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Schalko, Black Square, 02.11.2021 in Hamburg, Astra Stube - Bericht von Thruntilldeath

Schalko, 02.11.2021 in Hamburg

Geil, ein Konzert, in dem ich drei Rollen auf einmal einnehmen kann: "Journalist", "Verkäufer im Einzelhandel" und "Besucher". Wie es dazu kam? Spannend, danke, dass du fragst: Die guten Menschen der Astrastube hatten mit den anderen guten Menschen der Second-Bandshirt-Ortsgruppe abgemacht, dass wir doch mal im Winter draußen vor dem Laden ein paar Shirts für einen guten Zweck verticken können. Dieses Jahr ist das bei uns das Hamburger Bündnis gegen Rechts. Klasse Idee. November, die Kreuzung zwischen Stresemannstraße und Max-Brauer-Allee und dazu noch direkt unterhalb der Sternbrücke, über die im gefühlten Minutentakt die Züge und S-Bahnen rollen. Geil, oder? Die Sternbrücke soll übrigens eventuell abgerissen und durch ein Monster ersetzt werden, und das finden viele Menschen eher scheiße. Anyway, Hamburg ist ja immer wieder für 1 Pimmelmoves bekannt, wieso also nicht auch mal noch wat obszön Großes installieren?

Auf jeden Fall sollte der erste Stand von der Astrastube, von Freunden auch liebevoll Astarstube genannt, mit dem Konzert von den nicht weniger liebevollen BLACK SQUARE und der Billy-Talent-oder-doch-nur-Turbostaat-Coverband von SCHALKO, undercover auch gerne mal als Schlacko unterwegs, zusammenfallen. Und weil sich unter der Woche auch noch Besuch angekündigt hatte, ich krampfhaft nach einem Programmpunkt gesucht hatte und zudem eine Ausrede brauchte, um nicht von 19 bis 23 Uhr durchgehend draußen vor dem Laden zu stehen, hab ich kurzerhand noch zwei Tickets gekauft, die Handyspeicherkarte für atemberaubende Fotos defragmentiert und mich pünktlich mit A. auf den Weg gemacht.
Um dann auch pünktlich um 19 Uhr zum Soundcheck an der Astrastube einzutreffen. Etwas skeptisch waren wir schon, wie genau der Shirtverkauf bei dieser Location ablaufen kann, aber mei, ein Stand ist besser als kein Stand und irgendwie waren wir uns dann doch schnell einig, wie der Krams aufgebaut werden kann. Einig heißt in dem Fall "Ja, so find ich das auch ganz gut, ich geh mal essen, bin ja nur Gast heute.". Praktisch, diese Mehrfachtätigkeit. Und während T. und A². sich die Beine in den Bauch stehen, werden neben der Astrastube bei Burrito und Margarita erstmal die Hände aufgewärmt. Lecker, dieser Salzrand!
Pünktlich um 21 Uhr - wir sind ja nicht im AZ und um 23 Uhr muss Schluss sein! - steht dann auch mein Secret Headliner auf der Bühne. BLACK SQUARE, die schlagzeuglosen Menschen mit dem Finger in der Wunde der Gesellschaft. Wobei "Finger" bei den Texten und Ansagen auch ein wenig untertrieben ist, da wird direkt die ganze Hand mit Salzkruste in der klaffenden Öffnung versenkt und schön drin rumgerührt. Brennen sollst du, deutsche Seele! So sehr, dass ich mich nach den Ansagen, die fast so lange dauern wie die Songs selbst, kaum noch traue, mit dem Kopf im Takt zu wippen. Meine Güte, wird einem hier am beschaulichen Dienstagabend nochmal wieder schonungslos bewusst gemacht, wie beknackt es "da draußen" und leider ebenso "hier drinnen" in unserer Szene zugeht. Klar, am Ende ist das eher preaching to the choir, aber so eloquent formuliert gibt's das selten zu hören. Wäre mal schön, auf solche Ansagen von Bands in einem größeren Rahmen zu treffen. Mit dem schnellen Hardcorepunk und absolut geil ätzendem Gesang wird's für Black Square wohl (leider?) schwierig, diesen Platz einzunehmen. Aber wer will schon aufs Hurricane? Ich lass mich gerne weiterhin in kleinen Läden so frontal anschreien!

Eigentlich wollte ich schon immer generell Bands ohne Schlagzeug scheiße finden, leider passt das bei Fini und Bonny von vorne bis hinten perfekt zusammen. Aber wieso auch nicht? Wenn alle Menschen Videocalls aus dem Homeoffice machen, darf auch das Schlagzeug virtuell dabei sein. Black Square, die unbequemen Stühle und Internetausfall der deutschen Homeofficelandschaft! Sobald das Mikro aber stummgeschaltet ist, sind das allerdings zwei unfassbar nette Menschen. Da komm ich gerne wieder!
Und vor der Tür? Bekommen A². und T. einen Holzhammer geschenkt, mit dem ab sofort jedes verkaufte Shirt professionell wie bei einer Auktion beklopft wird. Endlich mal ein sinnvolles Accessoire! Erstaunlich auch, dass doch ein paar vorbeistromernde Menschen stehenbleiben und sich mit Shirts eindecken, sodass am Ende tatsächlich über 60 Euro an Spendengeldern für das Hamburger Bündnis gegen Rechts zusammengekommen sind. Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die gespendet haben, einem Shirt ein neues Zuhause ermöglichen und der Astrastube dafür, dass wir hier überhaupt mitmachen dürfen. Und natürlich Danke an A². und T. dafür, dass sie tapfer durchhalten, während ich im Warmen mitwippe.
Kurze Umbaupause und Bühne frei für SCHALKO, laut einigen (einem) Internetmedien auch als Schlacko unterwegs. Eigentlich hatte ich mit dem Gitarristen am Ende den Deal abgemacht, einen Verriss zu schreiben, wenn er am Stand draußen ein Shirt kauft, aber... das war gar nicht nötig, den Verriss schreiben sich Schalko mit ihrem absolut kacklangweiligen deutschen Betroffenheitspunk schön brav selbst. Drei Herren gegen das Leben, traurig und verletzt von... ja, von was eigentlich? Was genau ist denn euer Problem? Dass ihr zu viel Turbostaat und Rachutbands gehört habt und jetzt gedacht habt "Ey, es ist 2020, lass mal genauso klingen und auf Innovationen scheißen!"? Habt ihr geschafft, Applaus. Zumal ich Turbostaat und diesen Rachutkrams auch noch unfassbar scheiße und langweilig finde.

 Annähernd 45 Minuten belangloses, gleichklingendes Geseier, und das einzige, was an dieser Band "Cool" ist, ist der Name des letzten Albums. Und dann noch ironisch Handtücher und Jutebeutel als Merch dabei haben? Die Liste wird länger und länger. Die ersten Lieder dachte ich noch, dass hier eher Disco//Oslo durch die Gegend rumpeln würden, schließlich hatten die neben kryptischen, unpolierten Punksongs auch schon Geschirrtücher als Merch, aber dann lösten sich Disco//Oslo auf und der Postpunk kam aus der Kiste gesprungen. Und wie sagten es Supernichts einst schon? "Scheiß Post."
Dass ich trotzdem auch bei diesem Auftritt mit dem Kopf mitgewippt und Spaß wie der Rest des leider überschaubaren Publikums hatte, lassen wir mal bitte unter den Teppich fallen. Vor allem, weil der Gitarrist sich von allen coolen T-Shirts ausgerechnet das Billy-Talent-Shirt rausgesucht hat. Da wächst zusammen, was zusammengehört. Das nächste Mal bitte lieber diese Band covern, das wäre insgesamt eine Verbesserung.

Abbauen, austrinken, sabbeln, frieren, ab nach Hause. Schön war's, mein erstes 2G-Konzert!

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