigung genähert hätte. Dr_Lü-Ken habe schon offiziell Beschwerde eingelegt und nicht nur mich, sondern auch Zwock als Drückeberger, Tunichtgute und was am schlimmsten ist, als Punkverräter bezeichnet. Das andauernde Fernbleiben auf Veranstaltungen unsererseits, könne von der Chefetage nicht länger geduldet werden und sei darüber hinaus auch schon mehrfach abgemahnt worden. Es gäbe keine ersichtlichen Gründe, um unsere fortwährende Abwesenheit zu entschuldigen. Das würde somit bedeuten, so Fö: "Bericht oder Beendigung des Dienstverhältnisses". Unbehagen mischt sich unter meine Vorfreude. Mit diesem diffusen Gefühl stehe ich wenig später am Hbf und nehme den Zug nach Schwerte. Wehmütig denke ich dabei an die Zeit zurück, als Dr_Lü-Ken und ich noch Freunde waren. Damals, als er mir noch coole Platten aus dem Urlaub mitgebracht hat, mir Dick-Pics mit der Post schickte und ich mich darüber sehr gefreut habe. Ich versuche mich zu erinnern. Wir haben so viel erlebt, es ist, als wäre das alles nie geschehen. Nichts ist mehr geblieben, alles so weit weg. All die ganzen Jahre...
Fö: Ein Problem hatte das Rattenloch bereits vor der Pandemie: Wer regelmäßig hier ist, hat die meisten Bands halt auch schon tausendmal gesehen, weil die halt einfach ständig hier spielen! Zum Glück ist das heute eigentlich unerheblich, da die meisten Bands vermutlich seit bestimmt anderthalb Jahren nicht mehr hier gespielt haben. So auch die erste Band TRICKY WOO.
Peter: In unserer Reisegruppe befindet sich mit Vladi, der vermutlich einzige Besucher am heutigen Abend, der die Band noch nie gesehen hat. Um mal reinzuhören hat er die Band bei einem großen Streamingdienstanbieter gesucht und ist nun im Glauben, dass es sich bei TRICKY WOO um eine Garage-Punk Band handelt. Ich merke schnell, dass es sich hierbei um eine Verwechslung handeln muss. Lass ihn aber sicherheitshalber in seinem Glauben. 
Fö: Das Mehrgenerationenprojekt spielt Punk mit meist politischen und kritischen Botschaften, setzt immer mal auf Wechselgesang und lockt erste Tänzer*innen vor die Bühne. Muss sagen, mir gefällt das besser als ich es in Erinnerung hatte. Muss aber auch sagen, dass ich nicht mit sonderlich hoher Erwartung hier angekommen bin.
Fö: Einige Lieder sind entweder neu oder haben zu komplizierte Texte, jedenfalls liegen diese ausgebreitet auf der Bühne und Lawi muss immer mal wieder hinblinzeln. Andere Lieder wie der Klassiker "Fick News" sitzen hingegen natürlich wie ne Eins.
Peter: Die Pandemie und die wahrscheinlich daraus resultierenden Stunden im Proberaum kann man, wie ich finde, heute hören. Die Band wirkt, trotz Lawis textlicher Unsicherheit, sehr aufeinander eingespielt. 
Büchse: Tricky Woo auch schon n paar Mal gesehen, da kommt man nicht dran vorbei wenn man ab und zu hier ist. Aber wie gesagt, jede Art von Live-Musik ist aktuell gut. Fokus liegt bei dieser Band klar auf politischen Texten. Das führt dazu, dass jemand der mehr Musik als Texte mag hier, nur so mittel abgeht. Hut ab für die engagierte Meinungsmache der Band!
Büchse: Was heißt eigentlich Tricky Woo? Aber ist auch egal, Namen sind Schall und Rauch. Jeder hier ist froh, dass mal wieder was passiert in Schwerte, weshalb es auch gut voll ist und viele Leute draußen rauchen und froh sind, sich wieder zu sehen.
Peter: Der Name bedeutet, dass sie in naher Zukunft mit Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen von einer gleichnamigen kanadischen Garage-Punk Band überzogen werden. Außerdem ist es der Name eines Hundes aus einer englischen Serie.
Peter: Auch ich werde immer wieder von meinen Gefühlen überwältigt. Der ganze Abend wird zu einem großen Wiedersehen, sich in den Armen liegen und einem feuchtfröhlichem Gefeier. Endlich wieder auf einem "normalen" Punk Konzert beisammen sein. Irgendwann überkommt uns totale Übermut und wie im Wahn teilen wir Zigaretten, Getränke und greifen mit unseren undesinfizierten Händen tief in ein und die selbe Tüte Erdnussflips. DER KOMPLETTE IRRSINN! 
Peter: Hier sehen Sie eines der letzten Exemplare der vom Aussterben bedrohten Art der Nietenkaiser:innen bei der artgerechten Fütterung durch einen Pfleger. Dieses besonders eindrucksvolle Exemplar entstammt dem dichten Dschungel von Herne-Börnig und ist nicht nur in seinem Aussehen, sondern auch in seinem Verhalten ausgesprochen borstig und stachelig! Bitte näheren Sie sich ihm in freier Wildbahn nur mit äußerster Vorsicht! Legen Sie sich im Fall von aufkommender Tobsucht und Raserei flach auf den Boden, halten Sie sich mit beiden Händen die Ohren zu und warten Sie auf Hilfe. 
Fö: Nächste Band: DAVY JONES! Mir zuvor lediglich vom Namen her ein Begriff, sind die Sauerländer bisher ansonsten eher an mir vorbeigegangen. Dementsprechend habe ich auch große Hoffnungen darauf gesetzt, dass sie heute die Fahrt nach Schwerte rechtfertigen würden. Und was soll ich sagen: Hat geklappt!
Fö: Zu hören gibt es so Punkrock bis Punk'n'Roll, meist mit Gaspedal am Anschlag und obwohl ich diesem Musikstil vor ca. 15 Jahren noch mehr abgewinnen konnte, erobern sie mein Hörzentrum im Sturm.
Peter: Ich habe die Band, wenn mich nicht alles täuscht, schon einmal hier gesehen, kann mich aber nicht mehr erinnern. Nach ein paar Songs frage ich mich ernsthaft, wie ich einen Auftritt der Sauerländer vergessen konnte. Ich bin restlos begeistert! Hier sitzt wirklich alles. Davon dass der Schlagzeuger noch relativ frisch dabei sein soll, merkt man auch nichts.
Fö: Der Pool ist bald von fleißigen Tänzer*innen bevölkert. Manchmal rempeln sie sich sogar an, bespritzen sich mit Bier, brüllen laut oder fallen hin. Das sind echt Bilder, die ich seit gefühlt 15 Jahren nicht mehr gesehen habe!
Büchse: Davy Jones liefern tatsächlich ab. Man kann durchaus sagen dass die was draufhaben und sich auch Mühe geben, das zu zeigen. Weiß gar nicht genau was für ne Musikrichtung das ist, vielleicht Hardcore-Skatepunk oder so? Auf jeden Fall viele Synkopen, was musikpsychologisch immer nach vorne zieht. Die Leute gehen ab und nehmen die Aufforderung an, ein Typ im Becken auch ein bisschen zu viel. Ich poge aus Gewohnheit n bisschen mit.
Fö: Die Band liefert gut ab. Gitarrist/Sänger David war mal bei den von mir sehr geschätzten Social Distrust, wenn ich das richtig verstanden habe gab es sogar einen Coversong von Funeral March, das sind so ungefähr die musikalischen Eckdaten. Ich fühle mich auch manchmal an die großartigen Creetins erinnert, aber auch an ne Bulldozer-Variante der Hellacopters
Fö: Macht wirklich Spaß und entlockt uns mehr als nur zaghaftes Mitwippen. Kommt alles sehr stimmig und auf den Punkt, ist gleichzeitig aber auch schön dreckig. Gutes Ding, gefällt mir sehr.
Peter: Vor der Bühne kommt es derweil zu richtig Bewegung im Publikum und just in diesem Augenblick merke ich, dass der Geist des Rock'n Roll doch noch da ist. War (Punk-)Rock durch die fehlenden Live-Konzerte im vergangenen Jahr irgendwie zu sowas wie einem Gespenst aus der frühen Steinzeit geworden. Wenig greif- und sichtbar. Eine Idee, die seit Jahren tot ist
und die man längst beerdigt hat. Mal abgesehen von wenigen wirklich guten Veröffentlichungen und einigen berechtigten Grabenkämpfen und Diskussionen in den Kommentarspalten Sozialer-Netzwerke, in denen sich besonders alte, weiße Männer nicht mit Ruhm bekleckerten. Ist er hier und jetzt wieder spürbar, die Musik ist laut treibend und wild, es ist warm und es riecht nach Schweiß. Menschen schubsen sich durch die Gegend, schreien herum und spritzen enthemmt mit Bier. Ich fühle mich Zuhause! 
Büchse: Auch wenn ich die Band zum ersten Mal sehe/höre kommt es mir vor, das alles schon tausend Mal gehört zu haben. Sie halten sich irgendwie an ihr Genre. Nicht falsch verstehen, gutes Handwerk. Nur ist mir das Ganze wenig innovativ und ich stehe aktuell mehr auf experimentelle Musik. Die Band ist objektiv gut, zieht mich aber heute nicht mit. Cool finde ich die gefühlt 50 Jahre und 1000 Konzerte alte Fender Strat, die anscheinend nicht kaputt zu kriegen ist. Das hat Stil.
Peter: Ins Set wird noch Sonic Reducer von den Dead Boys gemischt, reiht sich sehr gut an die eigenen Songs an. Schade dass man unter dem Namen der Band bei meinem Lieblings Streamingdienst nur komische Sänger von Anno Tuck und andere seltsame Künstler findet. Ein Einzug ihrer Songs in meine Playlisten wäre ihnen gewiss und sicherlich würde sich bei mir dadurch der ein oder andere Ohrwurm ergeben. Ach, übrigens: Wisst ihr eigentlich was gegen Ohrwürmer hilft? Ein belegtes Brot mit Schinken...!
Fö: Am Ende muss sogar noch ne Zugabe gegeben werden - ist jetzt nicht wirklich ungewöhnlich, läuft aber als Zugabe der Kategorie 3, nämlich "ungeplante Zugabe", was eindeutig besser ist als Kategorie 1 ("geplante Zugabe") und Kategorie 2 ("bereits gespielten Song nochmal"). Die Zugabe lädt noch mal ordentlich zum Tanzen und Twisten ein. Schön.
Fö: Anschließend XLANGENX. Den Anfang verpasse ich wegen Fachsimpelei an der Theke (unglaublich, dass ich sogar das vermisst habe), dem Ende ziehe ich ebenfalls Fachsimpelei an der Theke vor, da bleibt so rein mathematisch nicht mehr viel, um das gut 20minütige Set ausgiebig zu bewerten.
Fö: Nunja. Letztens erst gesehen bei unserer Pankdemic Show, also weiß ich ungefähr was mich erwartet. Auch wenn die Band in son dunkles Loch natürlich besser passt als auf die Freilichtbühne. Andererseits ist hier der Sound dafür viel breiiger, was aber bei dem Krachgrind eh nicht mehr viel ändert. Ne deutliche Weiterentwicklung ist trotzdem zu bemerken, sie haben nämlich heute ein Keyboard! Das erhöht den Trashfaktor nochmal ungemein.
Büchse: Auf die hab ich irgendwie am meisten Bock. Schön abgefahrener Kinder-Grind à la Revolutionary Shitbucket. Da wir gerade vom Obscene Extreme kommen finde ich das geil und alles was nicht so hart und schnell ist, irgendwie lahm. Hab mir vorher sogar das 4 Minuten Album auf Bandcamp angehört. Das ist wie man vermutet kurzweilig (=gut).
Büchse: Die Jungs sind alle ein bisschen verrückt und das ist gut so. Bescheuerte Ansagen, lustiges buntes Aussehen, merkwürdige unpassende Keyboard-Sounds, nebensächliche Blastbeat-Mucke. Schön. Ein Gesamtkunstwerk, welches Kraftwerk in den Schatten stellt.
Peter: Word! Mehr braucht man dazu nicht zu sagen! 
Büchse: Danach letzte Bahn nach Dortmund, in Schwerte noch ein paar komische Leute am Bahnhof, die mir Bier schenken und offensichtlich noch nie etwas von den Beastie Boys gehört haben. Was ist aus der Dorfjugend geworden... In Dortmund noch zu Mäcces und dann spontan doch noch in die Stammkneipe, wo wir dem Barkeeper gute Laune eintrichtern müssen. Ein gelungener Abend! Gern mehr davon mit hoffentlich noch cooleren Bands.
Peter: Wir sitzen noch lange vorm Rattenloch, lassen jeden Zug und jeden Bus Richtung Dortmund ohne uns fahren und so ziehen die Stunden ins Land und wir trinken immer noch ohne Verstand. Ein solch schöner Abend darf einfach nicht enden. Irgendwann ruft uns das Personal dann aber doch ein Taxi, gibt uns noch etwas zu lesen für die Reise mit und entlässt ums in den anbrechenden Morgen. So brechen Vladi, Hernes Nietenkaiser No. 1 und ich auf, das Buch lasse ich dann doch aber doch da. Einzig die Erinnerungen an einen schönen Abend und einen kräftigen Rausch packe ich ein und nehme das alles mit nach Hause und gebe nichts mehr davon her!

Rückblickend schon jetzt einer der schönsten Abende des noch laufenden Jahres. Bleibt einzig und allein die Frage offen, wo war eigentlich mein ehemaliger Freund Herr Dr_Lü-Ken? Der alte Denunziant, Drückeberger und Punkverräter! Ich hoffe der Chef hat seine Abwesenheit bemerkt und wird diesen ebenfalls abmahnen! 

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Roland der Voland
(Roland der Voland)
16.08.2021 09:05
Bei DAVY JONES ist aber der Bassist neu und nicht der Schlagzeuger.
M2theB

26.08.2021 23:13
… achso, ja dass der Bassist neu ist, hat man schon gehört.

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